Geblitzt mit Rettungswagen

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    • Geblitzt mit Rettungswagen

      Guten Abend Jungs und Mädels,

      Da sich mir die Frage aufgetan hat, inwiefern die Sonder und Wegerechte einen von der StVO befreien, frage ich einfach mal hier um Klarheit zu erlangen.

      Folgende Situation:
      RTW mit einem Gewicht von über 3,5 Tonnen, mit Sonder und Wegerechten unterwegs auf der Autobahn mit 140kmh (auf diese Geschwindigkeit begrenzt).

      In einer 100er Zone dort geblitzt. Wie verhält sich das ganze dort? Es war Nacht und die Autobahn war komplett frei.

      Würde mich über Antworten freuen.
      Falls dieses Thema hier fehl am Platz ist, bitte verschieben bzw löschen.
    • Du fragst für einen Freund?

      Wegerechte sind Wegerecht, egal ob Übung oder nicht. Wenn die nicht freigegeben waren, dann ist das wieder was anderes.
      Aber wenn alles erlaubt war kein Problem. Kritisch wird es dann, wenn es zu einem Unfall kommt. Als Fahrer eines Fahrzeugs mit Blaulicht hat man erhöhte Sorgfalt zu gewährleisten, ob das bei 140, also über der Richtgeschwindigkeit noch gegeben ist, ist dann wohl Justerei.

      Generell kommt es aber darauf an, was im Fahrzeugschein steht, bei vielen RTW steht da Sonder-KFZ oder so ähnlich, dann gilt die 80km/h Regel meines Wissens nach nicht, da es kein LKW ist.

      Aber mach dir keine Sorgen, die Bild wird vermutlich auf irgendeinem Bürotisch landen, von wo aus es wieder zurück zum Absender geht. Zumindest war das bei uns immer so.
    • Also ich wurde in meinen wenigen Dienstjahren (seit 2015) im Rettungsdienst jetzt schon oft geblitzt mit KTW, RTW und NEF. Passiert garnichts. Wir dürfen schneller fahren, natürlich immer im bestimmten Maße.

      Das schnellste war mit dem RTW über 3,5t mal mit 40 km/h schneller innerorts. Nichts passiert, Antwort auf Blitzer-Brief dass es ne SoSi Fahrt war, alles gut.

      Solange nichts passiert und du dein Fahrzeug unter Kontrolle hast, finde ich es auch in Ordnung.

      Ich bin ehrlich: ich fahr auch recht zügig, aber mit gewisser Vorsicht und vorausschauend. Bisher hat sich keiner der Kollegen oder Chefen beschwert und ich hab noch nicht einen Kratzer in ein Auto gemacht...

      Kurz und knapp: Verhältnismäßigkeit beachten, Auto unter Kontrolle haben, beim Blitzerfoto sollte nichts passieren, auch wenns eine Übung war... (solange die Übung mit SoSi angesetzt war, logischerweise)
    • So mal allgemein wird immer von Sonder- UND Wegerechten gesprochen.
      Möchte es mal auftrennen:
      Sonderechte: Diese hat der RD bei JEDEM Einsatz, weil diese das "freie" parken beinhalten oder befahren von Sonderwegen (also parken im Halteverbot/2. Reihe und Befahren von Einbahnstraßen gegen die Richtung oder gesperrte Wege für Fahrzeuge ab 3,5t)
      --> denn da steht zwar Sonderkfz im Fahrzeugschein gilt aber als "normales" Fzg. bis 7,5t = LKW, bedeutet außerhalb von Einsätzen wäre das Fzg. als LKW zu behandeln! ;)
      Hatte schon Kollegen die wurden mit 100 bei 80 auf der Stadtautobahn geblitzt, da kam dann ein Brief mit Foto ... (Befanden sich auf dem Rückweg zur Wache = kein Einsatz)

      Wegerechte: Diese beinhalten dann unter Ausschluss Gefährdung anderer, die Erlaubnis Verkehrsregeln bzw. Verkehrsschilder zu ignorieren bzw. Vorrang zu fordern (=Wegerecht), aber auch nur mit Blaulicht und Sondersingal (Sprich TON+LICHT) "blaues Blinklicht oder Geldlicht alleine rechfertigt keine Wegerechte."
      Daher auch mal klargestellt, Nachts ohne Ton fahren, heißt für uns in der Theorie schon ein Bein im Knast! Daher sind wir garnicht so böse, sondern nehmen schon Rücksicht. ;)

      So nun mal zur Lage Übung:
      Wenn nicht vorher Bekannt (nur Übungsleiter etc.) und es werden Sonder- und Wegerechte durch Leiststelle freigegeben ist dies gerechtfertigt und somit abgesichert.
      Falls die Übung vorher angekündigt war, dennoch Sonderrechte durch Leiststelle freigegeben wurden, muss man nicht wie ein Vollidiot rasen! Da bei Übungen auch oft im Konvoi gefahren wird dann eh unnötig.

      Zur Frage Geschwindigkeit es gibts RTWs, die sind abgeregelt (120-140) und natürlich auch welche ohne Abregelung.
      Deswegen da auch immer im Verhältnis sehen. (Großstadt/Kleinstadt/Dorf/Land/etc.)

      Hier mal ne Übersicht wie ich so fahre:(unsre RTWs haben keine Geschwindigkeitsbegrenzung)
      Stadt: je nach Übersicht bzw. Verkehrslage 60-80 km/h*
      -->Schulen/Kindergärten: Erlaubte Geschwindigkeit MAX+10-15 km/h*
      Land/Autobahn/Schnellstr. je nach Übersicht bzw. Verkehrslage 100-140 km/h*
      *(bei schlechter Sicht/Wetter natürlich angepasst)

      Hatte ein Kollegen der ist mit 140 durch die Stadt und dies rechtfertigt keine Erfahrung oder ähnliches, dass ist einfach nur VERANTWORTUNGSLOS!
      Deswegen gabs da dann auch mal ne Dienstanweisung ... eine offizelle Grenze gibt es zwar deswegen auch nicht aber immer im Verhältnis sehen.
      Bei uns bekommt auch immer erst die Rettungsdienstleitung wenn die Blitzerfotos.
      (meist kommen schon keine, weil die Verkehrsbehörde bei der Leiststelle nachfragt ob es eine SoSi-Fahrt war und sie dann löscht)
    • Danke für die zahlreichen Antworten :)

      Dann muss ich mir also erstmal keine Gedanken machen. Ja, bei der Übung war es nicht ganz so die gute Wahl so schnell zu fahren, allerdings war es auf der Autobahn und eine Gefährdung war ausgeschlossen.
      Kommt so jedenfalls nicht mehr vor. War aufjedenfall eine Diskussion wert.

      The post was edited 1 time, last by JackTheRipper ().

    • Paragraph 35 StVO (Sonderrechte)
      5a
      Fahrzeuge des Rettungsdienstes sind von den Vorschriften dieser Verordnung befreit, wenn höchste Eile geboten ist, um Menschenleben zu retten oder schwere gesundheitliche Schäden abzuwenden.

      ist ja eigentlich klar. Sonderrechte befreien dich von der StVO bis auf: 35.8 Die Sonderrechte dürfen nur unter gebührender Berücksichtigung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung ausgeübt werden.

      Und da soll mal eine festlegen was denn genau Sicherheit und Ordnung heißt ;)

      Paragraph 38 StVO (Blaues Blinklicht und gelbes Blinklicht)
      1
      Blaues Blinklicht zusammen mit dem Einsatzhorn darf nur verwendet werden, wenn höchste Eile geboten ist, um Menschenleben zu retten oder schwere gesundheitliche Schäden abzuwenden, eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung abzuwenden, flüchtige Personen zu verfolgen oder bedeutende Sachwerte zu erhalten.
      Es ordnet an:

      „Alle übrigen Verkehrsteilnehmer haben sofort freie Bahn zu schaffen“.

      spielt in deinem Fall gar keine Rolle, da die Geschwindigkeit mit deiner Anordnung keine Relevanz hat.




      Zum Thema Übung:
      Komischerweise steht in der StVO nirgends was, wie man zur einer Übung fahren soll. Rein theoretisch hast du dann keine Sonderrechte, so lange du wusstest, dass das eine Übung ist, da in keinem Fall Menschenleben zu retten waren, noch schwere gesundheitliche Schäden abzuwenden gewesen sind.

      Vor einer rechtlichen Grauzone zu sprechen fällt mir schwer, wenn nämlich bekannt ist, dass es eine Übung ist, dann trifft kein Paragraph der StVO zu, der einem dieses (Sonder)Recht gibt.
      Wenn du jetzt in der Annahme gefahren bist, dass es sich um einen Ernstfall handelt, ist alles gut, denn dann kann dir keiner was, wobei man ja auch sagt "Unwissenheit schützt vor Strafe nicht", würde ja aber bedeuten, dass man jede Alarmierung in Frage zustellen hat.

      Um mal meine persönliche Meinung kund zu tun.
      Ich halte nichts von Übungsfahrten mit Sonder- und Wegerecht, Gefährdung und Nutzen stehen in keinem für mich erkennbaren Verhältnis.

      Zu mal es mir sich nicht erschließt, dass ich zu einer Übung mit Sonder- und Wegerecht fahre und zwei Tage später einen Echteinsatz ohne Sonder- und Wegerecht anfahre, weil ein "geringer medizinischer Notfall" vorliegen soll, der sich leider immer wieder als "richtiger Notfall" heraus stellt.
      Ich kenne Übungen auch eigentlich nur mit normaler Anfahrt, außer eine, die vom Bund auferlegt war.
    • Naja das sehe ich etwas anders.

      Normalerweise legt die Leitstelle fest (auch bei Übungen) ob mit oder ohne Alarm gefahren wird. Entsprechend gibt es bei uns im Rettungsdienst bei den Ric's die Unterscheidung m.A (mit Alarm) oder o.A (ohne Alarm) Hauptamtlich als auch Ehrenamtlich.

      Grade für Ehrenamtliche Kräfte macht das Blaulicht fahren bei Übungen Sinn um den Ernstfall zu Trainieren. Weil anders bekommen Sie ja (im besten Fall) nicht die Möglichkeit Sosi Fahrten im Straßenverkehr zu Trainieren / Üben.

      Hast du den eigenmächtig entschieden das du mit Alarm fährst ?
      Emergency 4 Modding Tutorials -> HIER
    • Es war eine MANV Übung, uns direkt wurde nicht gesagt, dass genau wir mit sosi anfahren soll. Allerdings wurde von einem anderen Fahrzeug über Funk gefragt, ob sosi frei ist. Darauf kam die Antwort der Leitstelle "Na selbstverständlich!"

      Sind bis zum Sammelpunkt gefahren und von dort aus im Verband.
    • Wie von @McGarett geschrieben, ist auch bei uns eine unterscheidung in der Alarmierung erkennbar, ob mit SoSi oder ohne SoSi gefahren werden soll. Dies ist schon am Ton des Melders zu erkennen.
      Bei uns sind die RTWs (3,88t-Zulassung) auf 120-130km/h abgeriegelt.
      Bei uns auf der Wache kommt oft gar keine Post mehr, denn direkt vor unserer Wache (30km/h erlaubte Höchstgeschwindigkeit) steht ein fest installierter Blitzer. Da fährst du am Tag so oft mit Signal durch, dass der schon manchmal gar nicht auslöst (bin mal mit 60 Durch, da Straße frei war er löste nicht aus). Dann bin ich einmal kurz vor Feierabend aus ungedanken dort zu schnell gefahren und geblitzt worden - dass es ohne Signal auf dem Weg zur Wache war, war blöd, aber auch da habe ich bis heute nichts bekommen.

      Je nach Verkehr fahre ich auch innerorts so 60-80 Km/h, außerorts je nach Übersicht max. 100-120 km/h, auf der Autobahn fahre ich meistens am Anschlag.
      Aber das sind die Geschwindigkeiten, wenn es optimal ist, wenig verkehr, übersichtlich,...
      Sobald es etwas problematiger wird, fahre ich langsamer und unter Umständen sogar nur so schnell wie erlaubt.


      JackTheRipper wrote:

      Es war eine MANV Übung, uns direkt wurde nicht gesagt, dass genau wir mit sosi anfahren soll. Allerdings wurde von einem anderen Fahrzeug über Funk gefragt, ob sosi frei ist. Darauf kam die Antwort der Leitstelle "Na selbstverständlich!"
      Es war euch also bekannt, dass es ne Übung war? Und es gab keine direkte Anweisung, Sonder- und Wegerechte in Anspruch zu nehmen? Dann hätte ich auch für mein Auto zusätzlich nachgefragt. Da kommt es jetzt auf den Wachenleiter oder wer sonst diese Sachen bearbeitet an, wie der entscheidet. Aber wie du schon sagtest, war es unverhältnismäßig in dieser Situation.
      110-Jungs die man ruft - 112-Männer die auch kommen!
    • sb-modder wrote:

      Je nach Verkehr fahre ich auch innerorts so 60-80 Km/h
      innerorts 60km/h ist kein Thema, das ist ja eigentlich übliche Richtgeschwindigkeit. Aber 70 oder sogar 80km/h? Ich dachte als Angehöriger einer Sicherheitsorganisation wüsste man das Geschwindigkeitsüberschreitungen einer der häufigsten Unfallursachen sind.
      Die Ignoranz und Faulheit mancher überrascht mich immer wieder!
    • McGarett wrote:

      Normalerweise legt die Leitstelle fest (auch bei Übungen) ob mit oder ohne Alarm gefahren wird.



      Aber auch nicht in jedem Bundesland. In Bayern entscheidet beim Rettungsdienst der Fahrer oder mit Pat. der NA oder NFS.

      Grade für Ehrenamtliche Kräfte macht das Blaulicht fahren bei Übungen Sinn um den Ernstfall zu Trainieren. Weil anders bekommen Sie ja (im besten Fall) nicht die Möglichkeit Sosi Fahrten im Straßenverkehr zu Trainieren / Üben.

      Finde ich auch sinnvoll.

      str1k3r wrote:

      sb-modder wrote:

      Je nach Verkehr fahre ich auch innerorts so 60-80 Km/h
      innerorts 60km/h ist kein Thema, das ist ja eigentlich übliche Richtgeschwindigkeit. Aber 70 oder sogar 80km/h? Ich dachte als Angehöriger einer Sicherheitsorganisation wüsste man das Geschwindigkeitsüberschreitungen einer der häufigsten Unfallursachen sind.
      80 km/h innerorts, dann sag ich jetzt lieber nichts zu dem Thema, wenn ich mir die gängige Praxis bei uns ansieht, was auch gut funktioniert.

      Leute, das Blaulicht und Horn sind nicht auf den Dächern, um uns im Verkehrsfluss anzuschließen. Ich nutz das ganze ja nicht aus Spaß. Klar, wenns nicht anders geht muss ich mit anpassen. Aber wenn frei ist, kann ich auch mal schneller fahren. Sonst kann ichs gleich auslassen.
    • carli96 wrote:

      Generell kommt es aber darauf an, was im Fahrzeugschein steht, bei vielen RTW steht da Sonder-KFZ oder so ähnlich, dann gilt die 80km/h Regel meines Wissens nach nicht, da es kein LKW ist.
      Die 80 km/h Regel gilt für alle Fahrzeuge über 3,5 Tonnen zul. GG, die NICHT als Personenkraftwagen zugelassen sind.

      Siehe dazu auch einen sehr ausführlichen Artikel von Brian Peschke: Link
    • durchaus kann man innerorts auch mal 80km/h und schneller fahren kommt ganz auf die Gegebenheiten an.
      Habe in meinem Einsatzgebiet eine 4 spurige Straße (2 je Richtung) die für 50km/h freigeben ist, die hat verläuft über mehrere Kilometer nahe zu Schnurgerade und hat relativ wenig Kreuzungen/Einmündungen und wenn meist mit Ampelanlage, natürlich ist sie links und rechst bebaut und hat wie jede andere Straße innerorts dementsprechend viele Grundstückseinfahrten, aber die ist so übersichtlich, dass man die außerhalb der Rush Hour auch gut und gerne mit 100km/h befahren kann.
      Das rechtzeitige Warnen durch das Einsatzhorn ist dabei natürlich unabdingbar.

      Zum Thema Einsatzhorn würde mich mal eure Meinung interessieren.

      Schaltet ihr zwischen Stadt/Land Horn bzw was haltet ihr vom Umschalten?
      Einsatz von Pressluft (sofern vorhanden) nur an bestimmten Stellen oder dauerhaft?
      Vor allem im Rettungsdienst.

      auf dem Löschfahrzeug gibt es bei mir nur Pressluft ;)