Unverhofft kommt oft - VU

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  • Unverhofft kommt oft - VU

    Ihr seit an einem kalten verregneten Tag im Spätherbst in den Nachdienst in eurer Großstadt gestartet.
    Nach einen kurzen Einsatz ohne Transport seit ihrim Status 1 gerade am Tanken als durch Winken eure Aufmerksamkeit erregt wird.
    In der Querstraße nach der Tankstelle könnt ihr zwei Fahrzeuge mit Warnblickanlage erkennen. Hier wird gewunken und nun ach lautstark gerufen


    Ihr seit auf einen Din-RTW unterwegs
    NotSan/RS
    Habt die Medikamente gemäß NotSan Hessen zur Verfügung (link suche ich noch)



    Euer RS ist noch am Tanken, während ihr sie 20 Meter Richtung Menschenmenge geht.
    Ihr werdet aber nicht wie erwartet Richtung Seitenstraße geführt, sondern auf die Hauptstraße welche von der RTW Position nicht einsehbar ist.
    Auf der Straße könnt ihr eine Frau mittleren Alters sehen in der Position wie auf dem Foto:

    i.ytimg.com/vi/MPCbIcb3ls0/maxresdefault.jpg


    JETZT SEIT IHR DRAN. Was tut ihr nun :D

    Zusatzinfo:
    - RS in Rufweite, kann euch aber auch nicht sehen
  • Ich schicke einen der Passanten zu meinem Kollegen, mit der bitte, ihm Bescheid zu sagen, er soll mit unserem Auto hierher kommen.

    Ich gehe zu der Person, spreche sie an. Reagiert sie auf Ansprache? Bewegt sie sich?
    Wenn ja, sage ich ihr, sie soll ruhig liegen bleiben und ich begebe mich an den Kopf der Patientin und stabilisiere manuell die HWS bis mein RS eintrifft.

    Wenn die Person ansprechbar ist, frage ich sie, ob sie weiß was passiert ist. Ansonsten frage ich Passanten, ob die etwas gesehen haben.

    (Mit einer Untersuchung warte ich jetzt noch)
    110-Jungs die man ruft - 112-Männer die auch kommen!
  • Patient reagiert nicht auf Ansprache. Man sieht eine große Schürfwunde quer über das Gesicht.
    Keiner der Umstehenden äußert sich dazu, was passiert ist.

    "Wir haben sie da liegen sehen und haben angehalten. Keine Ahnung wo sie herkommt"

    Patient liegt mitten der rechten Spur, Füße reichen auf die Link rüber.

    Das Auto kann nicht zu euch rankommen, da es über die querstraße die jetzt zugeparkt ist von der Tankstelle zu euch kommn würde.

    Da eure Kollege ohnehin davon ausgeht es ist an den Autos, springt er kurz in die Tankstelle rein, ruft, das er gleich noch bezahlen kommt und läuft dann zu euch. Mit dem Rucksack in der Hand

  • Ok, keine Reaktion auf Ansprache -> wir führen das BAP-Schema durch. Atmet die Patientin und hat sie Puls?
    Wenn nein -> Reanimation

    Wenn ja, wie folgt vorgehen.
    Stichwort erhöhen tun wir mal gar nicht. Wir rufen auf der Leitstelle an und lassen den Einsatz erstmal als "VU unklar mit NA" erstellen und uns zuordnen ;)
    Wie sieht es aus? Vorhin vergessen: ist es auf der Straße sicher? Wenn nein, Umstehende bitten, mit ihren Autos mit Warnblinkanalge die Fahrspuren blockieren

    Dann gehen wir mal nach cABCDE gemäß Trauma-Allgorhitmus vor:
    c - gibt es irgendwelche lebensbedrohlichen Blutungen? Wenn ja, behandeln, wenn nein, weiter mit A.
    A - Der RS übernimmt den Kopf, ich übernehme seitlich. Dann legen wir einen StifNeck zur HWS-Immobilisation an. Dann: Wie sind die Atemwege. Frei oder verlegt? Dann soll der RS ans Auto gehen und Alles holen - EKG/Defi, Beatmungsplatte, Absaugpumpe
    B - wie ist die AF? Dann kultieren wir die Lunge aus. Gibt es Anzeichen für einen Pneumothorax oder Hämatothorax, also sind die Lungenflügel ventrikulär belüftet oder nicht? Dann tasten wir den Thorax ab - haben wir einen instabilen Thorax? (anzeichen für Rippen-Serien-Fraktur?) Gibt es Hämatome? Sobald unser RS mit dem EKG zurück ist, legen wir ein SpO2-Sensor an.
    C - wie ist der Puls? rhytmisch/Unrhytmisch, schnell/normal/langsym, gut/schlecht tastbar? Wie ist die Recap-Zeit? RR lassen wir wegen Trauma im ersten Durchgang mal weg (habe ich zumindest so gelernt) Dann führen wir eine Palpation der großen Blutungsräume durch: Abdomen, Becken, Oberschenkel.
    D - Wie ist die Pupillenreaktion? Dann machen wir eine Bewertung gemäß Glascow-Coma-Scale. Auf jeden Fall haben wir auf Grund der Bewusstlosigkeit ein D-Problem vorliegen.
    E - Untersuchen der restlichen Extremitäten: Gibt es Anzeichen auf Frakturen? Des Weiteren an den Wärmeerhalt denken.

    Das Schema sollte keine 2 Minuten dauern, weshalb ich erstmal auf eine SSL verzichte.
    110-Jungs die man ruft - 112-Männer die auch kommen!
  • In der Zeit in der ihr auf euren RS wartet

    -- Ohne Ausrüstung.
    Am Mann habt ihr Stethoskop und Pupillenleuchte sowie Diensthandy


    Ihr sprecht den Patienten an
    Keine Reaktion --> Patient ist Bewusstlos

    Patient Atmet, puls Tastbar

    Anruf bei der LST:
    7/83 - VU unklar - BeWuLo Person - NEF, Pol benötigt



    RS ist mit dem Rucksack bei euch:

    cABCDE

    c = critical Bleeding
    keine starken äußern Blutungen

    A = Airway[tabmenu][/tabmenu]
    Frei

    Stifnec Anlage aufgrund Bekleidung nicht möglich.


    Wollt ihr entkleiden zur Stifnec Anlage oder Manuell immobilisieren?

    B = Breathing
    Lunge Apikal bds. belüftet
    Thorax stabil

    Patient bekleidet! Hämatome wären so nicht zu sehen.
    SpO2 steht noch nicht zur Verfügung



    C = Circulation
    Perifärer Puls tastbar. 60/min, kräftig, rhytmisch
    ReCap kleiner 2 Sekunden
    Bauch weich, Becken stabil, Oberschenkel ebenso

    D = Disability
    Pupillen leicht erweitert, Reaktion leicht verlangsamt, beidseits gleich
    GCS 3 (1-1-1)

    E = Enviroment & Exposure
    keine sicheren Frakturzeichen der Exträmitäten (soweit beurteilbar bei dicker Winterkleidung)
    Wie soll den der Wärmeerhalt aussehen?


    Ich würde gerne das ganze hier etwas flotter durchgehen und im Nachgang einige Punkte diskutieren :thumbsup:
  • Eselchen wrote:

    Wollt ihr entkleiden zur Stifnec Anlage oder Manuell immobilisieren?
    Wie ist den Witterung? Aber ich würde dann lieber selber die HWS-Immo vornehmen. Der RS soll dann den RTW holen gehen - wenn nicht möglich, dann aber Schaufeltrage und Vaukuummatratze auf der Fahrtrage. Ich würde am liebsten schnellstmöglich ins Auto gehen - einerseits beste Bedingungen für weitere Maßnahmen, geschützter Raum für Untersuchung, Durch Heizung kann der Wärmeerhalt gewährleistet werden.

    Während der RS unser Auto oder zumindest das Material holt, stabilisiere ich die HWS bzw. den Kopf zwischen meinen Knien. Wie ist die AF und die Atemtiefe? Je nachdem würde ich mal den Beutel fertig machen und eine assistierte oder sogar kontrollierte Beatmung durchführen.
    Dazu würde ich dann auch nen Guedel-Tubus legen - sollte bei GCS 3 tolleriert werden.
    110-Jungs die man ruft - 112-Männer die auch kommen!
  • Ok, ich hoffe, wir haben auch die Vakuumpumpe da.

    Dann bringen wir die Trage auf den niedrigsten Punkt, relativ nah an die Patientin. Dann gehen wir hin und stellen die Schaufeltrage ein und teilen sie. Dann, wie gelernt, schaufeln wir die Patientin achsengerecht auf, wobei mein Blick immer auf den Kopf gerichtet ist. Falls es Probleme beim Kopf geben sollte, würde ich versuchen, den Stifneck anzulegen, aber eigentlich sollte es so funktionieren.
    Dann auf der Trage auf die Vakuummatraze legen. Wenn wir die Absaugpumpe nicht dabei haben, nicht schlimm. Dann lassen wir die Patientin auf der Schaufeltrage liegen und nehmen diese erst im RTW raus (Ja, das geht). Ansonsten machen wir das direkt und Formen die Vakuummatratze an, so dass auch der Kopf stabilisiert ist.

    @Eselchen, da du ja etwas schneller vorgehen willst, mache ich mal weiter:
    Im Auto entkleidung der Patientin, also ausziehen oder aufschneiden der Jacke, um nach weiteren Verletzungen ausschau zu halten, natürlich gemäß dem Motto "So viel wie nötig, aber so wenig wie möglich" ausziehen. Dann kontrolliere ich nochmal das Abdomen und den Thorax auf eventuelle Verletzungen.

    Parallel soll der RS mit dem Beatmungsbeutel eine assistierte Beatmung unter Sauerstoff mittels Demand-Ventil oder O2-Reservoir beginnen. Wir schließen währendessen das Monitoring an, also 4-Kanal-EKG, SpO2-Clip, evtl. soger eine Kapnografie am Beutel, wenn vorhanden.
    Dann bereite ich die Infusion vor und lege schonmal den i.v.-Zugang - möglichst Großlumig. Danach gehe ich nochmal nach ABCDE vor. Und dann sollte hoffentlich auch schon der NA da sein.
    110-Jungs die man ruft - 112-Männer die auch kommen!
  • sb-modder wrote:

    Eselchen wrote:

    Wollt ihr entkleiden zur Stifnec Anlage oder Manuell immobilisieren?
    Wie ist den Witterung? Aber ich würde dann lieber selber die HWS-Immo vornehmen. Der RS soll dann den RTW holen gehen - wenn nicht möglich, dann aber Schaufeltrage und Vaukuummatratze auf der Fahrtrage. Ich würde am liebsten schnellstmöglich ins Auto gehen - einerseits beste Bedingungen für weitere Maßnahmen, geschützter Raum für Untersuchung, Durch Heizung kann der Wärmeerhalt gewährleistet werden.
    Während der RS unser Auto oder zumindest das Material holt, stabilisiere ich die HWS bzw. den Kopf zwischen meinen Knien. Wie ist die AF und die Atemtiefe? Je nachdem würde ich mal den Beutel fertig machen und eine assistierte oder sogar kontrollierte Beatmung durchführen.
    Dazu würde ich dann auch nen Guedel-Tubus legen - sollte bei GCS 3 tolleriert werden.
    Ich würde die Patientin lediglich aufschaufeln und dann auf den Schaufeltrage auf der Trage belassen. Wir wissen bisher überhaupt nicht, was passiert ist und ob es überhaupt ein relevantes Trauma gab, vielleicht hat sie auch ein internistisches oder psychiatrisches Problem.
    Sie sollte auf jeden Fall aus dem Wetter und der Öffentlichkeit raus und ins Auto, dafür ist die Schaufeltrage ideal.
    Die Vakuummatratze kann ich dann bei Bedarf nachträglich ergänzen oder auch ganz weglassen (Bei Verwendung von Headblocks).
    Das alles alleine ranzuschleppen dauert mehrere Minuten und bringt uns und der Patientin überhaupt nichts.

    Auf einen Guedel würde ich verzichten, solange wir keine Absaugbereitschaft haben und am Besten sowieso komplett, solange wir den Verdacht auf ein SHT haben.
    Solange sie gut und suffizient atmet sehe ich da auch keinen Bedarf, ebensowenig wie für einen ausgepackten Beutel.

    sb-modder wrote:

    Ok, ich hoffe, wir haben auch die Vakuumpumpe da.

    Dann bringen wir die Trage auf den niedrigsten Punkt, relativ nah an die Patientin. Dann gehen wir hin und stellen die Schaufeltrage ein und teilen sie. Dann, wie gelernt, schaufeln wir die Patientin achsengerecht auf, wobei mein Blick immer auf den Kopf gerichtet ist. Falls es Probleme beim Kopf geben sollte, würde ich versuchen, den Stifneck anzulegen, aber eigentlich sollte es so funktionieren.
    Dann auf der Trage auf die Vakuummatraze legen. Wenn wir die Absaugpumpe nicht dabei haben, nicht schlimm. Dann lassen wir die Patientin auf der Schaufeltrage liegen und nehmen diese erst im RTW raus (Ja, das geht). Ansonsten machen wir das direkt und Formen die Vakuummatratze an, so dass auch der Kopf stabilisiert ist.

    @Eselchen, da du ja etwas schneller vorgehen willst, mache ich mal weiter:
    Im Auto entkleidung der Patientin, also ausziehen oder aufschneiden der Jacke, um nach weiteren Verletzungen ausschau zu halten, natürlich gemäß dem Motto "So viel wie nötig, aber so wenig wie möglich" ausziehen. Dann kontrolliere ich nochmal das Abdomen und den Thorax auf eventuelle Verletzungen.

    Parallel soll der RS mit dem Beatmungsbeutel eine assistierte Beatmung unter Sauerstoff mittels Demand-Ventil oder O2-Reservoir beginnen. Wir schließen währendessen das Monitoring an, also 4-Kanal-EKG, SpO2-Clip, evtl. soger eine Kapnografie am Beutel, wenn vorhanden.
    Dann bereite ich die Infusion vor und lege schonmal den i.v.-Zugang - möglichst Großlumig. Danach gehe ich nochmal nach ABCDE vor. Und dann sollte hoffentlich auch schon der NA da sein.
    Die Vakuummatratze und Immobilisation stehen ganz ganz weit hinten auf unserer Prioritätenliste. Wir haben eine potentiell kritische Patientin, die wird durch zeitintensives Immobilisieren ganz sicher nicht gerettet.

    Zudem ist es völliger murks die Patientin zu immobilisieren bevor ich sie entkleidet, untersucht und mit einem Zugang etc versehen habe.

    Wieso soll diese Patientin assistiert beatmet werden? Sie hat eine regelmäßige, ausreichende und normale Atmung?

    Ich würde die Patientin aufschaufeln, auf die Trage und dann ins Auto. Standheizung an. Dann wird die komplett entkleidet bis auf die Unterwäsche und nochmal vernünftig untersucht - secondary survey.
    Zeitgleich natürlich komplettes Monitoring. Zugang etc. kommt dann im nächsten Schritt, wir wollen ja der Reihe nach vorgehen.

    Wie sind die aktuellen Werte? Finden wir irgendwelche Verletzungen oder Unfallfolgen? Irgendetwas in den Taschen, das uns weiterhilft?
    Standard nicht Standart :evil:
  • ff-hamburg wrote:

    Wieso soll diese Patientin assistiert beatmet werden? Sie hat eine regelmäßige, ausreichende und normale Atmung?

    Ups - da habe ich klatt suffizient falsch verstanden - ich habe durch den Zusatz mit dem Beute insufizient gelesen. Dann fällt natürlich alles mit der Beatmung über Beutel weg.
    Dann kann der RS im Auto das Monitoring übernehmen und wir übernehmen dann den Zugang.


    ff-hamburg wrote:

    Ich würde die Patientin lediglich aufschaufeln und dann auf den Schaufeltrage auf der Trage belassen. Wir wissen bisher überhaupt nicht, was passiert ist und ob es überhaupt ein relevantes Trauma gab, vielleicht hat sie auch ein internistisches oder psychiatrisches Problem.
    Sie sollte auf jeden Fall aus dem Wetter und der Öffentlichkeit raus und ins Auto, dafür ist die Schaufeltrage ideal.
    Eine Schaufeltrage dient nur zum Umlagern oder zum Transport durch ein Treppenhaus. Ein Transport mittels Schaufeltrage auf der Fahrtrage ist zu unterlassen, da sie dafür nicht gedacht bzw. geeignet ist (und ja ich weiß, dass es viele Rettungsdienste so machen, aber ich habe mich mal aus persönlichem Interesse mit dem Thema auseinander gesetzt und seitdem bin ich immer für die Kombi Schaufeltrage und Vakuummatrate.

    Zum einen kann man auch eine Untersuchung auf angepasster Vakuummatratze durchführen, aber wir können auch damit warten, da bin ich offen. Dennoch würde ich die Patient vorsichtshalber auf der Vakuummatratze lagern - und wenn ich sie nicht absauge, ist es dann auch egal. Aber falls ich sie dann brauche, liegt sie schonmal drunter.

    ff-hamburg wrote:

    Das alles alleine ranzuschleppen dauert mehrere Minuten und bringt uns und der Patientin überhaupt nichts.
    Also, wenn du dich richtig organisierst, brauchst du vllt. ne Minute, bis du alles bereit hast - und Transportieren tue ich alles auf der Trage.
    110-Jungs die man ruft - 112-Männer die auch kommen!
  • Ich halte das für ein absolutes Gerücht, dass ich auf der Schaufeltrage nicht transportieren kann - hättest du da zufällig eine Quelle? Wir haben den Combicarrier, der ja explizit dafür entwickelt worden ist und sich von einer Schaufeltrage nur in der Position der Schlösser unterscheidet.

    Auch halte ich es für ein Gerücht, dass du in 60 Sekunden einen Transport per Vakuummatratze vorbereiten kannst, aber ich nehme es so hin.
    Auf einer angepassten Vakuummatratze wirst du aber definitiv einen Patienten nicht entkleiden und auch im Bereich des Rückens untersuchen können.
    Abgesehen davon ist dann nur eine Fachlachgerung möglich, was bei V.a. SHT eher blöd ist.

    Alles in allem spricht für mich nichts für die Vakuummatratze in der Anfangsphase, aber einiges dagegen. Ich würde sie daher weglassen und eventuell beizeiten zusammen mit der NEF-Besatzung unterlegen.
    Zumal wir absolut nicht wissen, was passiert ist, und damit auch eigentlich noch keine Indikation für eine Immobilisation haben. Vielleicht versuchen wir das erstmal rauszufinden.
    Standard nicht Standart :evil:
  • Einer der Diskussionen soll nachher Schaufeltage/Vacuum/Kombicarrea/ Spineboard Diskussuion sein

    Dennoch dürft ihr mir erklären wie ihr ohne zu zweit ohne Stifnec umlagert.
    Egal ob Spineboard oder Schaufeltrage
    Oder lasst ihr hier die HWS nen moment einfach los?


    Im RTW habt ihr folgende Werte:

    RR 160sys
    HF 60/min reg.
    AF 12/min
    SpO2 95%



    Welche anderen werte wollt ihr noch?

    Habt ihr ein Check the Back durchgeführt?

    A - Frei
    B - bds VAG´s , Thorax stabil
    C - Werte sieh oben
    D - GCS weiterhin 3, Schädel Stabil, breite Schramme quere über´s Gesicht, Pupillen immer noch etwas Erweitert und reagieren verzögert
    E - Alkohlgerucht gepaart mit Uringeruch.
    Wie weit entkleidet ihr den jetzt?

    Beim I.V. Zugang stellt ihr fest, das der Patient diverse einstichstellen hat, zum teil deutlich vernarbt
    1 Grüne Viggo bekommt ihr jedoch beim ersten versuch rein in die einzige halbwegs unversehrte Vene die ihr an beiden Armen finden könntet. Dabei wird der Patient etwas wach, es folgen ungezielte Bewegungen, die Augen werden kurz geöffnet, reden tut sie nicht.
    (GCS 2-1-4)

    Wie geht es weiter?
    Patient ist gemonitort, hat eine Braunüle und ihr seit im Auto.`

    Was ist die Leitdiagnose? was für ein Problem haben wir (A/B/C/D/E-Problem?)
    Wie ist der Patient einzuschätzen? Kritisch/Unkritisch/potenziell Kritisch


    Die Polizei ist soeben an der EST eingetroffen und klopft an eurer Tür.


    Parallel klingelt das Diensthandy. Die Leitstelle:
    "Hier das Nef 20/82 startet gleich vom Maximalversorger aus (Alarmierung aus Status 8 heraus), braucht ihr eigentlich noch nen RTW oder die Feuerwehr an der EST?"
    (Reine Anfahrtszeit NEF 6-8 Minuten)


    Was antwortet ihr?
  • ff-hamburg wrote:

    Ich halte das für ein absolutes Gerücht, dass ich auf der Schaufeltrage nicht transportieren kann - hättest du da zufällig eine Quelle? Wir haben den Combicarrier, der ja explizit dafür entwickelt worden ist und sich von einer Schaufeltrage nur in der Position der Schlösser unterscheidet.
    Combi-Carrier ist was anderes als Schaufeltrage. Das mit dem Umstand, kein Transport auf Schaufeltrage habe ich aus mehreren Fachzeitschriften - u.a. "Friedberg, Stefan: Hilfsmittel mit Nebenwirkungen, in: Rettungsmagazin (2019), Heft 1, S. 70-74, S. 73." Aber auch in der RD-Schule haben wir das gelernt.


    ff-hamburg wrote:

    Auch halte ich es für ein Gerücht, dass du in 60 Sekunden einen Transport per Vakuummatratze vorbereiten kannst, aber ich nehme es so hin.
    Es war keine Rede, vom vollständigen herrichten, sondern vom herbeibringen des Materials. Aber wenn man das Material richtig vorbereitet im Auto liegen hat, kann man schon Zeit sparen. Da habe ich ein paar Tipps von älteren Kollegen bekommen.

    Zurück zum Fallbeispiel:

    Eselchen wrote:

    was für ein Problem haben wir (A/B/C/D/E-Problem?)
    Also, wir haben kein A-, B-, C-Problem. Bei D ist die verminderte Bewusstseinslage (erst GCS 3, jetzt GCS 7), verzögerte Pupillenreaktion. Wie ist der BZ?
    Bei E haben wir die Schramme, den Alkoholgeruch und den Urin (dieser kann auch durch die Bewusstlosigkeit kommen.
    Ebenso haben wir bei E die Einstiche zu verzeichnen, was auf ein Drogenproblem hindeuten kann.

    Als Arbeitsdiagnose nehme ich "unklare Bewusstlosigkeit vermutlich auf den Konsum von verschiedenen Drogen und Alkohol", wobei ich ein mögliches Trauma (auf Grund der Kopfverletzung überwiegend SHT) nicht ganz vergessen werde.

    Auf Grund der Bewusstlosigkeit würde ich die Patientin als potenziell kritisch ansehen.

    Der Leitstelle sage ich, das kein weiterer RTW und auch keine FW benötigt wird. Das NEF soll durchfahren, wobei ich im Moment nicht sicher bin, ob ich eher im Rendez-Vous fahren soll und mich unterwegs mit dem NEF treffen soll. Mich würde interessieren, ob es nach dem ich die Infusion laufen habe, die Bewusstseinssituation sich ändert?
    110-Jungs die man ruft - 112-Männer die auch kommen!
  • Eselchen wrote:

    Dennoch dürft ihr mir erklären wie ihr ohne zu zweit ohne Stifnec umlagert.
    Egal ob Spineboard oder Schaufeltrage
    Oder lasst ihr hier die HWS nen moment einfach los?
    Wie oben beschrieben stehen doch unzählige Schaulustige herum. Die können wir gerne einbinden.
    Ein RDler geht an den Kopf, der andere übernimmt das Anrollen des Körpers. Das Unterschieben der Schaufeltrage kann jeder Laie durchführen.
    Der Kopf wird natürlich bei einer bewusstlosen Person nicht losgelassen.

    Eselchen wrote:

    Welche anderen werte wollt ihr noch?
    Wie sb-modder schreibt unbedingt den BZ, der sollte ja automatisch bei Anlage eines Zuganges aus dem Madrin erfolgen.

    Eselchen wrote:

    Wie geht es weiter?
    Wir gucken nochmal die Taschen durch ob wir irgendetwas finden, einen Ausweis z.B. oder BtM-Utensilien.
    Ansonsten warten wir auf den Notarzt, dieser soll über das weitere Verfahren entscheiden, ob eventuell eine Atemwegssicherung erforderlich ist.

    Eselchen wrote:

    Was ist die Leitdiagnose? was für ein Problem haben wir (A/B/C/D/E-Problem?)
    Wie ist der Patient einzuschätzen? Kritisch/Unkritisch/potenziell Kritisch
    Das Leitsymptom ist die unklare Bewusstlosigkeit, ein D-Problem. Da die Patientin anhaltend bewusstlos ist ist es in meinen Augen eine kritische Patientin, die zeitnah einer Klinik zur weiteren Diagnostik zugeführt werden muss.

    Meine möglichen Differentialdiagnosen sind: z.N. Krampfanfall, Bewusstlosigkeit bei Intoxikation/Alkohol, Psychogene Bewusstlosigkeit, SHT nach Sturz unklarer Genese.

    sb-modder wrote:

    Combi-Carrier ist was anderes als Schaufeltrage. Das mit dem Umstand, kein Transport auf Schaufeltrage habe ich aus mehreren Fachzeitschriften - u.a. "Friedberg, Stefan: Hilfsmittel mit Nebenwirkungen, in: Rettungsmagazin (2019), Heft 1, S. 70-74, S. 73." Aber auch in der RD-Schule haben wir das gelernt.
    Und wo genau ist der Unterschied? In den abgerundeten Ecken und dem Schlossmechanismus?
    Der Transport auf der Schaufeltrage ist gelebte Praxis, und in keiner Herstelleranleitung oder den Gebrauchshinweisen befindet sich ein entsprechender Passus.
    Ich bin jetzt nicht motiviert genug, Ferno einmal direkt anzuschreiben.
    Ich hab leider keinen Zugriff auf das Rettungsmagazin, was steht denn da? Oder geht es mehr um Lagerungsschäden?

    sb-modder wrote:

    Es war keine Rede, vom vollständigen herrichten, sondern vom herbeibringen des Materials. Aber wenn man das Material richtig vorbereitet im Auto liegen hat, kann man schon Zeit sparen. Da habe ich ein paar Tipps von älteren Kollegen bekommen.
    Ich rede schon vom vollständigen Herrichten, denn bis man die Patientin immobilisiert im Auto hat vergeht definitiv mehr Zeit, als wenn ich sie einfach aufschaufele. Wie schnell jetzt der einzelne ist mag ich nicht beurteilen, auf jeden Fall verzögert es die Versorgung, oder?

    sb-modder wrote:

    Als Arbeitsdiagnose nehme ich "unklare Bewusstlosigkeit vermutlich auf den Konsum von verschiedenen Drogen und Alkohol", wobei ich ein mögliches Trauma (auf Grund der Kopfverletzung überwiegend SHT) nicht ganz vergessen werde.
    Da gehe ich d'accord, ich denke ein relevantes Trauma PKW gegen Fußgänger können wir bei gänzlich fehlenden Verletzungen von Torso und Extremitäten ausschließen. Bleibt als Trauma maximal ein Sturz aus dem Stand.
    Da der Schädel stabil ist und die Pupillen isokor halte ich ein schweres SHT mit konsekutiver Bewusstlosigkeit für sehr unwahrscheinlich, es sollte aber definitiv per CT ausgeschlossen werden und im Hinterkopf präsent sein,

    sb-modder wrote:

    ob ich eher im Rendez-Vous fahren soll
    Wieso? 6-8 Minunten ist doch keine lange Zeit. Wenn ich mich im Rendez-Vous-Verfahren 3-4 Minuten von der Klinik entfernt treffe, welchen Sinn hat dann die Arbeit des Notarztes? Das kann man bei hochakuten Situationen machen, ich sehe hier keine solche Eile.
    Man muss bedenken, dass die Patientin bewusstlos ist und über keine Atemwegssicherung verfügt, der Schutzreflexstatus ist mindestens fragwürdig. Wenn ich nun holprig losfahre hat der Kollege alleine hinten unter Umständen ein ganz erhebliches Problem. Wie begründest du diese Idee?

    Wie geschrieben, ich würde auf den Notarzt warten, währenddessen noch ein bisschen Spurensuche betreiben und ansonsten Ruhe bewahren :)
    Standard nicht Standart :evil:
  • ff-hamburg wrote:

    Kollege alleine hinten unter Umständen ein ganz erhebliches Problem. Wie begründest du diese Idee?
    Das war so eine Idee, falls sich die Bewusstseinslage weiter verbessert. Natürlich bin ich bei dir wenn es um das Thema Atemwegssicherung geht. Gemäß des Spruches "GCS 8 - Tubus lacht, GCS 7 - Tubus musst du schieben" würde ich, wenn sich die Bewusstseinslage (letzter Stand war GCS 7) nicht weiter bessert oder sogar wieder verschlechtert, dann würde ich natürlich auch an Ort und Stelle aufs NEF warten und die Intubation vorbereiten. Und natürlich weiter das Monitoring überwachen.
    (hat sich ja jetzt erledigt)


    Eselchen wrote:

    Das NEF wäre dann auch da und bittet um Übergabe
    Ok, dann machen wir mal ne Übergabe:
    Patientin, wurde auf Straße aufgefunden, kein A-, B-, C-Problem, D-Problem. seit auffinden bewusstlos unklarer Genese, primär GCS 3, mittlerweile bei 7, E-Problem: Verletzung im Gesicht, an Armen sind vernarbte Einstichstellen erkennbar. Trauma durch VU kann ausgeschlossen werden. Vermutlich Sturz auf Grund der auftretenden Bewusstlosigkeit, V.a. Alkohol und Drogeneinnahme.
    Werte: BZ: 89mg/dl, HF: 60/min reg., RR: 160 syst., SpO2: 95%, AF bei 12/min.
    Eingeleitete Maßnahmen: i.v.-Zugang mittels gründer Viggo, Infusion läuft, Monitoring ist angeschlossen.
    110-Jungs die man ruft - 112-Männer die auch kommen!
  • Ich hatte mir oben eine komplette Entkleidung inklusive Untersuchung des Rückens gewünscht, du hast dann als Befunde Schädel und Thorax stabil gegeben und bei E auch keinerlei Extremitätentrauma genannt, dafür wurde ein Zugang gelegt, was definitiv nach der Untersuchung und nach eventuellen C-Maßnahmen wie Beckenschlinge oder Tourniquet kommt.


    Wenn eine Patienten in der Untersuchung nach vollständiger Entkleidung bis auf eine Schramme im Gesicht nichts bietet halte ich ein relevantes Trauma, V.a. im Sinne vom PKW gegen Fußgänger, für ausgeschlossen.


    Vielleicht haben wir da auch aneinander vorbeigeredet. Also was ergibt denn der Bodycheck/STU an der entkleideten Patientin?
    Standard nicht Standart :evil:
  • ff-hamburg wrote:

    Wenn eine Patienten in der Untersuchung nach vollständiger Entkleidung bis auf eine Schramme im Gesicht nichts bietet halte ich ein relevantes Trauma, V.a. im Sinne vom PKW gegen Fußgänger, für ausgeschlossen.
    Da wäre ich sehr sehr vorsichtig.
    "Ausgeschlossen" ist nicht das gleiche wie "wir haben aktuell keine Hinweise dafür, dass .."

    Mir ist persönlich ein Fall bekannt, in dem der RTW eine betrunkene "HiLoPe" zur Ausnüchterung in die Klinik gefahren hat. Die Person, die sie vorher unter einer Hecke herausgezogen haben, wies bis auf ein paar Schrammen im Gesicht keinerlei äußere Verletzungszeichen auf. Am nächsten Morgen lag sie tot im Bett. Die Obduktion ergab, dass sie an einer Beckenfraktur verblutet war. Sie war betrunken aus dem Fenster gefallen und auf dem Rasen unmittelbar neben der Hecke gelandet.
    Keiner hat an ein Trauma gedacht ... insofern ist das auch in der Klinik nicht übergeben worden und niemand hat ernsthaft nach irgendwelchen Verletzungen gesucht, zumal stark Betrunkene ein erheblich eingeschränktes Schmerzempfinden haben.

    Und diese Dynamik sehe ich hier auch. Du "hältst ein relevantes Trauma für ausgeschlossen", sb-modder übergibt dem NEF "Trauma kann ausgeschlossen werden" ... und wenn man bei der Dame nun eine Drogenintox oder ähnliches feststellt, besteht die Gefahr, dass sie bei irgendeinem Internisten landet mit dem Stempel "Trauma ausgeschlossen".

    Fakt ist, dass die Dame bewusstlos auf der Fahrbahn einer Straße lag und niemand weiß, was passiert ist. Die Dame kann sich aktuell (noch) nicht äußern ... und Augenzeugen gibt es nicht.

    Also gehört sie in den Schockraum einer interdisziplinären Notaufnahme und in die Übergabe gehört die Auffindesituation und nichts anderes...insbesondere keine Spekulationen, die wir nicht mit Fakten belegen können und für die auch präklinisch keinerlei Notwendigkeit besteht.


    Eselchen wrote:

    Wie wurde das Trauma ausgeschlossen?
    Das ist der Punkt. Es wurde eben nicht ausgeschlossen!

    Moderator || Benutzerbetreuung BOS