Unverhofft kommt oft - VU

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    • Wenn ich den Patienten nicht dementsprechend untersuche, dann kann man auch nichts ausschließen. Wie in dem Fall des Betrunkenen, der sich glaube ich in fast jedem Rettungsdienstbereich so ähnlich bereits ereignet hat.
      Eine Beckenfraktur wird man bei entsprechender Untersuchung feststellen und eine hämodynamisch relevante Blutung sowieso.
      Klar, wenn die Person internistisch abgestempelt wird und ohne Überwachung irgendwo hingelegt hat, dann ist eine Menge schiefgelaufen.

      Es spricht nichts gegen einen eFAST-Ultraschall in der Notaufnahme und ein cCT ist bei unklarer Bewusstlosigkeit sowieso indiziert.
      Aber ein Schockraum in meinen Augen nicht, wir haben eine vital völlig stabile Patientin ohne klaren Traumaanhalt und ohne offensichtliche Verletzungen. Noch dazu ist sie jung und potentiell gebährfähig, da sollte man soweit möglich auf eine Polytraumaspirale verzichten.
      Zumal Begrifflichkeiten wie "potentielles Polytrauma" einfach murks sind.

      Bezüglich Auffindesituation und Übergabe gebe ich dir aber uneingeschränkt recht, das ist essentiell.
      Standard nicht Standart :evil:
    • ff-hamburg schrieb:

      Wenn ich den Patienten nicht dementsprechend untersuche, dann kann man auch nichts ausschließen.
      Auch wenn du ihn untersuchst, kannst du nichts ausschließen.
      Verstehst du ... es geht mir hier um das verbotene Wort "ausschließen". Das bedeutet, dass man irgendeinen Aspekt (z.B. ein mögliches Trauma) aus den Überlegungen herausnimmt, weil er nicht mehr relevant ist.

      Und gerade präklinisch sollte man sich tunlichst davor hüten. Es besteht doch überhaupt keine Notwendigkeit dazu, irgendwas "auszuschließen". Man sollte den Blick möglichst breit halten.

      Wenn jetzt plötzlich ein Passant um die Ecke kommt, der glaubhaft beteuert, er habe beobachtet, wie unsere Patientin ohne Fremdeinwirkung zu Boden gegangen ist ... dann kannst du in der Tat ein Rasanztrauma mit gutem Grund "ausschließen".

      Aber hier liegt jemand auf einer Fahrbahn, der sich offenbar nicht adäquat äußern kann, warum sie da liegt ... und es gibt keinen, der das kann.

      ff-hamburg schrieb:

      Eine Beckenfraktur wird man bei entsprechender Untersuchung feststellen und eine hämodynamisch relevante Blutung sowieso.
      Auch hier wäre ich sehr vorsichtig. Die Patientin hat möglicherweise ein vermindertes Schmerzempfinden, so dass du dich nicht darauf verlassen kannst, dass sie schreit, wenn du ihr das Becken komprimierst. Und eine nicht ganz so grobe Instabilität sicher festzustellen, braucht man schon einige Übung. Das ist nicht so einfach, wie man sich das vorstellt.

      Langer Rede kurzer Sinn... ich möchte damit sagen, dass du auch bei sorgfältiger klinischer Untersuchung eine potentiell lebensgefährliche Verletzung, nicht ausschließen kannst.
      Es gibt zweizeitige Milzrupturen ... traumatische Dissektionen großer Gefäße, die dir dann im Verlauf um die Ohren fliegen und vieles mehr. Und das alles siehst du präklinisch nicht!!

      In unserer Klinik ist es so, dass Patienten, die ein Hochrasanztrauma erlitten haben selbst nach unauffälligem Trauma-CT (!!) für einige Stunden auf der IMC überwacht werden, weil es auch Verletzungen gibt, die du in der ersten Trauma-Spirale nicht sicher "ausschließen" kannst.

      Ich würde mich gerne mit dir darauf einigen, dass wir das Wort "ausschließen" streichen ... dass wir eine vernünftige Untersuchung am entkleideten Patienten durchführen, aber auch wenn wir aktuell keine Hinweise auf ein Trauma haben, dies dennoch im Hinterkopf behalten und entsprechend in der Klinik als ausdrücklich fraglichen Mechanismus übergeben.

      So eine Patientin würde bei uns ganz klar über den Schockraum laufen ... einfach um rasch eine multidisziplinäre Beurteilung zu bekommen. Und Schockraum heißt ja nicht automatisch Traumaspirale ... da wäre man bei einer jungen Frau in der Tat zurückhaltend.
      Aber das ist ja auch eine Frage, die wir nicht präklinisch klären müssen, sondern die als Konsens im Schockraumteam entschieden wird.

      Moderator || Benutzerbetreuung BOS
    • Dr. Green schrieb:

      sb-modder übergibt dem NEF "Trauma kann ausgeschlossen werden"

      sb-modder schrieb:

      Trauma durch VU kann ausgeschlossen werden
      Du hasst da was bei mir vergessen. Ich habe nicht gesagt, dass ein Trauma prinzipiell ausgeschlossen ist, sondern dass ich auf Grund der Untersuchung und des Umfeldes primär (sorry, dass Wort hatte ich vergessen zu schreiben - Kopf schneller als die Finger) ausschließe. Wie ich darauf komme? Die Trauma-Untersuchung war primär o.B. (klar, kann auch etwas nicht erkennbar sein), dann hieß es nirgends, dass Trümmerteile (müssen nicht groß sein, aber wenn jemand von nem PKW erfasst wird und dabei verletzt wird, gibt es eigentlich immer irgendwelche Teile, die auf eine PKW-Beteiligung hindeuten).

      Grundsätzlich gehe ich aber mit dir @Dr. Green komform, dass die Patientin ein Fall für den Schockraum ist und dort auch nochmal genauer auch auf mögliche Traumaverletzungen untersucht werden sollte.
      110-Jungs die man ruft - 112-Männer die auch kommen!
    • Das soll jetzt wirklich nicht kleinkariert sein ... aber es wirklich wichtig, wie man so etwas ausdrückt.

      Was du meinst ist, dass wir aktuell keinen Hinweis auf ein Traumageschehen haben. Das ist sicherlich richtig und auch legitim so zu formulieren.

      Wenn du aber sagst, dass du ein Trauma ausschließt, heißt das, dass wir (woher auch immer) wissen, dass kein Trauma stattgefunden hat. Und das ist definitiv falsch. Denn wir wissen es nicht. Dies könnten wir nur behaupten, wenn sich ein Augenzeuge meldet, der schildert, was geschehen ist.

      Moderator || Benutzerbetreuung BOS
    • Neu

      Auch dies ist wieder Ein Fall aus der Realität von mir, liegt aber schon einige Jahre zurück und die Umstände waren etwas anders.

      Was blieb ist aber unverhofft zu einer bewusstlose Person auf einer viel befahren Straße zu geraten, und das Fahrzeug nicht zu nahe an die EST kam

      Der First Look zeigte mir eine bewusstlose Person mit einer Gesichtsverletzung

      Ich rief meinen Kollegen zu mir und schickte 2 Schaulustige zwecks Material Transport ihm entgegen.
      Alarmierte ein NEF und die Polizei nach
      im ersten cABC kein kritischer Befund (werte ähnlich denen die ihr bekommen habt)
      D - Bewusstlos mit Gesichtsverletzung
      E - keine offensichtlichen Fehlstellungen

      Patient Kritisch !

      Ich habe die Kopfposition übernommen, Ersthelfer angeleitet den Patient zu entkleiden.

      In der Zeit wurde vom Kollegen
      Immobilisationmaterial geholt. Die auffinde Situation und fehlenden Zeugen haben uns erwogen den Patient als Traumapatient einzustufen mit der Kopfverletzung wurde dies untermauert

      Mein Kollege breitete das Spineboard vor und übernahm dann den Kopf. Dann folgte die Anlage der Beckenschlinge mit einem Ersthelfer.
      Anschießend anlage Stifnec (hierbei wird der Patient wacher)
      Anschließend die Lagerung auf´s Spineboard mit einem Ersthelfer der sich als FFWler zu erkennen gab.

      Beim "Check the Back" wurde einer Verhärtung links Paravertebral der LWS festgestellt

      Patient wird incl Spinne und Headblocks auf dem Spineboard festgemacht und schnellstmöglich ins Warme Fahrzeug gemacht.
      Im Fahrzeug erfolgt ein Reassasment und nun das Monitoring
      Als nächstes erfolgt die Anlage eine grünen Viggo mit 500ml Ringer

      NEF trifft ein:
      Übergabe an NA gemäß ATMIST

      A - weiblich, ca 50
      T - vor ca. 20 Minuten auf der Straße gefunden
      M - unklarer Vorfall, fraglich sturz, fraglich VU
      I - Initial Bewusstlos GCS 3, im verlauf 7
      S - Schürfwunde über´s Gesicht, Verhärtung neben der LWS, Alkohlgeruch, vermutlich iv Drogenabusus
      T - Immobilisation, Beckenschlinge, i.V. Zugang, wärmeerhalt/Aktivwärme

      Der NEF Fahrer klärt den nächsten Schockraum.
      Es wird eine Aktivwärmedecke aus dem NEF geholt (Temp. 36,2 im Ohr) und dann in den 8 Minuten entfernten Schockraum gestartet

      Der Patient bekommt 15l O2 Während des Transport und hat im verlauf eine 100 sPo2

      Während des Transport verschlechtert sich das Bewusstsein erneut. Ein Intubation wird erwägt, aber da 2 Minuten vom Schockraum nur noch entfernt darauf verzichtet.
      (Absaugpumpe eingeschaltet, unter dem Kopfteil geklemmt)

      Polizei taucht irgendwann während des Umlagerns auf und begleitet den Transport, sie durchsuchen am KH die Sachen ohne nennenswerte Erkenntnisse

      Pat. hatte am Ende ein schweres SHT, die Polizei hat Ermittlungen in Richtung VU mit Fahrerflucht zeitnah eingestellt.
    • Neu

      Ganz herzlichen Dank für dieses Fallbeispiel, aus dem man sicherlich eine Menge mitnehmen kann.

      Im Rettungsdienst ist es nicht die Ausnahme, sondern vielmehr die Regel, dass Situationen oft unklar sind.
      Und man tut sich sicherlich keinen Gefallen damit, vorschnell Aspekte auszuschließen, sondern vielmehr den Blick möglichst breit zu halten. Dann ist man auch auf etwaige Überraschungen im weiteren Einsatzverlauf besser vorbereitet.

      Zu eurem Vorgehen im konkreten Fall kann ich nur sagen ... Daumen hoch!
      Ihr habt das komplette Programm incl. Immobilisation und sogar einer Beckenschlinge gefahren. Finde ich in einer solchen Situation absolut richtig. Lieber einmal zuviel als einmal zu wenig...nach dem alten Motto "Immer das Beste hoffen, aber das Schlimmste erwarten!"

      Meiner Meinung nach habt ihr den Fall wirklich perfekt abgearbeitet.

      Moderator || Benutzerbetreuung BOS
    • Neu

      Danke darum ist es mir aber nie gegangen. Leider sind die Dienste gerade recht erschöpfend, wodurch ich hier leider kein Diskussionionen zu dem Thema:
      -Beckenschlinge ja/nein --> KISS Schema positiv ja/nein.
      -INT bei kurzer Fahrtstecke ja/nein ( Ein eher ärztliches Thema)
      -Stifnec bei v.A. SHT zur Rettung, dauerhaft oder gar nicht
      -Schaufeltrage und kein Check the Back oder Spineboard
      --> Lagerung auf Spineboard oder doch besser Vacuum im vergleich städtische und ländliche Transportzeiten

      Es wird entspanntere Zeiten geben und dann darauf abgestimmte Fallbeispiele von mir eingestellt werden
    • Neu

      Dr. Green schrieb:

      Auch wenn du ihn untersuchst, kannst du nichts ausschließen.
      Verstehst du ... es geht mir hier um das verbotene Wort "ausschließen". Das bedeutet, dass man irgendeinen Aspekt (z.B. ein mögliches Trauma) aus den Überlegungen herausnimmt, weil er nicht mehr relevant ist.
      Ich muss dir Recht geben, der Begriff ausschließen ist vermutlich zu definitiv und drückt nicht das aus, was ich eigentlich meine. Kein Hinweis auf... ist die bessere Formulierung.

      Dr. Green schrieb:

      Und gerade präklinisch sollte man sich tunlichst davor hüten. Es besteht doch überhaupt keine Notwendigkeit dazu, irgendwas "auszuschließen". Man sollte den Blick möglichst breit halten.
      Naja, hier im ländlichen Bereich muss man sich entscheiden, wohin die Reise gehen soll. Höhere Versorgungsstufen erfordern zum Teil weite Wege und nicht alle Häuser können alles. Konkret für diesen Fall könnten wir bei uns beispielsweise eine Klinik mit Neurologie/Neurochirurgie binnen 15 Minuten erreichen, ein Traumazentrum erst nach 45 Minuten. Bei einer isolierten ICB mit Einklemmung ist das viel Zeit.
      Wenn ich natürlich eh in 10 Minuten im Maximalversorger bin, dann lebe ich relativ bequem und muss keine essentiellen Entscheidungen treffen.

      Dr. Green schrieb:

      Auch hier wäre ich sehr vorsichtig. Die Patientin hat möglicherweise ein vermindertes Schmerzempfinden, so dass du dich nicht darauf verlassen kannst, dass sie schreit, wenn du ihr das Becken komprimierst. Und eine nicht ganz so grobe Instabilität sicher festzustellen, braucht man schon einige Übung. Das ist nicht so einfach, wie man sich das vorstellt.
      Da hast du völlig recht, dennoch würde ich behaupten, dass man auch ohne große traumachirurgische Erfahrung eine open book fracture erkennen wird. Zumal sich eine solch schwerwiegende Verletzung auch zeitnah hämodynamisch äußern wird. Aber natürlich spricht nichts, die 15 Sekunden für die Anlage einer Beckenschlinge zu investieren.

      Dr. Green schrieb:

      In unserer Klinik ist es so, dass Patienten, die ein Hochrasanztrauma erlitten haben selbst nach unauffälligem Trauma-CT (!!) für einige Stunden auf der IMC überwacht werden, weil es auch Verletzungen gibt, die du in der ersten Trauma-Spirale nicht sicher "ausschließen" kannst.
      Es wird immer die Ausnahme von der Ausnahme geben, und den tragischen Fall, den man anschließend im Journal veröffentlichen kann. Aber ich denke nicht, dass wird unser handeln daran ausrichten sollten.

      Dr. Green schrieb:

      So eine Patientin würde bei uns ganz klar über den Schockraum laufen ... einfach um rasch eine multidisziplinäre Beurteilung zu bekommen. Und Schockraum heißt ja nicht automatisch Traumaspirale ... da wäre man bei einer jungen Frau in der Tat zurückhaltend.
      Die Definition und Ausstattung hinter dem Begriff Schockraum ist wohl regional so verschieden wie die Farbe der Vorhänge. Für einen Schockraum braucht es hier schon einen handfesten Anhalt für ein Polytrauma, woanders reicht es ja schon, wenn man mit 45 km/h auf den Vordermann auffährt.
      Von daher hat wohl keiner von uns das Recht gepachtet.
      Nach Rücksprache können wir hier z.B. auch intubierte Patienten mit V.a. ICB direkt ins CT umlagern, woanders braucht es dafür einen Schockraum oder es geht erst auf die Intensiv.

      Eselchen schrieb:

      Ich habe die Kopfposition übernommen, Ersthelfer angeleitet den Patient zu entkleiden.
      Warum muss man den Patienten noch auf der Straße entkleiden? Was verspricht man sich davon außer einer Auskühlung?

      Eselchen schrieb:

      Immobilisationmaterial geholt. Die auffinde Situation und fehlenden Zeugen haben uns erwogen den Patient als Traumapatient einzustufen mit der Kopfverletzung wurde dies untermauert
      Und in wie weit hilft die Immobilisation einem Patienten? Gerade bei einem SHT

      Eselchen schrieb:

      Während des Transport verschlechtert sich das Bewusstsein erneut. Ein Intubation wird erwägt, aber da 2 Minuten vom Schockraum nur noch entfernt darauf verzichtet.
      Auch wenn man da als kleiner Rettungsdienstler nichts für/gegen kann - diese Argumentation ist einfach schwach. Aus den 2 Minuten Fahrt werden dann zusammen mit Ausladen, Weg zum Schockraum und Übergabe sowie Assessment durch das Klinikteam dann 6-8 Minuten bis zur Intubation. Das ist bei einer Hypoxie oder Aspiration viel zu lange.
      Auch wenn ich es verstehe, dass man eine RSI lieber mit dem Backup der Klinik durchführen möchte gibt es eben glasklare Indikationen für eine Intubation vor Ort. Und die ist bei einer so ausgeprägten Vigilanzminderung in Kombination mit einer Intoxikation auf jeden Fall gegeben.
      Zumal Patienten mit SHT/ICB stark von der Intubation und der maschinellen Beatmung profitieren, nicht nur im Sinne einer definitiven Atemwegssicherung.

      Und wenn ich die letzten respiratorischen Reserven des Patienten für den Transport verbrauche, dann brennt bei der Notfallintubation in der Klinik so richtig der Baum.

      Eselchen schrieb:

      -Beckenschlinge ja/nein --> KISS Schema positiv ja/nein.
      Die Beckenschlinge verkommt immer mehr zum neuen Stiffneck. Allerdings immerhin mit ein bisschen Evidenz und weniger dramatischen Unannehmlichkeiten für den Patienten

      Eselchen schrieb:

      -INT bei kurzer Fahrtstecke ja/nein ( Ein eher ärztliches Thema)
      definitiv ja, siehe oben

      Eselchen schrieb:

      -Stifnec bei v.A. SHT zur Rettung, dauerhaft oder gar nicht
      Stifnecks haben nach wie vor keinen belegten Benefit, dafür aber starke Hinweise für einen negativen Impact, gerade bei Patienten mit Schädelhirntraumata.
      Daher von mir ein klares Nein, manuelle Immobilisation für die Umlagerung, anschließend Kopffixierung und Intubation

      Eselchen schrieb:

      -Schaufeltrage und kein Check the Back oder Spineboard
      Das Spineboard und die Schaufeltrage haben ebenso wie die gesamte Immobilisation keinen erwiesenen Nutzen, das Übersehen von relevanten Verletzungen im Rückenbereich könnte dagegen durchaus negative Folgen haben. Von daher ist eine Untersuchung von dorsal in meinen Augen obligat.
      Die Lagerung auf dem Spineboard ist unphysiologisch und zum Teil mit erheblichen zusätzlichen Schmerzen verbunden - es ist ein Gerät für die (technische) Rettung aus beengen Räumen.
      Noch dazu dauern boarden und vor allem das verzurren mit der Spinne ein vielfaches der Zeit fürs Aufschaufeln.

      In meiner Vorstellung hätte ich die Patientin aufgeschaufelt und mit der Schaufeltrage auf die Trage und dann in den RTW verbracht. Bei Bedarf durch den NA könnte so eine Umlagerung auf die Vakuummatratze erfolgen, was ich auch unterstützen würde.

      Eselchen schrieb:

      --> Lagerung auf Spineboard oder doch besser Vacuum im vergleich städtische und ländliche Transportzeiten
      Vakuum ist immer besser, am besten wäre in meinen Augen für einen Patienten ohne Hinweis auf knöcherne Verletzungen und mit V.a. SHT mit Hirndruckerhöhung die Lagerung in leichter Oberkörperhochlage - ohne jegliche Immobilisation.
      Ein Transport auf dem Spineboard empfinde ich als unnötige Zumutung für den Patienten, vor allem wenn es keinen Grund gibt.
      Wenn ich natürlich den Verletzten nach Dachabnahme per Spineboard aus dem PKW ziehe und 5 Minuten von der Klinik weg bin - meinetwegen.
      Ansonsten immer Schaufeltrage (und Vakuummatratze).
      Standard nicht Standart :evil:
    • Neu

      ff-hamburg schrieb:

      Vakuum ist immer besser, am besten wäre in meinen Augen für einen Patienten ohne Hinweis auf knöcherne Verletzungen und mit V.a. SHT mit Hirndruckerhöhung die Lagerung in leichter Oberkörperhochlage - ohne jegliche Immobilisation.
      Mit hilfe der Vakuummatratze kann ich einen Patienten beim SHT mit erhöhten Oberkörper lagern und trotzdem Immobilisieren. Im Zusammenspiel mit z.B. Decken kann ich dann auch ganz gut den Kopf fixieren ohne das ich ein Stifneck brauche. Ich muss hier mal suchen ob ich die Bilder dazu noch finde bzw den Text.

      Aber im Allgemeinen mal eine Frage in den Raum geworfen: Wir haben einen Bewusstlosen Patienten, keinerlei Material in der Nähe und unser Fahrzeug ist auch weit entfernt. Warum drehen wir den Menschen nicht einfach mal in die stabile Seitenlage?
      Schenkt euch Liebe
    • Neu

      Notruf-112 schrieb:

      Aber im Allgemeinen mal eine Frage in den Raum geworfen: Wir haben einen Bewusstlosen Patienten, keinerlei Material in der Nähe und unser Fahrzeug ist auch weit entfernt. Warum drehen wir den Menschen nicht einfach mal in die stabile Seitenlage?
      Ich hatte sie in den Raum geworfen, aber erstmal gesagt, dass ich bis zum 1. Durchlauf des ABCDE-Schema darauf verzichte, da ich in einem Zeitfenster von unter 2 Minuten bleibe.
      110-Jungs die man ruft - 112-Männer die auch kommen!
    • Neu

      ff-hamburg schrieb:

      Naja, hier im ländlichen Bereich muss man sich entscheiden, wohin die Reise gehen soll. Höhere Versorgungsstufen erfordern zum Teil weite Wege und nicht alle Häuser können alles. Konkret für diesen Fall könnten wir bei uns beispielsweise eine Klinik mit Neurologie/Neurochirurgie binnen 15 Minuten erreichen, ein Traumazentrum erst nach 45 Minuten
      Naja...ich habe mit keinem Wort gesagt, dass ich glaube, dass unsere Patientin ein höhergradiges Trauma erlitten hat, und erst recht nicht, dass ich einen Transport in ein Traumazentrum fordere. Auch ich halte es für richtig, diese Patientin in die nächstliegendere Klinik zu transportieren.
      Alles was ich gesagt habe, dass es keinen Sinn macht vor Ort ohne konkretes Wissen ein Trauma auszuschließen. Es geht mir um dieses böse Wort, weil es etwas definitives enthält, dass wir nicht fundiert belegen können.

      ff-hamburg schrieb:

      Es wird immer die Ausnahme von der Ausnahme geben, und den tragischen Fall, den man anschließend im Journal veröffentlichen kann. Aber ich denke nicht, dass wird unser handeln daran ausrichten sollten.
      Ich denke, dass wir unser Handeln daran orientieren sollten, was - wohlgemerkt unter Wahrung einer gewissen Verhältnismäßigkeit der Mittel- für den Patienten am besten ist. Das nach einem Rasanztrauma eine stationäre Überwachung sinnvoll ist, darüber gibt es einen breiten Konsens. Bei einem echten Hochrasanztrauma und entsprechenden Ressourcen halte ich die Verhältnismäßigkeit, was eine kurzzeitige Überwachung auf einer IMC betrifft, für gegeben.
      Gegenfrage: Warum nicht? Es ist eine Vorsichtsmaßnahme, die der Sicherheit des Patienten dient. Und auch wenn es nur der eine von 100 Patienten ist, bei dem man eine Sekundärkomplikation früher erkennt ist das für mich kein Gegenargument es nicht zu tun. Du schnallst dich doch auch jedes Mal im Auto an ... auch wenn du nur bei einer von zigtausend Autofahrten statistisch gesehen einen Unfall hast..

      ff-hamburg schrieb:

      Die Definition und Ausstattung hinter dem Begriff Schockraum ist wohl regional so verschieden wie die Farbe der Vorhänge. Für einen Schockraum braucht es hier schon einen handfesten Anhalt für ein Polytrauma, woanders reicht es ja schon, wenn man mit 45 km/h auf den Vordermann auffährt.
      Von daher hat wohl keiner von uns das Recht gepachtet.
      In der Medizin geht es nicht darum Recht zu haben, sondern wie man mit den Ressourcen, die einem zur Verfügung stehen das beste für den Patienten herausholen kann. Das Schockraumindikationen lokal sehr variieren, damit hast du sicherlich Recht. Daher habe ich ja auch gesagt, dass bei uns so eine Patientin über den Schockraum laufen würde.

      Wir werden uns aber alle daran gewöhnen müssen, dass der Begriff "Schockraum" in der Zukunft nicht mehr nur bei Polytrauma-Patienten fällt. Im Zuge der Neustrukturierung der Notfallmedizin und Etablierung von ZNA's wird es demnächst auch den nicht-traumatologischen Schockraumpatienten geben.
      Wir versuchen das gerade schon in unserer Klinik strukturell zu entwickeln.
      Kriterium für den Schockraum ist dann nicht mehr "Trauma", sondern allgemein der potentiell lebensbedrohlich erkrankte oder verletzte Patient.

      Und das diese Patientin - aus welchem Grund auch immer - kritisch ist, ich glaube darüber besteht hier weitgehend Einigkeit.

      Diesbezüglich empfehle ich bei Interesse diesen Artikel: Gässler H et. al. -Der nicht traumatologische Schockraumpatient- Notarzt 2018; 34:198-212

      Moderator || Benutzerbetreuung BOS