Im Kinderparadis

    Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Dienste bereitzustellen und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem werden durch unsere Partner Informationen zu Ihrer Nutzung für soziale Medien, Werbung und Analysen erfasst. Weitere Informationen

    • Im Kinderparadis

      Guten Abend,
      nach langer inaktiver Zeit mal möchte ich mal wieder etwas posten.
      Ein kleines Fallbeispiel wo bestimmt auch der ein oder andere SanH & Ersthelfer mitmachen kann.


      Ihr werdet als RTW (RA/RS) an einem verregnetem Sonntag nachmittag in ein Indoorspielplatz alarmiert.

      Anfahrt mit Sonder & Wegerechte, ohne Notarzt
      Alarmstichwort: verletztes Kind


      Kinderchirugie in 15 minuten mit SoSi erreichbar
      Unfallkrankenhaus (Kinder ab 6 Jahren) in 12 Minuten mit SoSi erreichbar
      Hier startet das nächst verfügbare NEF
    • Guten Morgen,


      sb-modder schrieb:

      Ok, haben wir mehr Informationen? Z.B. Kindsalter, spezifikation der Verletzung?
      Da fragen wir mal über Funk bei der Leitstelle nach.

      OT: Tipp: Damit die User wissen, was du von ihnen in einem Abschnitt willst, wäre es sinnvoll, Fragen zu stellen.

      Auf Nachfrage bekommt ihr nur mitgeteilt, das es sich um eine Verletzng der Oberen Exträmitäten handelt, das Alter konnte nicht herausgefunden werden beim Telefonat[
      Der Anrufer war sowohl akkustich als auch sprachlich schwer verständlich/infobox]

      Dr. Green schrieb:

      sb-modder schrieb:

      Z.B. Kindsalter, spezifikation der Verletzung?
      Genau!
      Wir müssen ja so ungefähr wissen, was wir mitnehmen sollen. Und verletztes Kind kann heißen ... "vom Kletterturm gestürzt", "Finger in Tür geklemmt" oder vielleicht auch "an heißem Tee aus der Thermoskanne verbrüht".
      [successboI[successbox]hr seit jetzt an der EST angekommen. Ein Einweiser erwartet euch an der Straße[/successbox]

      [infobox]Folgende Informationen bekommt ihr von diesem:
      gestürztes Kind, warum/von wo kann er nicht sagen (versteht die Frage nicht)
      Alter 7 Jahre
      Der Einweiser will direk los laufen, in ein Gebaude nebem eurem RTW



      Was nehmt ihr mit?
    • (Ich gehe jetzt mal so vor, was wir bei uns auf der Wache mitnehmen würden. Dies ist natürlich Organisations- und Gebiets übergreifend unterschiedlich und da ich nicht weiß, wie es hier verldaden ist:)
      Ich würde mitnehmen: Notfallrucksack (Hier ist bei uns auf der Wache SamSplint und Verbandszeug drinnen, ebenso einiges für Diagnostik), Kinderrucksack (Kinder-RR-Mannschette), StifNeck-Tasche und EKG/Defi mit. Ob wirklich alles gebraucht wird, sei mal dahingestellt, aber besser ich habe es und brauche es nicht, als dass ich nochmal zurücklaufen muss...


      110-Jungs die man ruft - 112-Männer die auch kommen!
    • Euer Material:
      Roter Rucksack (Verbandmaterial,(Kinder-)Diagnostik, Medikamente)
      Traumatasche (Stifneck, SamSpilnt, Spineboardzubehör)
      EKG mit Defieinheit



      Im Gebäude steigt ihr in einen kleine Aufzug, mit drei Personen ist dieser ausgefüllt.
      Ihr haltet im ersten Stock,die Türen gehen auf und auf euch bricht ein Höllenlärm auf euch ein.
      Quer durch Die Halle kommt werdet ihr zu eine Tisch voll mit Geschenken und Kuchen geführt, auf der Bank sitzt euer Patient.

      Ca. 8 Jähriger Junge, kräftige Statur
      Rechter Arm in Schonhaltung, gestützt von der linken Hand. Er schaut einfach gerade aus, nimmt keinen Kontakt zu euch auf, guckt euch erstmal nicht an.

      Drum herum läuft der ganz normale Wahnsinn eines Kinderspielplatzes ab. Es ist so laut, dass man nur ganz nah aneinder was verstehen kann

      Wie wollt ihr jetzt vorgehen?

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Eselchen () aus folgendem Grund: Material vervollständigt

    • Während sich der RA versucht, sich um den Jungen zu kümmern und einen Zugang (nicht Infussion) zu ihm zu bekommen, versuche ich mich zu erkundigen, ob wir irgendwo hingehen können, wo es ruhiger ist.

      Wenn ja, wird die Befragung, was wie wo passiert ist in Ruhe gemacht, genauso wie eine genauere Untersuchung nach ABCDE und SAMPLE(R)

      Wenn nein, wird ein schnelles ABCDE-Schema abgearbeitet und wir versuchen, schnellstmöglich in den RTW zu kommen, wo es auf jeden Fall ruhig sein sollte.


      110-Jungs die man ruft - 112-Männer die auch kommen!
    • Der Junge hält keinen Blickkontakt, Antwortet so kurz wie möglich. Ist aber auch nicht aktiv abwehrend.


      A-Frei --> Was macht ihr mit der HWS?
      B- keine Zyanose, gleichmäßige AG, Auskultieren könnt euch bei dem Lärm schenken.
      C- leicht rosige Schleimhäute, ReCap am "gesunden" Arm 2 sec, perif. Puls schwer tastbar, da der junge den seinen verletzen Arm stütz. Das was man glaubt zu finden ist regelmäßig bei 110 ca.
      D- GCS 15, Pupillen opB
      E - Arm in Schonhaltung, Schwellung im Bereich EB





      Für ein ruhigeres Plätzchen müsst ihr den Spielplatz verlassen.
      Der Junge lässt sich so schmerz bedingt nicht bewegen




      S - Schmerzen im Arm
      A - keine bekannt
      M- keine
      P - keine
      L - vor 20 Minuten ein Stück Schokoladenkuchen, Wasser
      E - Sprung von Rutschen 2,5m , Boden wie bei einer Hüpfburg. Arm nach hinten Ausgestreckt beim landen
      R - Was wären hier Risikofaktoren?



      Die Anamnese ist erschwert durch die kurzen Antworten des Jungen, ein Teil der Eltern spricht eure Sprache nicht, der andere Teil muss immer wieder bei ersterem nachfragen.
      Für die Anamnese braucht ihr ca. 5 Minuten


      Was macht der Kollege in der Zeit?

      Ist der Patient Kritisch?

      Wie wollt ihr vorgehen?

    • Der Kollege soll dann mal einmal einen NA zwecks Analgesie nachfordern. Wenn der Junge sich auf Grund der Schmerzen weigert zu laufen, hilft nur die Analgesie. Falls er doch an sich arbeiten lässt (Ruhigstellung des Armes) kann man auf den NA verzichten, aber ich gehe mal vom geschilterten nicht davon aus.
      HWS-Immo würde ich jetzt mal vorsichtshalber machen, denn vorsicht ist besser als Nachsicht.

      Kritisch ist unser Patient erstmal nicht, die erhöhte HF kann von der Aufregung herrühren. Dennoch hätte ich später gerne mal ein EKG (Jetzt nicht so wichtig)

      Ok, dann einmal DMS am verletzten Arm:
      D=Durchblutung: Kann ich einen Puls tasten und einen Recap-Test machen?
      M=Motorik: kann der Junge die Hand noch bewegen (gehe aber mal von nein aus, da er Schmerzen hat)
      S=Sensorik: Spürt der Junge, wenn wir ihn an der Hand berühren?

      Dann würde ich schonmal einen SamSplint vorbereiten, mit dem Anlegen würde ich aber auf den NA warten.

      Können wir bei dem Jungen unser Pulsoxy anlegen bzw. Kinder-Pulsoxys verwenden?


      110-Jungs die man ruft - 112-Männer die auch kommen!
    • Ich schreite mal vorran um den zeitlichen Rahmen des Fallbeispiele nicht zu sprengen

      sb-modder schrieb:

      Der Kollege soll dann mal einmal einen NA zwecks Analgesie nachfordern. Wenn der Junge sich auf Grund der Schmerzen weigert zu laufen, hilft nur die Analgesie. Falls er doch an sich arbeiten lässt (Ruhigstellung des Armes) kann man auf den NA verzichten, aber ich gehe mal vom geschilterten nicht davon aus.
      HWS-Immo würde ich jetzt mal vorsichtshalber machen, denn vorsicht ist besser als Nachsicht.

      Kritisch ist unser Patient erstmal nicht, die erhöhte HF kann von der Aufregung herrühren. Dennoch hätte ich später gerne mal ein EKG (Jetzt nicht so wichtig)

      Ok, dann einmal DMS am verletzten Arm:
      D=Durchblutung: Kann ich einen Puls tasten und einen Recap-Test machen?
      M=Motorik: kann der Junge die Hand noch bewegen (gehe aber mal von nein aus, da er Schmerzen hat)
      S=Sensorik: Spürt der Junge, wenn wir ihn an der Hand berühren?

      Dann würde ich schonmal einen SamSplint vorbereiten, mit dem Anlegen würde ich aber auf den NA warten.

      Können wir bei dem Jungen unser Pulsoxy anlegen bzw. Kinder-Pulsoxys verwenden?

      Anlage einer Schienung scheitert, da ihr nicht richtig an den Arm rangelassen werdet.

      NEF auf Anfahrt (ca. 8 Minuten bis eintreffen)



      Der Kollege steht ab jetzt hinter dem Patienten und fixiert manuell die HWS




      Extremitätenbeurteilung:


      • Haut warm (bds.)
      • Finger können bewegt werden (unter schmerzen)
      • ReCap am Finger an beiden Seiten gleich
      • Berührung wird gemerkt


      SamSplint wird nicht vorgehalten. Wie wäre es mit einem Armtragetuch oder einer ProSplint Winkelschiene?




      Pulsoxy am Kind:
      SpO2 - 99%
      Puls - 110/min







      Was soll bis zum Eintreffen des NEF´s gemacht werden?
      Wie lautet eure Übergabe?

      Erzählt ihr eurem Patienten von den weiteren anrückenden Kräften?

      Und dann bitte einmal eure Arbeitsdiagnose benennen ;)

    • Eselchen schrieb:

      1. Was soll bis zum Eintreffen des NEF´s gemacht werden?


      2. Wie lautet eure Übergabe?

      3. Erzählt ihr eurem Patienten von den weiteren anrückenden Kräften?

      4. Und dann bitte einmal eure Arbeitsdiagnose benennen

      1. Versuchen, eine ruhige Atmosphäre zu schaffen. Eine kindliche Analgosedierung sollte nicht in einem Chaos stattfinden. Wenn wir also so nicht ins Auto kommen, würde ich versuchen, mit dem Betreiber des Indoorspielplatzes Kontakt aufzunehmen, und zu diskutieren ob man diesen Bereich für den Moment räumen kann, sofern dies möglich ist.
      Desweiteren sollte eine oder 2 vertraute Bezugsperson(en) mit Deutschkenntnissen verbleiben. Die anderen Angehörigen sollte man beruhigen und versuchen irgendwie auch in Distanz zu bekommen.
      Ist beides schwierig, aber wir können es ja zumindest mal versuchen.

      Haben wir einen Teddy ...oder ein anderes Stofftier auf dem RTW? Wenn ja, wäre das jetzt der geeignete Moment... :)

      2. in der Situation die Kurzversion: 8jähriger Patient mit Z.n. Sturz auf ausgestreckten rechten Arm nach Sprung aus 2,50 m Höhe. Kein A - D-Problem, E-Problem: Monoverletzung rechter Ellenbogen mit Frakturverdacht, DMS intakt.

      3. Natürlich. Einen 8jährigen Patienten sollte man "mitnehmen", dass heißt man kann ihn schon kindgerecht darauf vorbereiten, wie die nächsten Schritte aussehen sollen. Denn wenn der Patient dann merkt, dass genau das passiert, was man ihm ankündigt, schafft das Vertrauen. Und wenn er uns vertraut, ist schon viel gewonnen.

      4. V.a. supracondyläre Humerusfraktur (ist in dem Alter bei dem Mechanismus die mit Abstand häufigste Verletzung). Man muss auch an eine Luxation denken...gibt es auch mal bei Kindern...jedoch ist in dem Falle meist klinisch eine signifikante Fehlstellung zu sehen, und nicht nur eine Schwellung.

      Moderator || Benutzerbetreuung BOS
    • Eselchen schrieb:

      Jetzt wird in die Runde gefragt, was sollen wir den Nehmen? Und welche Dosierung wird benötigt?
      Ich würde mich da mal mit konkreten Vorschlägen zurücknehmen.

      Ganz grob umrissen sollte unsere Medikation aber folgende Kriterien erfassen:
      - sowohl analgetische als auch sedierende Komponente
      - rascher Wirkungseintritt
      - große therapeutische Breite (Kind! Problematik der Dosierung bei geschätztem Körpergewicht) und gute Steuerbarkeit

      Moderator || Benutzerbetreuung BOS
    • Neu

      Ich hab das hier gerade mal kurz überflogen.
      Da wir es mit einem isolierten Extremitätentrauma zu tun haben, würde ich ebenfalls Midazolam und Esketamin nehmen.

      Die Handlungsempfehlungen 3.0 BaWü empfehlen:
      Midazolam initial 0,02 - 0,1 mg/kgKG, Titrationsdosis 1 mg,
      sowie Esketamin 0,125 – 0,25 mg/kgKG.

      Der Junge ist scheinbar acht Jahre alt, damit gehe ich grob geschätzt von ca. 30Kg aus.
      Heißt: Midazolam 0,5mg (genau gerechnet natürlich 0,6mg, wird aber blöd zum dosieren) und Esketamin ca. 3,5mg (minimal Dosis). Darunter würde ich einfach mal schauen was passiert.
      Sollte es zu keiner akzeptablen Schmerzlinderung kommen können wir dies auf 3mg Midazolam, sowie 7,5mg Esketamin langsam erhöhen.

      Ich kann natürlich nur aus meiner Sicht als NotSan sprechen, darum steht natürlich keine absolute Schmerzfreiheit sondern primär eine Schmerzlinderung im Raum.
    • Neu

      Ich denke es macht hier sinn das ganze zu beenden, da hier nicht viel an Diskussion aufgelebt ist.

      Also der Junge Patient hatte eine Oberarm Fraktur im gelenknahen Bereich ohne deutliche Fehlstellung.

      Esketamin mit Midazolam ist eine gut denkbare Möglichkeit

      Mein Grundgedanke war in diesem Fallbeispiel sich über Patientensichrheit und Rückfallebenen zu Unterhalten.
      Das wir uns an Lauten Einsatzstellen befinden ist nun doch nicht ganz so häufig als Retter.

      In solch einer Umgebung ist Vorbereitung und klare Aufteilung wichtig.
    • Neu

      und genau aufgrund der Umgebung der relativ harmlosen Verletzung hätte ich kein Ketamin genommen. Das kann ziemlich traumatisierend sein, für den Patienten und die Eltern.
      S-Ketanest ist großartig bei Polytraumata und schlimmen Verletzungen, die man vor Ort reponieren muss oder wenn den Patienten viel mobilisieren muss. Für eine einfache Extremitätenfraktur finde ich das übers Ziel hinausgeschossen.

      Lieber Piritramid, dann ist er nicht so ganz aus dem Leben geschossen wird. Er macht ja eher einen ruhigen Eindruck, sonst kann man ihn sicher auch mit einer Spur Midazolam beruhigen.

      Innerklinisch setzt man ja auch oft auf Novalgin und Tramadol.
      Standard nicht Standart :evil:
    • Neu

      ff-hamburg schrieb:

      relativ harmlosen Verletzung hätte ich kein Ketamin genommen. Das kann ziemlich traumatisierend sein, für den Patienten und die Eltern.
      S-Ketanest ist großartig bei Polytraumata und schlimmen Verletzungen, die man vor Ort reponieren muss oder wenn den Patienten viel mobilisieren muss. Für eine einfache Extremitätenfraktur finde ich das übers Ziel hinausgeschossen
      Kann ich so nicht wirklich nachvollziehen...
      Wir reden hier über Analgosedierung. Es ist doch völlig Latte, ob eine "harmlose" oder "schlimme" Verletzung vorliegt. Es kommt doch darauf an, wie stark der Schmerz ist.
      Und es ist ein populärer Irrtum, dass man mit Ketanest die Leute immer auf den Mond schießen muss. Wenn ich Ketanest einsetze, dann bemühe ich mich, dass die Patienten dabei einigermaßen wach bleiben. Denn das spart mir sehr viel Monitoring. Das beste Monitoring ist, wenn man noch mit dem Patienten sprechen kann. Und wenn man sich vorsichtig an die Bedarfsdosis herantitriert, dann ist das kein Problem, denn wie ich sagte ... aufgrund der kurzen Anschlagszeit habe ich eine gute Steuerbarkeit ... und zudem eine wahnsinnig große therapeutische Breite.
      Wenn ich möchte, kann ich die Patienten bei einer notwendigen Reposition oder Umlagerung kurz wegschießen ... muss ich aber nicht.

      Was haben wir hier? Vermutlich eine supracondyläre Humerusfraktur. Und die tut den Kindern sehr sehr weh...glaub mir. Und zwar so lange, bis diese ruhiggestellt ist.
      Und nur weil ein Kind nicht wie am Spieß schreit, heißt es nicht, dass es keine starken Schmerzen hat.
      Und für die Anlage einer Splintschiene o.ä. muss ich kurz am Arm manipulieren. Und dafür ist es ideal, wenn ich ein gut steuerbares, kurz wirksames Analgetikum wie Ketamin habe. Wenn die Wirkung raus ist, ist der Arm ruhiggestellt...und dann braucht es meistens gar kein großes Schmerzmittel mehr.

      Piritramid ist sicherlich kein Fehler ... aber dass ist was die Trägheit anbetrifft eher so der Öltanker unter den Analgetika. Bis das Zeug richtig wirkt vergehen mindestens 10 min ...nach meiner persönlichen Erfahrung aus der Klinik auch mal 20 ... Dafür habe ich eine Wirkdauer von 6-8 Stunden. Finde ich in unserer Situation eher suboptimal ...

      Moderator || Benutzerbetreuung BOS