Der alte Herr Mayer

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  • Der alte Herr Mayer

    Ich habe im letzten Jahr viele Fallbeispiele hier lesen können und könnte auch viel für meine Ausbildung zum Kinderkrankenpfleger lernen, da schon lange kein neues Fallbeispiel mehr erstellt wurde, versuche ich mich nun hier.
    Vorab: Ich bin noch Azubi im dritten Jahr, köpft mich also nicht, wenn ich Fehler mache... :saint:

    Es ist Freitag abends 20:17
    Ihr hattet bisher eine eher ruhige RTW Schicht die sich langsam dem Ende nähert als euer Melder euch den baldigen Feier abend verwehrt..
    Euer melder gibt euch das Einsatz Stichwort RD1 - Z.N Sturz

    Ihr (Ausgebildeter NFS) macht euch also mit eurem RS auf dem weg zum RTW und drückt die 3. Euer Ziel ist ein nahe gelegener Fußballplatz, anfahrts Zeit mit Signal 6 Minuten laut Navi.

    Am Zielort auf dem Parkplatz des Platzes kommt euch ein Mann um die 40 in sportkleidung entgegen der auf euch gewartet hat und euch einweist.

    Meine Frage, was wollt ihr an Material mitnehmen? Und habt ihr erste fragen an den Mann?

    Viel Spaß :rolleyes:
  • Ich würde jetzt schon mal mit den Infos weiter machen:
    Also Infos auf Anfahrt:
    1)Patient ist männlich und über 60 Jahre alt
    2)Zustand nach Sturz unter Alkohol Einfluss
    3)Zustand bei Notruf wohl wach aber Bewusstseins getrübt durch alkohol konsum
    4)Kopfplatzwunde welche laien mäßig versorgt wurde

    Ihr steigt aus eurem RTW aus und sprecht den wartenden mann an.
    Ihr erfährt von ihm das folgende:
    1) Er hat den Notruf getätigt und wartet seid dem auf dem Parkplatz auf euch da er mal gelernt hat wie wichtig das einweisen ist
    2) derzeit wird im Vereinsheim der Aufstieg der lokalen Manschaft (mit viel alkohol) gefeiert
    3) Euer Patient ist der 60 jährige Herr Mayer welcher sich seid vielen Jahren um den Sportplatz kümmert
    4) Der Patient wartet im Vereinsheim auf euch und ist ansprechbar
    5) Er kann euch nicht sagen wie viel euer Patient getrunken hat, beim Versuch es aufzuzählen merkt ihr aber dass es >2L bier sind + eine unklare Menge selbstgebrannter Schnaps eines Vereins Mitglied
    6) Euer Patient ist wohl aufgestanden um auf die Toilette zu gehen, ist dabei gestürzt und hat sich eine Kopf Platz Wunde zugezogen um die sich der "Platz-sanni" gekümmert hat


    Ansonsten noch:
    Anfahrt NEF ~9 min (noch nicht allarmiert)


    Krankenhäuser in euerer nähe:
    Universitäts Klinikum der Maximal Versorgung ~12min.

    Lokales Krankenhaus mit Chirurgie + allgemeine innere ~8min.

    Ich hoffe das hilft euch weiter :)
  • Na dann schnappen wir doch mal unser Material (Rettungsrucksack, Absauge, EKG, Beatmungsrucksack / Oxybag) und gehen zum Herrn Mayer rein.

    Wie finden wir ihn denn vor? Sitzt er? Steht er? Liegt er auf dem Boden?

    Wie schaut denn der Gute aus? Sieht man schon beim hereinkommen etwas? (die Kopfplatzwunde eventuell? Zyanose? Hautkolorit?)

    Wie reagiert er auf uns? Antwortet er atäquat? Oder wirkt er eher eingetrübt/abwesend/whatever?

    Uuuuuund weil ich gerade so gerne Fragen stelle, um mir die Situation besser vorstellen zu können: Sieht man, wo er drauf gefallen ist? Ist er auf die Toilette gefallen? Oder einfach auf den Boden?
  • Ist ja schon vieles richtiges gesagt worden ... nur an der Reihenfolge haperts noch so ein bisschen.

    Daher würde ich eine orientierende körperliche Untersuchung nach dem ABCDE-Schema vorschlagen ... hier sicherlich mit mit besonderer Betonung von D.
    Im Anschluss strukturierte Anamnese (die Frage nach etwaigen Antikoagulantien in der Medikation ist von ganz entscheidender Bedeutung!!) nach dem SAMPLER-Schema.

    Grundsätzlich muss beachtet werden, dass alkoholisierte Patienten Schmerz nicht so wahrnehmen, wie nüchterne Menschen. Daher ist auch eine vermeintliche Schmerzfreiheit oder ein "ist nicht so schlimm" kein Grund zur Entwarnung.
    Daher würde ich hier unter A in jedem Fall eine HWS-Immobilisation vornehmen ... auch wenn der Patient sagt, dort keine Schmerzen zu haben.

    @KikraMZ: Mir würde noch als Information fehlen, ob das lokale Krankenhaus aktuell über eine CT-Diagnostik verfügt. Denn Schluckis mit Kopfverletzung in dem Alter würde man schon einmal durch die Mikrowelle schieben...unabhängig davon, was bei unserer Untersuchung rauskommt.

    Moderator || Benutzerbetreuung BOS
  • Dann geht es jetzt weiter

    Ihr bittet den Wartenden Mann auf dem Parkplatz (den wir ab hier Willi nennen) euch zu eurem Patienten zu bringen.
    Auf der kurzen Strecke zum Vereinsheim fragt ihr Willi über die Vormedikation eures Patienten über die er euch aber keine Infos geben kann.

    Ihr betretet also schwer beladen das Vereinsheim. Es liegt der Geruch von Bier und Zigarettenrauch in der Luft, die Beleuchtung ist nur semioptimal und insgesamt befinden sich etwa 20 Personen im Raum welche lautstark Feiern.
    Willi führt euch an den Feiernden vorbei und bringt euch in den Hinteren Teil des Raumes wo sich eine Sitzecke befindet. Auf dieser wartet euer Patient.

    Euer erster Blick geht über den Patienten:
    Herr Mayer sitzt nach hinten gelehnt auf einem Sofa, auf dem Boden vor ihm befindet sich ein Eimer in dem sich Erbrochenes befindet.
    Euer Patient hat an der Linken Stirn einen Fixierten Verband durch den es leicht Rötlich hindurchscheint, zudem drückt er eine größere Kühlkompresse an seinen Linken Arm. Der Patient wirkt abwesend und bemerkt euch erst als ihr ihn mit seinem Namen ansprecht, ihr bemerkt eine Deutliche verzögerung in der Reaktionszeit.
    Ihr stellt euch also vor und beginnt anschließend mit der Anamnese/der Erstuntersuchung wie von Dr Green schon vorgeschlagen

    A - Airway: Frei
    B - Breathing: Pateint atmet selbstständig bei einer Frequenz von 18
    C - Circulation: Puls per Oxyclip unklar schwankend zwischen 55 und 90, Sättigung bei 94%, Keine Aktiven Blutungen erkennbar, RR bei 190/110
    D - Disability: GCS 3/4/4 , Pupillen beidseits eng/verzögert reagibel, BZ 97 mg/dl

    E habe ich hier ausgeklammert, aufgrund der aktellen Lichtgegebenheiten und dem schutz der Privatsphäre.
    Wenn ihr trotzdem ein E haben wollt, sagt bescheid.


    Ihr erkundigt euch bei eurem Patienten über den ablauf des geschehenen:
    Er wollte von einer Kartenspielrunde aufstehen um auf die Toilette zu gehen und dann zu Rauchen, dabei ist er gestürzt und hat sich eine Kopfplatzwunde zugezogen, er klagt zudem
    über Schmerzen an der linken Schulter/Oberarm auf die er wohl auch gestürzt ist. Ein Mitglied des Vereins der sich "seit jahren mit medizin beschäftigt" hat ihm dann das Kühlpack für den Arm gegeben und den Verband am Kopf befestigt.
    Eigentlich wollte euer Patient direkt weiter Spielen nach dem der Verband fest war, er musste sich aber übergeben da sich sein Magen "so gefühlt hat als würde er alles im Bauch verschlucken und immer größer werden".
    Die Frage auf Vorerkrankungen oder Allergien verneint er, mit den zusätzlichen Worten:
    "Ich weiß doch wenn ich krank bin, da brauche ich keine Ärzte die mir das Geld aus der Tasche ziehen"


    Wie ist euer Weiteres Vorgehen mit dem Patienten?

    Kursiv geschriebenes soll immer die Worte des Patienten wiedergeben um einen besseren eindruck von der Person zu bekommen

    @Dr Green Ja das Lokale KH verfügt über ein CT
  • Mir schwant Böses ...
    Nicht nur medizinisch ... sondern auch juristisch.
    Die Äußerungen des Patienten lassen befürchten, dass es möglicherweise nicht so ganz einfach werden könnte, ihn in ein Krankenhaus zu verklappen.
    ... aber lassen wir das.

    Dem Patienten würde ich erstmal freundlich und diplomatisch mitteilen, dass wir ihn erst einmal genauer untersuchen müssen. Da dies unter den gegeben Umständen nicht so ideal ist, würde ich ihn in den RTW verbringen. Vorher unbedingt Anlage einer HWS-Orthese (auch hier hoffe ich auf die Kooperation des Patienten). Kommen wir mit der Trage gut dahin?

    Moderator || Benutzerbetreuung BOS