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  • Moin, nach längerer Abstinenz mal wieder ein neuer Fall, der sich so ähnlich während meiner letzten Famulatur ereignet hat.

    Ihr seid ein RTW-Team (2x NfS) in einer norddeutschen Großstadt, euch steht ein RTW Typ C zur Verfügung, freigegeben sind alle Maßnahmen für Notfallsanitäter gemäß NUN-Algorithmen, natürlich stehen auch alle entsprechenden Medikamente zur Verfügung.

    An einem Mittwoch gegen 12:30 werdet ihr zu einem RTW-Notfalleinsatz alarmiert, auf dem Melder steht: "Notfall-RTW-o-NA: hilflose Person am Straßenrand, Anrufer weißt ein".
    Nach etwa 6 Minuten Anfahrt erreicht ihr die Einsatzstelle, eine Straße am Rande eines Industriegebietes in unmittelbarer Nähe zur örtlichen Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber.
    Der Anrufer, ein LKW-Fahrer, empfängt euch und erzählt euch, dass eine Person am Straßenrand kauern gesehen hat und angehalten habe. Der Patient spreche kein Deutsch, sei verwirrt und schreie herum. Er habe sich nicht näher herangetraut.
    Auf den ersten Blick seht ihr einen etwa 40-jährigen, gut gekleideten Mann mit persischem Aussehen auf dem Grünstreifen neben der Straße liegen, der laut auf einer fremden Sprache herumschreit.

    Euer RTW steht ein paar Meter vom Patienten entfernt, was nehmt ihr mit, was sind eure ersten Maßnahmen?

    Nachforderbar:
    NEF: 13 Minuten ab Alarmierung, stationiert am Krankenhaus B
    Polizei: erfahrungsgemäß binnen 3-4 Minuten vor Ort
    RTH: 13 Minuten ab Alarmierung (+x für Landemanöver)

    mögliche Krankenhäuser:
    Krankenhaus A: Haus der Grund- und Regelversorgung mit ITS, 24/7-Herzkatheter und CT/MRT (in etwa 6-7 Minuten erreichbar)
    Krankenhaus B: Haus der Schwerpunktversorgung mit ITS, 24/7-Herzkatheter, ECMO-Möglichkeit, Stroke-Unit sowie Neurochirurgie und Thorax-/Gefäßchirurgie (in etwa 11-12 Minuten erreichbar, Standort NEF)
    Krankehaus C: Haus der Maximalversorgung mit allen Fachdisziplinen (in etwa 15 Minuten erreichbar)

    Viel Erfolg!
    Standard nicht Standart :evil:
  • ff-hamburg schrieb:

    was nehmt ihr mit, was sind eure ersten Maßnahmen?
    mitholen würde ich erstmal nur den Rucksack/Koffer.
    Dann schaue ich schon auf dem Weg zur Person (also aus dem Abstand) an, wie die Person aussieht:
    - wie ist die Hautfarbe
    - ist das Gesicht verzerrt wie vor Schmerzen
    - sind irgendwelche Verletzungen oder Blutungen zu erkennen
    - liegt irgendetwas im Umfeld des Patienten, z.B. Behältnisse von alkoholischen Getränken, Spritzen, kleine Plastiktütchen? (ich will hier jetzt nicht sagen, dass jeder Asylbewerber o.ä. gleich ein Alkoholiker oder Junkie ist, aber man muss diese Situation leider auch in Betracht ziehen)
    - liegen sonst irgenwelche Gegenstände herum, die für mich gefährlich werden können?

    Dann spreche ich die Person immer noch auf Abstand und somit Eigenschutz an.
    - Wie reagiert die Person, wenn ich sie Anspreche? Reagiert sie überhaupt auf uns?
    - Ich frage, ob die Person mich verstehen kann bzw. deutsch spricht.


    110-Jungs die man ruft - 112-Männer die auch kommen!
  • -die Hautfarbe ist auf Distanz schwer zu beurteilen, da von Natur aus eher dunkel. Eine Zyanose könnt ihr zumindest nicht erkennen. Auffällig ist der Schweiß auf der Stirn.
    -der Patient ist sehr agitiert, unruhig bis panisch.
    -keine offensichtlichen Verletzungen oder Blutungen
    -der Patient ist normal gekleidet, liegt auf dem Grünstreifen, außer einer Tüte eines Supermarktes hat er nichts bei sich. Keine offensichtlichen Gefahren oder Hinweise auf Intoxikation.

    -die Person reagiert auf eure Ansprache, schreit auf einer fremden Sprache. Die einzigen deutschen Worte, die ihr verstehen könnt, sind HILFE und ATMEN.

    Wie geht ihr weiter vor?
    Standard nicht Standart :evil:
  • Bei einer verwirrten, unbekannten Person im öffentlichen Verkehrsraum sollte auf jeden Fall auch noch ein Funkstreifenwagen hinzugezogen werden, allein schon um persönliche Daten aufnehmen zu können. Zumindest bei den Informationen die der Melder gegeben hat macht das absolut Sinn.

    Edit: bei der jetzigen Beschreibung, ohne Informationen über Pupillen usw. könnten auch BtM vorliegen.

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Sarah ()

  • Ich bin absolut bei @Sarah, nicht nur zwecks Personalienfeststellung, sondern auch auf Grund Eigenschutz.

    Um ein ABCDE-Schema durchzuführen, brauche ich keine Personalien. Natürlich kann ich versuchen, diese durch Nachfrage beim Patienten herauszubekommen.

    Und eines kann man offensichtlich sagen: Wir haben kein schlimmes A-Problem, wenn überhaupt, da der Patient schreit und spricht. Und wer schreit und spricht, hat auch erstmals freie Atemwege :whistling: Ob jetzt noch was anderes ist, was unter A fällt (Zungenbiss, Erbrochenes oder Blut im Mund) können wir nicht feststellen, aber es scheint nicht so schlimm zu sein.

    Können wir eine inverse Atmung feststellen?


    110-Jungs die man ruft - 112-Männer die auch kommen!
  • Geht denn von dem Patienten ein gewisses Gefahrenpotential aus? Wir haben doch erstmal ausgeschlossen, dass primär eine Gefahr durch herumliegende Sachen besteht und die Personalien sind doch auch erstmal irrelevant, oder nicht? :rolleyes:

    Gibt es Übersetzungsmöglichkeiten auf dem RTW? Es gibt ja so Bücher mit Bildern und mehreren Übersetzungen... Entsprechend würde ich schonmal versuchen, den Patienten zu Beruhigen und schonmal ein paar Werte zu Erheben (AF (Dyspnoe? Tachypnoe? Hyperventilation?), BPM, EKG wären mir hier wohl am wichtigsten..), auszukultieren etc. (halt das ABCDE-Schema... :D).
  • Gibt es weitere Meinungen? Auf ins Gefecht oder in sicherer Entfernung auf einen nachgeforderten Streifenwagen warten?

    Wie gesagt, der Patient ist wach, panisch, auf den ersten Blick tachypnoeisch und ruft um Hilfe.

    Auf dem RTW wird ein Bildwörterbuch in Englisch, Russisch, Französisch, Arabisch, Persisch und Türkisch vorgehalten.
    Standard nicht Standart :evil:
  • Der Streifenwagen kann ja angefordert werden, man muss ja nicht unbedingt auf diesen warten.

    Aber schon allein wegen der beschriebenen Unruhe denke ich, dass die Einnahme von BtM durchaus zu vermuten wäre. So ein Streifenwagen ist ja nicht permanent fest an den Einsatz gebunden, nach dem die PVB einmal die Situation eingeschätzt haben und davon ausgehen können, dass keine Gefahr von dem Gegenüber ausgeht.
  • Also die Einnahme von BTM würde ich erstmal außen vorlassen, er ist tachypnoe und sagte zu Beginn bereits Hilfe und Atmen. Ich würde mich dem Patienten nähern, versuchen beruhigend auf ihn einzuwirken und direkt mit ABC anfangen, zudem würde ich die SpO2 ebenfalls direkt anschließen um mir einen direkten ersten eindruck zu verschaffen. Liegen in der näheren Umgebung irgendwo Tüten vom goldenen M oder BK? Wie sieht es aus mit Insekten in näherer Umgebung?
  • in der Umgebung könnt ihr nichts ungewöhnliches Entdecken außer einem schlecht gepflegten städtischen Gründstreifen und Müll. In der Tüte des Patienten befindet sich bei näherem Hinsehen ein gewöhnlicher Einkauf.

    Da nun mehrmals gefordert fordert euer Kollege über das HRT einen Streifenwagen an, der bald eintreffen sollte.

    Ihr beginnt währenddessen (unter erschwerten Bedingungen) mit eurem Ersteindruck des Patienten (primäre survey).
    Nach AMLS (und weil ihr nur den Rucksack mithabt) ohne jegliche apparativen Werte.

    A: Atemwege offensichtlich frei, kein Blut, Erbrochenes oder sonstige Substanzen im Mundraum. Keine Schwellungen der Schleimhaut.

    B: Tachydyspnoe, AF ca. 30-35/min, regelmäßig. Lunge seitengleich belüftet, soweit bei erschwerten Bedingungen beurteilbar. Ihr meint eine Halsvenenstauung zu erkennen, seid euch aber nicht sicher.

    C: Radialispulse bds. kaum tastbar, zentraler Puls gut tastbar, rhythmisch und deutlich tachykard. Recap 3 Sekunden. Auffällig ist das sehr starke Schwitzen des Patienten, die komplette Kleidung ist nass.

    D: Patient wach, scheint orientiert, befolgt Aufforderungen, bewegt alle Extremitäten, keine manifesten Paresen.
    Pupillen isokor, für die Belichtungssituation eher weit, prompte Lichtreaktion beidseitig.
    Patient psychomotorisch wie gesagt unruhig bis panisch, dabei aber nicht aggressiv.

    E: Auffindeort am Straßenrand, Lokalisation wie oben geschrieben, normal gekleidet, gepflegter Eindruck. Soweit die Haut beurteilbar ist eher keine Zyanose, kein Flush oder Erythem.

    Wie geht ihr weiter vor?
    Standard nicht Standart :evil:
  • ff-hamburg schrieb:

    Ihr meint eine Halsvenenstauung zu erkennen, seid euch aber nicht sicher.
    Wie haben hier Anzeichen für eine Rechtsherzinsuffizienz.

    Die Weiteren Symptome würden für einen Schockzustand sprechen. In Verbindung mit der gestauten Halsvene ein Anzeichen für einen Kardiogenen Schock.
    Mein Teammitglied soll das EKG und die Beatmungs-/Sauerstoffplatte oder was auch immer wir auf dem RTW haben, sowie die Trage holen.
    Ich messe derweil auskultatorisch den RR.
    Als Lagerung sollte versucht werden, dass der Oberkörper hoch und die Beine tief (Herzbett-Lagerung) gemacht wird.

    Des Weiteren versuche ich die Person zu beruhigen und versuche Infos über Vorerkrankungen herauszubekommen.
    Können wir irgendwo Medikamente finden, die auf eine Herzerkrankung oder sogar was anderes hindeuten?
    Des Weiteren haben wir hier einen Kritischen Patient..... da ich nicht weiß, wie dass jetzt hier mit den NotSans geregelt ist (in jedem Bundesland darf er ja überall nicht jede Maßnahmen ergreifen), würde ich einen NA bestellen.


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