Atembeschwerden, 55J weibl.

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  • Atembeschwerden, 55J weibl.


    Moin, zum neuen Jahr wollte ich gerne mal einen etwas ungewöhnlichen Fall aus einem der letzten Nachtdienste vorstellen:

    Es ist Freitagmorgen, 04:10, 14° Außentemperatur und leicht bewölkt, aber trocken.
    Ihr seid ein normaler RTW Typ C in einem ländlichen Einsatzgebiet, besetzt mit NotSan und RS.

    Ein NEF steht mit einer Anfahrtszeit von 10 Minuten zur Verfügung.
    Ein nachtflugtauglicher RTH könnte inklusive Vorlauf und Anflug binnen 50 Minuten bei euch sein

    Mögliche Zielkrankenhäuser:
    Kreiskrankenhaus der Grund- und Regelversorgung inklusive CT/MRT - 15 Minuten entfernt
    Kreiskrankenhaus im Nachbarlandkreis mit Neurologie/Stroke Unit - 15 Minuten entfernt
    Universitätsklinik als Maximalversorger - 50 Minuten entfernt

    Ihr werdet von der Leitstelle zu einem internistischen Notfall alarmiert, das Stichwort lautet: Atembeschwerden, 55J. weiblich.
    Das Navigationsgerät lotst euch in ein gehobenes Neubaugebiet am Rande des Dorfes am Hang gelegen, vor dem Haus empfängt euch ein Mann.

    Er berichtet, dass er gegen 22 Uhr von der Arbeit nach hause gekommen wäre, er habe seine Frau ins Bett begleitet, aufgrund von Eheproblemen würde man derzeit getrennt schlafen. Da sie ihm "dabei komisch vorkam" habe er jetzt nochmal nach ihr gesehen, und hätte sie merkwürdig atmend im Bett vorgefunden. Sie würde in letzter Zeit viel Alkohol trinken und er wüsste nicht so ganz, was mit ihr los ist.

    Auf geht's :)
    Standard nicht Standart :evil:
  • Also: Ich nehme mit: Koffer/Rucksack, EKG/Defi, Beatmungsplatte, Absaugung (Bei Alkohol weiß man nie :rolleyes: )

    Dann schonmal fragen an den Ehemann, während wir auf dem Weg zur Patientin sind:
    • Wie lange hat sie die Probleme schon?
    • Hatte sie schonmal solche Atembeschwerden?
    • Hat sie irgendwelche Erkrankungen der Atemwege?
    • In wie fern sieht sie schlechter aus als sonst?


    Mehr kann ich mit meinem aktuellen Stand der Dinge nicht machen.


    110-Jungs die man ruft - 112-Männer die auch kommen!
  • Okay, schwer bepackt macht ihr euch über den Kellerzugang auf den Weg ins Schlafzimmer im 1. OG.

    • Die Probleme mit der Atmung habe er direkt vor dem Notruf festgestellt, als er gegen 04 Uhr nochmal ins Schlafzimmer seiner Frau gegangen ist, um nach dem Rechten zu sehen. Sie würde laut und schwer atmen und nicht wirklich mit ihm sprechen.
    • Sie hatte bisher keine Atembeschwerden bis auf morgenliches Abhusten, vermutlich durch das Rauchen
    • Sie hat keine Atemwegerkrankungen, nimmt auch keine Medikamente wie Sprays oder ähnliches.
    • Er wisse auch nicht, was los ist, er weiß sich nicht zu helfen. Sie hätten momentan eine schwierige Phase, sie würde viel trinken und als sie gegen 22 Uhr ins Bett gegangen ist sei sie so wackelig auf den Beinen gewesen. Jetzt würde sie wie gesagt im Bett liegen, nicht richtig reagieren und komisch atmen.


    Die Einsatzstelle wirkt sicher. Ihr betretet das Schlafzimmer und findet die Ehefrau in Rückenlage im Doppelbett, die Decke bis zum Kinn gezogen. Es imponiert direkt eine laute, schnarchende und unregelmäßige Atmung mit einer Frequenz von ~18/min, normales Hautkolorit, keine Zyanose, vor dem Mund ist wenig Speichel mit Blutbeimengung zu sehen.

    Wie geht ihr weiter vor?
    Standard nicht Standart :evil:
  • Auf Ansprache erfolgt keine Reaktion. Auf Anfassen reagiert die Patientin mit Unruhe und verzögert mit gezielten Abwehrbewegungen, die Vorstellung entfällt daher.
    • A: kleinere Mengen Speichel und Sekret mit Blutbeimengungen im Mundraum, schnarchendes Atemgeräusch in Rückenlage. Mundöffnung bei hohem Muskeltonus nicht möglich, daher auch keine Inspektion
    • B: unregelmäßig, AF 18/min, teilweise schnarchend bis grunzende Atemgeräusche, suffiziente Thoraxexkursionen, bds. gut belüftet, keine Zyanose, keine Stauung.
    • C: periphere Pulse bds. kräftig palpabel, ReCap <2sek.
    • D: GCS 9 (3-1-5), keine Kontaktaufnahme möglich, die Patientin wirkt abwesend. Pupillen mittelweit isokor, träge Lichtreaktion, Spontannystagmus.
    • E: Gegen 22 Uhr ins Bett gegangen, dort wacklig auf den Beinen, gegen 4 Uhr in diesem Zustand vom Ehemann vorgefunden.
    Die Fremdanamnese ergibt keine Allergien, keine Vorerkrankungen oder Medikamente außer Schmerzmitteln für eine Nackenverspannung, letzte Mahlzeit vermutlich das Abendbrot. Die Patientin raucht etwa 20 Zigaretten pro Tag und konsumiert seit Monaten regelmäßig größere Mengen Rotwein. Eine Schwangerschaft ist ausgeschlossen.

    Weiter?
    Standard nicht Standart :evil:
  • Okay ...was haben wir?

    - akute Bewußtseinsstörung ohne fokalneurologisches Defizit
    - erhöhter Muskeltonus (nur fazial?, Nacken --> Meningismus?, am ganzen Körper?)
    - Blutbeimengung im Mundraum (möglicher Zungenbiss aktuell nicht beurteilbar)
    - Cor und Pulmo erscheinen grob orientierend ja erstmal in Ordnung
    - anamnestisch Alkoholabusus

    Ich würde eine neurologische Problematik als Ursache vermuten. Am wahrscheinlichsten erscheint mir zum jetzigen Zeitpunkt ein generalisiertes, aber rein tonisches Krampfgeschehen (ohne klonische Komponente). Die Bewußtseinstrübung, der Muskeltonus, ein möglicher Zungenbiss und die Alkoholanamnese sprechen in diese Richtung.
    Bei der Nackensteifigkeit würde ich aber auch eine Meningitis oder eine andere neurologische Ursache (SAB?) im Hinterkopf behalten.

    Diagnostisch würde ich jetzt fortfahren mit
    - Vitalparametern
    - BZ (!!!!!!)
    - Fiebermessung

    Zudem schließe ich mich Fireveit vollumfänglich an. NA nachfordern und probatorisch Benzodiazepingabe (Midazolam).

    Auch eine Intubationsbereitschaft würde ich vorsorglich herstellen. Ein GCS von 9 wäre ja noch okay. Aber wenn sie mit der Sättigung trotz O2-Gabe schlecht sein sollte, oder der GCS sich weiter verschlechtert könnte relativ zügig eine Intubation erforderlich werden.

    Moderator || Benutzerbetreuung BOS
  • Wenn möglich, dass Kopfteil leicht erhöhen - mit Atemproblemen in der Rückenflachlagerung würde ich auch nicht gut atmen :whistling: :D
    Maßnahme bei A: Absaugbereitschaft herstellen und Absaugen. Den Esmarsch-Griff würde ich erst nach dem Absaugen anwenden.
    Mßnahme bei B: Wie ist die Sättigung? Die Patientin ist zwar nicht zyanotisch, dennoch würde ich hier direkt ein Pulsoxy anlegen. Ergab die Auskultation irgendwelche auffälligen Atemgeräusche? Ich würde mal 15l O2 geben, um zu schauen, ob sich damit eine Verbesserung in der Atmung einstellt und auch eine bessere oxygenierung (Diffusion) stattfindet (also mehr O2 ins Blut gelangt)
    Maßnahme bei C: Können wir den Radialispuls tasten => RR min. 60-80 systolisch. Wie ist der Puls(Schnell, langsam, rhythmisch, arrhythmisch, gut/schlecht tastbar?)? Wie ist der RR? Dann hätte ich gerne min. ein 4-Kanal-EKG.
    Maßnahme bei D: wie ist der BZ? Pupillen sind ja soweit, bis auf die verzögerte/verlangsamte Reaktion auf Licht nicht weiter auffällig. Sind sonstige neurologische Auffälligkeiten zu erkennen? Die Patientin hat einen erhöhten Muskeltonus: sind irgendwelche Probleme mit den Muskeln in letzter Zeit aufgetreten?

    Auf jeden Fall würde ich einen NA nachfordern, da wir hier vermutlich nen Schnorchel legen müssen, je nachdem wie sich die Atemsituation verbessert oder verschlechtert. Bei einem GCS von 9 würde ich erstmal den Tubus noch im Rucksack lassen, aber halt nicht in Vergessenheit geraten lassen (Spruch: GCS von 8 - Tubus lacht; GCS von 7 - den Tubus musst du schieben)

    Ich würde jetzt mal einfach mal ne kleine Arbeitsdiagnose stellen: ich würde mal vorerst von ner akinetischen Krise ausgehen. Dafür sprechen halt der hohe Muskeltonus, der den Mund zuhält, die Atemprobleme und die fehlende Kontaktfähigkeit. Dies ist nur eine vage Vermutung, da ich vor kurzem im RD von der Symptomatik einen ähnlichen Fall hatte mit dieser Verdachtsdiagnose hatte.


    110-Jungs die man ruft - 112-Männer die auch kommen!
  • sb-modder schrieb:

    Ich würde mal 15l O2 geben, um zu schauen, ob sich damit eine Verbesserung in der Atmung einstellt
    Hier würde ich Sättigungsorientiert arbeiten und uns zu einer Zielsättigung von 96% ranarbeiten

    Zur akinetischen Krise - interessante Diagnose aber hier eher weniger im Vordergrund. Bei der Patientin sind keine Vorerkrankungen oder Medikamente vorhanden, die akinetische Krise tritt aber in Folge einer Parkinson Erkrankung auf

    DocCheck schrieb:

    1 Definition
    Die akinetische Krise ist eine seltene, aber lebensbedrohliche Komplikation im Rahmen der Parkinson-Krankheit.

    3 Ätiologie
    Der genaue Entstehungsmechanismus der akinetischen Krise ist bisher kaum verstanden. Sie tritt überwiegend in einem späten Stadium der Parkinson-Krankheit auf. Bekannte Auslöser sind Veränderung in der Medikation (z.B. plötzliches Absetzen), die Gabe von Neuroleptika, Dehydratation, Operationen und Infektionskrankheiten.
    Schenkt euch Liebe
  • Fireveit schrieb:

    - Notarzt nachfordern (bewusstlos)
    NEF ist nachgefordert und wird inklusive Ausrückezeit in 10-12 Minuten bei euch sein

    Notruf-112 schrieb:

    ff-hamburg schrieb:

    Medikamente außer Schmerzmitteln für eine Nackenverspannung,
    Seit wann?
    Erhöhte Muskeltonus am ganzen Körper feststellbar?
    Absaugen oder Esmarch - Handgriff möglich um die Atmung zu erleichtern?
    Genau weiß der Ehemann es nicht, so habe es am Vortage in einem Telefonat am Nachmittag erwähnt.

    Dr. Green schrieb:

    - erhöhter Muskeltonus (nur fazial?, Nacken --> Meningismus?, am ganzen Körper?)


    Diagnostisch würde ich jetzt fortfahren mit
    - Vitalparametern
    - BZ (!!!!!!)
    - Fiebermessung

    Zudem schließe ich mich Fireveit vollumfänglich an. NA nachfordern und probatorisch Benzodiazepingabe (Midazolam).

    Auch eine Intubationsbereitschaft würde ich vorsorglich herstellen. Ein GCS von 9 wäre ja noch okay. Aber wenn sie mit der Sättigung trotz O2-Gabe schlecht sein sollte, oder der GCS sich weiter verschlechtert könnte relativ zügig eine Intubation erforderlich werden.
    Der Muskeltonus ist am ganzen Körper erhöht, der linke Arm lässt sich zur RR-Messung nicht ausstrecken. Der Nacken lässt sich nicht beugen.

    sb-modder schrieb:

    Wenn möglich, dass Kopfteil leicht erhöhen - mit Atemproblemen in der Rückenflachlagerung würde ich auch nicht gut atmen :whistling: :D
    Maßnahme bei A: Absaugbereitschaft herstellen und Absaugen. Den Esmarsch-Griff würde ich erst nach dem Absaugen anwenden.
    Mßnahme bei B: Wie ist die Sättigung? Die Patientin ist zwar nicht zyanotisch, dennoch würde ich hier direkt ein Pulsoxy anlegen. Ergab die Auskultation irgendwelche auffälligen Atemgeräusche? Ich würde mal 15l O2 geben, um zu schauen, ob sich damit eine Verbesserung in der Atmung einstellt und auch eine bessere oxygenierung (Diffusion) stattfindet (also mehr O2 ins Blut gelangt)
    Maßnahme bei C: Können wir den Radialispuls tasten => RR min. 60-80 systolisch. Wie ist der Puls(Schnell, langsam, rhythmisch, arrhythmisch, gut/schlecht tastbar?)? Wie ist der RR? Dann hätte ich gerne min. ein 4-Kanal-EKG.
    Maßnahme bei D: wie ist der BZ? Pupillen sind ja soweit, bis auf die verzögerte/verlangsamte Reaktion auf Licht nicht weiter auffällig. Sind sonstige neurologische Auffälligkeiten zu erkennen? Die Patientin hat einen erhöhten Muskeltonus: sind irgendwelche Probleme mit den Muskeln in letzter Zeit aufgetreten?

    Ihr versucht mit einem Absaugkatheter Sekret aus dem Mundraum abzusaugen, mangels Mundöffnung gelingt dies aber nicht besonders gut. Der Esmarch-Handgriff führt aufgrund des hohen Muskeltonus nicht zum gewünschten Erfolg. Mit einem 2. Kissen könnt ihr den Oberkörper leicht erhöht lagern, eine wirkliche Änderung der Symptomatik bringt das nicht mit sich.

    • Spo2: 89% bei Raumlauf
    • BZ: 142mg/dl
    • HF: 110/min
    • RR: maschinelle Messung aufgrund der nicht durchbrechbaren Beugung im Ellenbogen nicht erfolgreich, palpatorisch 160mmHg
    • 4-Kanal-EKG: tachykarder Sinusrhythmus, Steiltyp, normale Leitungszeiten, in den dargestellten Ableitungen keine ERBS
    • Temperatur tympanal: 37,1°C


    Außer der bisherigen Anamnese ist nichts weiter bekannt, besonders gut scheint der Ehemann über seine Frau auch nicht Bescheid zu wissen.
    Ihr verabreicht 15l O2 per Maske, worunter die Sättigung zügig auf 98% ansteigt. Parallel werden Guedel-Tubus, Beatmungsbeutel und Intubationstasche bereit gelegt.
    Welche weitergehenden (neurologischen) Untersuchungen müssen/sollen noch erfolgen?

    Wie sieht die weitere Therapie aus? Benzodiazpingabe in Notkompetenz/NotSan-Algorithmen? Oder wartet ihr auf den Notarzt? Per MAD oder erst einen Zugang?
    Standard nicht Standart :evil:
  • ff-hamburg schrieb:

    Ihr verabreicht 15l O2 per Maske, worunter die Sättigung zügig auf 98% ansteigt. Parallel werden Guedel-Tubus, Beatmungsbeutel und Intubationstasche bereit gelegt.
    Naja...wir sprachen ja noch von Intubation. Wobei wir das wie uns die Patientin aktuell beschrieben wird glaube ich zur Zeit gepflegt knicken können.
    Wenn man den Mund noch nicht einmal weit genug aufbekommt, um vernünftig absaugen zu können, muss man für einen Intubationsversuch schon grenzenloser Optimist sein...
    Ohne vorherige Durchbrechung des erhöhten Muskeltonus/Krampfes wird man da keinen Blumentopf gewinnen können.

    ff-hamburg schrieb:

    Benzodiazpingabe in Notkompetenz/NotSan-Algorithmen? Oder wartet ihr auf den Notarzt? Per MAD oder erst einen Zugang?
    Das mit der Notkompetenz ist eine sehr gute Frage. Ich denke, da kann es verschiedene Meinungen geben, von denen keine eindeutig richtig oder falsch wäre.

    Die Patientin hat sich glücklicherweise unter Sauerstoffgabe mit der Sättigung normalisiert, so dass erst einmal keine hochakute Situation vorliegt.
    Fakt ist, dass wir die Atmung unterstützen müssen, wenn die Dame ateminsuffizient wird. Fakt ist aber auch, dass das ohne vorherige Krampflösung (Benzos, falls das nicht funktioniert sogar mittels Relaxierung) nicht nicht möglich sein wird.

    Solange sie sich auf diesem Niveau stabil hält, würde ich auf den NA warten, sobald die Atmung oder die Gesamtsituation schlechter wird, würde ich eine eindeutige Notkompetenz-Situation sehen. Ob jetzt schon Notkompetenz zwingend erforderlich ist...darüber kann man diskutieren.
    Man muss nämlich beachten, dass wir ja noch gar nicht wissen, ob die Benzos unser Problem lösen werden. Wenn es dazu kommt, dass unsere Patientin durch die Benzos ateminsuffizient wird, aber bei persistierendem Muskeltonus nicht intubiert werden kann, hat man als RA ein großes Problem, wenn die Indikation zur Notkompetenz nicht eindeutig war.

    MAD ist ja immer Plan B, wenn der iv.-Zugang nicht funktioniert. Ich würde die Zeit nutzen, einen sicheren venösen Zugang, vielleicht auch 2, zu etablieren. Falls das scheitert, kann man immer noch über MAD diskutieren.

    Moderator || Benutzerbetreuung BOS
  • Meine aktuelle Arbeitsdiagnose: Wir haben es hier mit einem Krampfgeschehen zu tun. Eine Blutung schließe ich aktuell aus, einfach da mir nicht bekannt ist das es keine Pupillendifferenz gibt bei Bewusstlosen dessen Ursache eine ICB ist.
    Eine Meningitis würde ich aufgrund der Temperatur ausschließen.

    Möglichkeiten die für den Krampf Ursächlich sein können ist der Alkoholkonsum, durch ehöhten Konsum sind ja lokale Krämpfe z.B. in den Waden möglich - haben diese denn auch die Chance ein Ereigniss wie hier vorliegend zu verursachen? Wenn ja - sollten wir Vorsichtig sein mit der Gabe von Benzos.
    Auf der anderen Seite könnte auch ein Entzug die Ursache sein.

    Wichtig ist aber in meinen Augen eine frühe Krampfdurchbrechung da es defintiv ja kein Gesunder Zustand ist. Haben wir denn einen starken Alkoholgeruch im Atem?
    Schenkt euch Liebe
  • Notruf-112 schrieb:

    Eine Blutung schließe ich aktuell aus, einfach da mir nicht bekannt ist das es keine Pupillendifferenz gibt bei Bewusstlosen dessen Ursache eine ICB ist.
    Eine Isokorie schließt eine intracranielle Blutung keinesfalls aus. Die Pupillendifferenz entsteht dadurch, dass der Nerv, der die Pupillenmuskulatur versorgt (der N. oculomotorius) bei einseitig erhöhtem Hirndruck gequetscht wird, seine Funktion verliert und sich die gleichseitige Pupille dadurch weitstellt.
    Bei einer Hirnblutung muss aber nicht zwingend erhöhter Hirndruck vorliegen.
    Eine kleinere Blutung kann sehr wohl bei isokoren Pupillen einen Krampfanfall hervorrufen. Daher wird bei jedem unklaren Krampfanfall...insbesondere jedem Erstereignis ein CCT zum Ausschluss einer Blutung, eines Tumors oder einer sonstigen Pathologie des Gehirns veranlasst.

    Notruf-112 schrieb:

    Möglichkeiten die für den Krampf Ursächlich sein können ist der Alkoholkonsum, durch ehöhten Konsum sind ja lokale Krämpfe z.B. in den Waden möglich
    Wobei der (epileptische) Krampfanfall rein gar nichts mit dem "Wadenkrampf" zu tun hat. Muskelkrämpfe entstehen meist durch Elektrolytstörungen, oftmals Magnesiummangel, z.B. nach sportlicher Überbelastung oder auch Alkoholkonsum.
    Ein (epileptischer) Krampfanfall ist quasi eine "Hirnrhythmusstörung", bei dem die Nervenzellen des Gehirns anfallsartig unkontrolliert Impulse feuern. Betrifft das den motorischen Kortex entstehen dadurch unkontrollierte Muskelkrämpfe ("tonisch") und -zuckungen ("klonisch").

    Es gibt die primäre Epilepsie (als eigene Krankheit), bei der Krampfanfälle ohne besondere Ursachen entstehen können.
    Davon abzugrenzen sind Krampfanfälle, die quasi Symptom für eine andere Erkrankung oder Störung sind. Häufige Auslöser für Krampfanfälle sind: Hypoglykämie, Alkohol-/Drogenentzug, Fieber (insbesondere bei Kindern der "Fieberkrampf"), Hirnblutung, Hirntumor, Meningitis/Enzephalitis oder ein Zustand nach einer Gehirnoperation.

    Moderator || Benutzerbetreuung BOS
  • Notruf-112 schrieb:

    Meine aktuelle Arbeitsdiagnose: Wir haben es hier mit einem Krampfgeschehen zu tun. Eine Blutung schließe ich aktuell aus, einfach da mir nicht bekannt ist das es keine Pupillendifferenz gibt bei Bewusstlosen dessen Ursache eine ICB ist.
    Eine Meningitis würde ich aufgrund der Temperatur ausschließen.

    Möglichkeiten die für den Krampf Ursächlich sein können ist der Alkoholkonsum, durch ehöhten Konsum sind ja lokale Krämpfe z.B. in den Waden möglich - haben diese denn auch die Chance ein Ereigniss wie hier vorliegend zu verursachen? Wenn ja - sollten wir Vorsichtig sein mit der Gabe von Benzos.
    Auf der anderen Seite könnte auch ein Entzug die Ursache sein.

    Wichtig ist aber in meinen Augen eine frühe Krampfdurchbrechung da es defintiv ja kein Gesunder Zustand ist. Haben wir denn einen starken Alkoholgeruch im Atem?
    Ein bisschen Hintergrund: Eine ICB muss nicht zwangsläufig mit einer Anisokorie einhergehen, das ist auch wenn ein sehr spätes Symptom bei fulminantem Hirndruck. Ebenso ist bei einer Pupillendifferenz ohne Vigilanzminderung eine ICB eher nicht die Ursache.

    Eine virale Meningitis geht eher mit subfebrilen Temperaturen einher und kann ebenfalls, wenn auch seltener, eine fulminante Klinik verursachen. Die gefährliche Meningokokkenmeningitis kann man hier aber tatsächlich ziemlich sicher ausschließen.

    Grundsätzlich können sowohl die starke Alkoholintoxikation als auch der Entzug zu schweren Krampfanfällen führen, ebenso wie der chronische Alkoholabusus das Risiko für eine Epilepsie massiv steigert.

    Zum Fallbeispiel: Die Patientin riecht nicht auf Distanz nach Alkohol, wobei die Beurteilung in diesem Zustand natürlich schwierig ist.

    George schrieb:

    Wir haben ja den Ehemann zu Seite. Den können wir einfach nach dem Alkoholkonsum der letzten Tage befragen. "Normmal" weitergetrunken um den Pegel zu halten? Oder hat sich seine Frau an einem Entzug probiert und krampft aufgrund von diesem?
    Der Mann kann dazu keine validen Angaben machen. Er hätte in letzter Zeit oft 2-3 leere Rotweinflaschen gefunden und seine Frau wäre öfter angetrunken, wenn er abends nach hause kommt. Aber sie würde sich auf keinen Fall jeden Tag betrinken. Wann und ob sie in den letzten Tagen getrunken hat kann er nicht beantworten.

    Ich mache jetzt einfach mal weiter, ein klares Ja zu eigenverantwortlichen Maßnahmen kann ich nicht erkennen. Ihr legt daher 2 periphere Zugänge, die gut laufen und wartet auf das NEF.
    Der eintreffende Notarzt verabreicht fraktioniert insgesamt 10mg Midazolam i.v., wodurch der Muskeltonus durchbrochen wird. Die Patientin liegt nun schlaff im Bett, der Mund lässt sich öffnen, ansonsten ist die Situation unverändert.
    Wie soll es weiter gehen?
    Standard nicht Standart :evil:
  • Erstmal Basismaßnahmen und Re-Evaluation ABCDE:
    Atemwege freimachen (Esmarch, ggf. Güdel) ggf. Absaugen wenn erforderlich, AF bestimmen und ausreichende Oxygenierung sichern, ggf. weiter O2-Gabe und nochmals Kreislaufparameter bestimmen.

    Atmet die Patientin denn überhaupt noch spontan? 10 mg Dormicum ist ein ziemliches Brett ... würde mich nicht wundern, wenn die Dame daraufhin beleidigt die Atmung komplett einstellen würde...

    Moderator || Benutzerbetreuung BOS
  • ff-hamburg schrieb:

    Ein bisschen Hintergrund: Eine ICB muss nicht zwangsläufig mit einer Anisokorie einhergehen, das ist auch wenn ein sehr spätes Symptom bei fulminantem Hirndruck
    Ich hab nicht an kleinere Blutungen gedacht, als ich den Text verfasste.

    Ansonsten würde ich wie über mir Verfahren um dann zu sehen ob ich Atemtechnisch noch was machen muss oder ob man los fahren kann
    Schenkt euch Liebe
  • Entschuldigt die späte Antwort, habe das FB in der Klausurenphase glatt vergessen..

    Also, das Re-Assesment:

    • A: weiterhin Zungengrundverlegung in Rückenlage, durch Esmarch-Handgriff behebbar. Mundraum nun einsehbar, Zungenbiss, geringe Mengen Blut und Sekret, die sich problemlos absaugen lassen
    • B: AF: 15/min mit unregelmäßigem Atemmuster, insgesamt wirkt die Atmung aber ruhiger. SpO2 97% unter Sauerstofftherapie. Lunge weiterhin VAG beidseits.
    • C: HF 100/min, RR 165/110, Pulse peripher rhythmisch und gut tastbar, Recap <2 sek.
    • D: GCS 8-9 (2-3, 2, 5), herabgesetzter Muskeltonus, Pupillen isokor mit bds. träger Lichtreaktion, kein Nystagmus mehr. Die Vigilanz wechselt zwischen soporös und wacheren Phasen, in denen die Patientin aber nicht kontaktierbar ist und repetetiv an der Decke herumnestelt.
    • E: -


    Wie wollt ihr weiter vorgehen? Atemwegssicherung ja oder nein? In der Wohnung oder erst im RTW? Die Patienten muss im Tragetuch über 3 Stockwerke durch ein enges Treppenhaus verbracht werden.
    Welche Zielklinik und welche Verdachtsdiagnose habt ihr?
    Standard nicht Standart :evil: