Krampfanfall Alarm für RTW 1

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  • Krampfanfall Alarm für RTW 1

    Alarmiert werdet ihr als RTW gegen 12 Uhr Mittags mit dem Stichwort "Krampfanfall Erwachsener, anhaltend" in ein Dorf ca. 6 Minuten von der Rettungswache entfernt.

    Eure Besatzung besteht aus einem Rettungsassistenten, einem Notfallsanitäter und einem Auszubildenden zum Notfallsanitäter.

    Alarmiert sind ein RTW und ein NEF, beide starten von derselben Wache.

    Kurz vor der Einsatzstelle macht ein Angehöriger der Patientin auf der Straße winkend auf sich aufmerksam und zeigt euch, wo sich die genaue Einsatzstelle befindet.

    Da das NEF den Arzt in der Klinik aufnehmen muss, hat der RTW ca. 4 Minuten Vorsprung.

    Ihr betretet die Wohnung und erblickt, entgegen der Meldung durch die Leitstelle, ein Kleinkind auf einem Sofa liegend, deutlich zyanotisch und mit schweißiger Kleidung, bewußtlos.

    Während der Praktikant zum RTW spurtet und die Kindernotfalltasche holt, beginnt ihr mit dem Assessment:

    Szene, Sicherheit, Situation:

    Die Einsatzstelle ist sicher und es handelt sich um eine Wohnung in guter Lage.

    Vor Ort befinden sich die Eltern des Kindes, welche auch Auskunft geben können.

    Die Patientin selbst ist 4 Jahre alt und hat wohl seit dem Morgen einen fieberhaften Infekt.
    Das Kind ist deutlich zyanotisch und reagiert nicht auf seine Umgebung.

    A: nicht beurteilbar, Mund des Kindes lässt sich nicht öffnen, jedoch deutlicher Austritt von Speichel an den Mundwinkeln. Bei Inspiration schlürfendes, angestrengtes Atemgeräusch.

    B: AF um 35/min, unregelmäßig.
    Auskultatorisch bds. vesikuläres AG, SpO unter Raumluft bei 87%.
    Thoraxexkursion seitengleich, keine intercostalen oder epigastrischen Einziehungen, deutl. ausgeprägte periphere und zentrale Zyanose.

    Maßnahmen: hochdosierte O2-Gabe, Bereitlegen eines Beatmungsbeutels.



    C: Recap zentral um 4s, periphere Pulse schwach und fadenförmig tastbar, Frequenz um 180/min.
    Haut sehr warm, trocken.

    D: bewusstloses Kind, nicht auf Schmerzreiz erweckbar, sehr ausgeprägte Streckung der Extremitäten, Nystagmus.

    E: kritische Patientin, keine weiteren Auffälligkeiten in der Umgebung.

    Laut Eltern hätte das Kind plötzlich die "Augen verdreht" und sei dann nicht mehr kontaktierbar gewesen.

    Daraufhin erfolgte die Alarmierung des Rettungsdienstes.

    Unter Sauerstoffgabe geht die Zyanose leicht zurück, der Zustand des Kindes ändert sich jedoch nicht.

    Welche Maßnahmen ergreift ihr als nächstes?

    Welche Arbeitsdiagnose steht hier im Raum?

    Welche Fragen stellt ihr den Eltern?

    Wie sieht das weitere Management aus?
  • Ich würde dauerhaft auf A achten, um soweit möglich hier eine Verschlechterung zu verhindern. (Ist absaugen des Speichels möglich?)

    Dann möchte ich rasch eine aktuelle Temperatur haben, um Ursachen zu ermittlen und diesen entgegen wirken zu können.

    Basis-Monitoring.

    SAMPLER mit den Eltern durchführen.
    Gott zur Ehr, dem nächsten zur Wehr
  • Einsatzleiter 911 schrieb:

    Welche Maßnahmen ergreift ihr als nächstes?
    Auf jeden Fall Temperatur messen, wenn möglich, RR messen und ein EKG kleben.


    Einsatzleiter 911 schrieb:

    Welche Arbeitsdiagnose steht hier im Raum?
    Auf Grund der Aussage, dass das Kind einen fiebrigen Infekt hat, würde ich in erster Linie von einem sehr stark ausgepräkten Fieberkrampf ausgehen. Kann natürlich auch eine andere Ursache haben, aber als erster Anhaltspunkt für die ersten Maßnahmen.

    Einsatzleiter 911 schrieb:

    Welche Fragen stellt ihr den Eltern?
    Nach SAMPLE-Schema:
    S: Hatte die Tochter vor dem Anfall irgendwelche Symptome wie starker Temperaturanstieg oder -abfall (in Verbindung mit unserem Ergebnis beurteilen), gab es sonstige Auffälligkeiten, die das Kind evtl. geäußert hat (nicht mehr richtig sehen), wie war die Sprache im vergleich zu normal (Ausschluss anderer neurologischer Erkrankungen). Seit wann sind die Symptome des Infektes vorhanden?
    A: Sind Allergien bei der Tochter bekannt? Hat sie evtl. was falsches gegessen?
    M: hat die Tochter irgendwelche Medikamente, die die Eltern ihr geben müssen?
    P: Hatte die Tochter schonmal einen Krampfanfall? Vllt. auch in Verbindung mit einem Infekt?
    E: Waren die Eltern mit ihrer Tochter schon beim (Kinder) Arzt wegen des Infektes?


    Einsatzleiter 911 schrieb:

    Wie sieht das weitere Management aus?
    Sauerstoffgabe, am besten über Maske und mit min. 6 Liter pro Minute, um die Sättigung hochzubekommen.
    Was für ein EKG haben wir denn? Hat das die Möglichkeit zur Capnographie über die normale Maske? Wir können schon einmal einen periphervenösen Zugang vorbereiten (aus dem Kinderrucksack)
    Krampft die Tochter noch? wenn ja, evtl. Diazepam rectiolen vorbereiten, das bei Eintreffen Notarzt direkt mit der Medikamentengabe begonnen werden kann.


    110-Jungs die man ruft - 112-Männer die auch kommen!
  • Ich würde deinen SAMPLER gerne noch etwas erweitern.

    M: was für Medikamente hat das Kind bereits bekommen (wenn es bek. Fieber hat ist es ja gut möglich, das eine Medikation schon vorliegt)
    P: generelle Vorerkrankungen, defizite in der Entwicklung.
    R: irgendwelche (Erb)Krankenheiten in der gesamten Familie bekannt.

    Ich würde einfach mal statt Diazepam/Benzos einfach mal Paracetamol in den Raum werfen. Wenn es tatsächlich ein Fieberkrampf ist, sollten wir die Ursache für das Symptom "Krampf" beheben?
    Gott zur Ehr, dem nächsten zur Wehr
  • Flo. NF schrieb:

    Diazepam/Benzos einfach mal Paracetamol
    Da würde ich jetzt nicht Disskutieren wollen, da ich als (aktuell noch) Rettungshelfer nur die grobe Medikamentengabe bei Krampfanfall kenne, und da fiel mir halt Diazepam ein.
    Das mit den Medikamenten hatte ich eigentlich mit einbezogen - also ob Medikamte weshalb auch immer genommen werden.


    110-Jungs die man ruft - 112-Männer die auch kommen!
  • Boaahhh... das geht mir hier alles ein bisschen durcheinander. Je kränker oder bedrohter ein Patient ist, desto strukturierter muss man vorgehen.

    Also...nach PALS-Kriterien ist das Vorgehen bei einem kritisch erkrankten Kind folgendermaßen:

    1. Ersteindruck: Beurteilung von Bewusstsein, Atmung und Haut
    --> Kind ist bewußtlos, zyanotisch, schweißig
    --> zunächst einmal Annahme eines potentiell lebensgefährlichen Zustandes

    2. Primäruntersuchung: A B C D E - Schema
    --> ERST wenn dies abgearbeitet und gesichert ist:

    3. Sekundäruntersuchung: S A M P L E und weiterführende Diagnostik



    Wir sind zwar das ABCDE-Schema einmal durchgegangen...sind aber weit davon entfernt dies abgearbeitet zu haben.
    Wir haben hier ein A-Problem und/oder ein B-Problem, definitiv ein C-Problem (Tachykardie, Zentralisierung bei Recap > 4 s) und ein D-Problem (Bewußtlosigkeit, Strecksynergismen, möglicherweise Krampfanfall, Nystagmus).

    Daher sind zur Zeit alle Fragen bzgl. der letzten Mahlzeit oder möglichen Erberkrankungen in der Familie völlig irrelevant.

    Zunächst:
    - muss der Atemweg gesichert werden
    - muss eine ausreichende Oxygenierung sichergestellt sein
    - muss der Kreislauf stabilisiert sein

    ...dann können wir uns Gedanken darüber machen, warum unsere Patientin in diesem schlechten Zustand ist.

    Also:

    - Versuch Atemwege zu öffnen (Kopf in Neutralposition, ggf. Versuch Esmarch-Handgriff)
    - sollte dies aufgrund zu hohem Muskeltonus nicht gelingen, müssen wir von einem tonischen (offenbar nicht klonischem) Krampfgeschehen ausgehen, so dass der nächste Schritt die medikamentöse Krampfunterbrechung mit einer Diazepam Rectiole (5mg < 15 kg, 10 mg > 15kg) wäre.
    - sobald möglich Unterstützung der Ventilation mit Beutel-Maskenbeatmung, ggf.mit Güdel
    - parallel Kreislaufunterstützung mit i.v./i.o.-Zugang und Gabe eines Flüssigkeitsbolus einer Vollelektrolytlösung (20ml/kg).

    Dann Reevaluation, wie die Patientin auf die Maßnahmen reagiert

    Moderator || Benutzerbetreuung BOS
  • Einsatzleiter 911 schrieb:


    Unter Sauerstoffgabe geht die Zyanose leicht zurück, der Zustand des Kindes ändert sich jedoch nicht.
    Ich glaube, die meisten hier sind davon ausgegangen, dass der Basischeck bereits erfolgt ist, da wir ja schon O2 im Einsatz haben.

    Beutel und Guedel kämen wie @Dr.Green geschrieben hat zum Einsatz, sobald das Krampfgeschehen beherrscht ist. Muss beim Diazepam auf den NA gewartet werden? Gib es eigentlich eine Möglichkeit den Atemweg auch bei verkrampften Kiefer zu Sichern? Würde es ein Wendl-Tubus bringen?
    Projekt Emergency Dortmund - Bundeswehr-Mod - Norwegen Beta - CaribeanIsleMod

  • Dr. Green schrieb:

    Versuch Atemwege zu öffnen (Kopf in Neutralposition, ggf. Versuch Esmarch-Handgriff

    Einsatzleiter 911 schrieb:

    Mund des Kindes lässt sich nicht öffnen

    Vieles wurde schon im ersten Beitrag als Einstieg gegeben. Daher sind wir direkt zu den Maßnahmen, die sich aus dem Check ergeben sollten, gegangen. Wenn was vergessen wurde - ok, besser es passiert in einem solchen Beispiel als in der Realität.


    110-Jungs die man ruft - 112-Männer die auch kommen!
  • Nach dem ersten Assessment steht die Arbeitsdiagnose "anhaltender Krampfanfall" im Raum, dieser äußert sich in der Kiefersperre, dem Nystagmus und dem Strecken der Extremitäten des Kindes.
    Laut Eltern wiegt das Kind etwa 17kg.
    Gemäß SOP verabreicht ihr dem Kind eine Diazepam-Rektiole mit 10mg Diazepam.
    Ca. 2min nach Verabreichen der Rektiole sisitiert der Krampfanfall und das Kind bleibt bewusstlos.

    Das NEF ist mittlerweile eingetroffen und die Crew bekommt eine kurze Übergabe durch die RTW-Besatzung; aufgrund der Zustandsänderung erfolgt eine erneute Beurteilung:

    A: leicht schnarchend, leichtes Vorziehen des Unterkiefers mittels Esmarch-Handgriff behebt dieses Problem. Der Kiefer ist locker, der Atemweg ist frei.
    Maßnahme: Esmarch-Handgriff unter gleichzeitigem Dichtsetzem der HigFlow-Maske

    B: SpO2-Anstieg auf 99% unter hochdosierter Sauerstoffgabe. AF um 32/min, regelmäßig. Auskultatorisch beidseits vesikuläres Atemgeräusch.

    C: Rekap verzögert, um 4s, Haut warm und trocken, bei wie im Erstbefund beschrieben durchgeschwitzter Kleidung. Brachialispulse sowie Radialispulse schwach, fadenförmig und tachykard tastbar, pulsoxymetrisch wird euch eine HF von 180/min angezeigt.
    Maßnahmen: Zugangsversuche peripher, am Handrücken sowie in der Ellenbeuge, zweimal frustran bei nur diskret tastbaren Venen.

    D: bewusstloses Kind, gezielte Schmerzabwehr bei den Punktionsversuchen, Pupillen mittelweit und träge, kein Nystagmus, keine fokalen neurologischen Defizite, kein Meningismus.
    Mit dem Ohrthermometer des RTW messt ihr eine Temperatur von 39,8° C.

    E: Die Entkleidung des Kindes liefert keine weiteren Informationen, die Haut ist ohne pathologischen Befund, Verletzungen sind keine feststellbar.

    S: Unklarer Krampfanfall

    O: Das Kind habe kurz geschrien und sei dann gestreckt auf der Couch gelegen, nicht ansprechbar.

    P: entfällt

    Q: entfällt

    R: entfällt

    S: entfällt

    T: heut den Tag über alles unauffällig.

    A: keine Allergien

    M: keine Medikamente

    P: keine medizinische Vorgeschichte, Geburt in der 39. SSW, ohne Komplikationen. Impfstatus und Vorsorgeuntersuchungen alle dokumentiert, keine Auffälligkeiten

    L: Frühstück mit den Eltern, Harn und Stuhlverhalten normal, keine Durchfälle, kein Erbrechen, leichte Appetitlosigkeit

    E: Kind habe gespielt, ein leichter, bisher fieberloser Infekt der oberen Atemwege habe sich angebahnt.

    R: Kein Nikotin/Alkohol bei den Eltern, in der Familie Mütterlicherseits vorbestehendes Krampfleiden

    Ihr entschließt euch, das Kind in den RTW zu bringen und lasst parallel durch das nicht gebundene Personal das Kinderrückhaltesystem auf der Trage richten.
    Beim Transport in den RTW fällt euch auf, dass der rechte Arm des nach wie vor bewusstlosen Kindes in einer gestreckten Position verharrt, die sich auch nicht "biegen" lässt.
    Im RTW angekommen, fängt das Kind an, zu schmatzen, der rechte Arm bleibt gestreckt.
    Das nun komplettierte EKG-Monitoring zeigt euch eine SpO2 von 98% unter der hochdosierten O2-Gabe und eine regelmäßige Schmalkomplextachykardie mit einer Frequenz von 210/min, Vorhofaktivität ist keine zu erkennen.
    Im RTW selbst wurde als Backup für einen weiteren, frustranen Zugangsversuch ein IO-Zugang gerichtet, ein EZ-IO-System steht hier zur Verfügung.

    Welche Schritte führt ihr nun weiter durch?
    Welche Zielklinik wird avisiert?
    Wie lautet die Verdachtsdiagnose nun?
  • Einsatzleiter 911 schrieb:

    regelmäßige Schmalkomplextachykardie mit einer Frequenz von 210/min, Vorhofaktivität ist keine zu erkennen.
    So wie du das EKG beschreibst, liegt hier eine SVT vor.

    Wie dringend die behandlungsbedürftig ist, hängt unter anderem von RR ab.

    Hab ich das irgendwo überlesen...oder wurde der RR noch nicht gemessen? Wenn nicht, bitte dringendst nachholen...

    Moderator || Benutzerbetreuung BOS
  • Willst du hier eigentlich ein Fallbeispiel machen oder eine Geschichte erzählen? Wenn du den ganzen Ablauf in deinen Beiträgen vorgibst kann sich hier eigentlich nichts vernünftiges entwickeln.

    Eine Tachykardie um 180-210 ist bei einem 4-jährigen Kind in meinen Augen nicht akut behandlungswürdig und würde diese hier als Symptom und nicht als Ursache einordnen.

    Das Kind hat fast 40° Fieber und hat einen Krampfanfall. Von daher würde ich an dieser Stelle das Fieber mittels 250mg Paracetamol als Zäpfchen senken.
    Die anhaltende Bewusstlosigkeit, die spastische Tonuserhöhung und das Schmatzen sehe ich am ehesten als Symptome eines anhaltenden komplex-fokalen Krampfanfalls.

    Daher würde ich die Therapie eskalieren und auf ein i.v.-Benzodiazepin umsteigen, z.B. Lorazepam oder Clonazepam i.v., alternativ auch Midazolam wenn nichts anderes da ist.

    Einsatzleiter 911 schrieb:

    C: Rekap verzögert, um 4s, Haut warm und trocken, bei wie im Erstbefund beschrieben durchgeschwitzter Kleidung. Brachialispulse sowie Radialispulse schwach, fadenförmig und tachykard tastbar, pulsoxymetrisch wird euch eine HF von 180/min angezeigt.
    Das passt nicht unbedingt ins Bild eines normalen Fieberkrampfes oder gar einer primären Epilepsie, das Kind scheint neben dem D-Problem auch ein akutes C-Problem zu haben.
    Über den i.o.-Zugang würde ich daher parallel 350ml Vollelektrolytlösung als Bolus geben. Der RR wenn möglich ergänzend messen, die ReCap-Zeit zeigt aber bereits einen zentralisierten Kreislauf an. Eventuell eine rapide entwickelte Sepsis?
    Einen wirklichen Anhalt für eine Meningitis haben wir ja nicht, können wir die Haut und Schleimhäute bitte auf Petechien untersuchen?

    Perspektivisch brauchen wir ein Haus der pädiatrischen Maximalversorgung mit Intensivstation und Neuropädiatrie, wie weit ist das weg? Grundsätzlich würde ich bei anhaltender Bewusstlosigkeit eine invasive Atemwegssicherung diskutieren wollen
    Standard nicht Standart :evil:
  • Da haben wir ja unser C-Problem. Vollelektrolytlösung wäre in der Tat das Mittel der Wahl. Ich würde aufgrund der vorliegenden Symptomen auf eine Meningokokkensepsis schließen.

    Könntest du alle Werte bis jetzt nochmal untereinanderschreiben?

    Haben wir einen Meningismus vorliegen? Da das Kind ja nicht tief bewusstlos ist, müsste es ja noch dauf den Test reagieren.
    Projekt Emergency Dortmund - Bundeswehr-Mod - Norwegen Beta - CaribeanIsleMod

  • ff-hamburg schrieb:

    Eine Tachykardie um 180-210 ist bei einem 4-jährigen Kind in meinen Augen nicht akut behandlungswürdig und würde diese hier als Symptom und nicht als Ursache einordnen.
    Grundsätzlich bin ich da bei dir. Meine Tendenz ging auch von Anfang an Richtung Sepsis (ob jetzt durch Meningokokken oder nicht ist zum jetzigen Zeitpunkt spekulativ und bringt uns nicht weiter) mit einem Krampfanfall als Komplikation. Und auch ich würde hier eine symptomatische Tachykardie geradezu erwarten.

    Jedoch ist die symptomatische Tachykardie in aller Regel eine Sinustachykardie und bleibt bei Kindern normalerweise unter 180/min (bei Säuglingen < 220/min).

    So wie das hier beschrieben wird, ist aber keine P-Welle erkennbar und die Frequenz liegt mit 210/min für ein 4jähriges Kind eigentlich deutlich zu hoch für eine symptomatische Sinustachykardie.
    Nach der Beschreibung müssen wir eigentlich von einer SVT ausgehen, wobei ich noch nicht so ganz genau weiß, wo die herkommen soll... möglicherweise eine Elektrolytentgleisung??

    So ganz blicke ich durch den Fall auch noch nicht durch, da er widersprüchliche Symptome enthält:

    - die Haut wird als warm beschrieben (warme Phase des septischen Schocks, periphere Vasodilatation), die Recap-Zeit sei aber mit 4 s verlängert (entspräche einer Zentralisation, also der kalten Phase der Sepsis, periphere Vasokonstriktion)
    - die Haut wird als trocken beschrieben, die Kleidung ist aber durchgeschwitzt ...

    Zumindest der Blutdruck liegt mit 80/40 zur Zeit gerade noch im tolerablen Bereich für ein 4jähriges Kind (Hypotonie= RR (sys) < 70mmHg + Lebensalter x 2).

    fresh freddie schrieb:

    Haben wir einen Meningismus vorliegen?


    Da das Kind ja nicht tief bewusstlos ist, müsste es ja noch dauf den Test reagieren.
    siehe Beitrag Nr. 10, unter D: kein Meningismus

    Ich würde den GCS hier auf etwa 6 schätzen (1+1+4), also schon eine relativ tiefe Bewußtlosigkeit.

    Ein fehlender Meningismus schließt aber insbesondere bei Kindern und Greisen eine Meningitis sicherlich nicht aus, da die charakteristische Muskelspannung altersbedingt oftmals gar nicht aufgebaut werden kann.

    Moderator || Benutzerbetreuung BOS
  • Ich freue mich sehr, dass dieser sehr interessante Fall heute doch noch zu einer Auflösung kommt:

    Einsatzleiter 911 schrieb:

    Nach den zwei frustranen Punktionsversuchen einer peripheren Vene an den Unterarmen des Kindes in der Wohnung erfolgt die Entscheidung, die Patientin in den RTW zu bringen um dort in einer hellen, warmen und sicheren Umgebung weitere Maßnahmen durchzuführen.
    Die hohe Herzfrequenz des Kindes von 210/min mit steigender Tendenz legt die Vermutung nahe, das zusätzlich ein absoluter Volumenbedarf besteht.
    Ihr entscheidet euch, einen intraossären Zugang an der rechten proximalen Tibia zu etablieren, hierzu steht ein Bohrer-System zur Verfügung.
    Die Anlage klappt problemlos, nach der Bohrung steigt in der Kanüle direkt Blut nach oben und ein "Flush" mit 10ml NaCl wird vom Kind gut toleriert, etwa nach der Hälfte der NaCl-Applikation bemerkt ihr beim Spritzen einen deutlichen "loss of resistance, der Widerstand am Spritzenkolben lässt fühlbar nach.
    Zur Volumensubstitution entschließt ihr euch, über einen angeschlossenen Dreiwegehahn mittels Perfusorspritze und Heidelberger Verlängerung sehr dosiert Volumenboli zu verabreichen:
    Rechnerisch ergibt sich bei einem Lebensalter des Kindes von 4 Jahren folgendes Körpergewicht:
    (Alter + 4) x 2 = 16kg KG
    Bei einem Volumenbolus von 20ml/kg KG entscheidet ihr euch für Bolusgaben von je 320ml.
    Bereits nach dem ersten Volumenbolus sinkt die HF des Kindes auf Werte um 170/min.
    Bei der Neubeurteilung erhebt ihr folgende Befunde:
    A: frei, durch leichtes Vorziehen des Unterkiefers unmittelbar Verschwinden des schlürfenden Atemgeräusches, dieses Mannöver wird von einem Kollegen seit Ankunft im RTW permanent beibehalten.
    B: beidseits vesikuläres Atemgeräusch, AF nun um 25/min, regelmäßig. Unter hochdosierter Sauerstoffgabe SpO2 bei 99%.
    C: Rekap um 3s, Haut warm und trocken, Pulse peripher nun gut tastbar, HF nach dem ersten VEL-Bolus bei 170/min, Ein zweiter Bolus wird vorbereitet. RRsys bei 80/40mmHg
    D: weiterhin Strecken des rechten Armes, gelegentliches Schmatzen, Nystagmus: Gabe von 0,1 mg/kg KG Midazolam, insgesamt 1,6mg Dormicum i.v., hierunter unmittelbares Durchbrechen des Krampfanfalles.
    Bei einer tympanal gemessenen Temperatur von nun 40,5° C entscheidet ihr euch für die Gabe von Paracetamol i.v., in diesem Falle 15mg/kg KG und somit einer Dosis von 240mg. (Perfalgan)
    E: keine weiteren Auffälligkeiten, Verletzungen oder sonstige Besonderheiten.

    ^^^^Bei der Medikamentendosierung bedient ihr euch des im RTW mitgeführten Kindernotfalllineales, um euch noch einmal rückzuversichern, keine Fehldosierungen vorzunehmen.
    Ca. 12 Minuten nach Antritt der Fahrt in die avisierte Kinderklinik des nächsten Maximalversorgers kommt es erneut zu einer Zustandsänderung:
    Nach der Hälfte des zweiten Volumenbolus wird das Kind zunehmend vigilanter, der Krampfanfall ist durchbrochen und die Patientin fixiert ihre Umgebung und lässt den Blick durch den RTW schweifen.
    Während der Übergabe in der Kinderklinik ist das Kind wieder voll kontaktierbar, interagiert und hat offensichtlich kein neurologisches Defizit.
    Letztendlich hat es sich offensichtlich um einen fieberhaften Infekt mit einhergehendem Volumenmangel und einem komplizierten Fieberkrampf gehandelt, von dem sich die kleine Patientin restlos erholt hat.
    Im Einsatzverlauf hat sich die CRM-Strategie bewährt, auf Nachschlagewerke zurückzugreifen und vorallem alternativen Strategien (IO-Zugang) frühzeitig eine "Chance" zu geben.
    Letztendlich war vermutlich die angemessene, aggressive Volumentherapie zielführend.

    Moderator || Benutzerbetreuung BOS