Alles außer Routine...

  • fresh freddie schrieb:

    Immherhin begründet geraten
    Nee...finde ich total gut. Deswegen machen wir das ja hier.

    Stimmt aber nicht ganz.

    Zunächst einmal liegt das Her nicht da, wo es brasilianische Fußballer bei der Nationalhymne vermuten (sonst könnte man über der linken Schulter einen hervorragenden Puls tasten... :thumbsup: ). Es liegt grundsätzlich in etwa in der Mitte, wobei 1/3 des Herzens die Mittellinie nach rechts und 2/3 links überragen. Man könnte sagen, es liegt etwas mehr links als rechts.

    Mit der Sättigung des Neugeborenen hat das aber nichts zu tun.

    Der Fötus hat ja noch einen anderen Kreislauf, da die Lunge ja noch nicht zur Sauerstoffanreicherung zur Verfügung steht. In diesem Kreislauf gibt es noch den Ductus arteriosus (Botalli), eine Kurzschlussverbindung zwischen Lungenarterie und Aorta. Einfach mal bei google eingeben und sich die Bilder dazu anschauen.

    Dieser Ductus schließt sich nicht unmittelbar nach der Geburt, so dass die linke Körperseite noch venöses Blut aus der Lungenarterie zugemischt bekommt. Die rechte Arteria subclavia liegt noch vor dem Ductus, so dass rechtsseitig rein arterielles Blut fließt. Man spricht auch von präduktal (rechts) und postduktal (links). Die Sättigung liegt logischerweise somit präduktal höher als postduktal.

    Zur Messung der Sättigung ist natürlich das präduktale Blut relevanter, da es auch wesentlich besser die Sättigung wiederspiegelt, die letztendlich am Gehirn ankommt.

    Eine Sättigungsmessung beim Neugeborenen sollte daher immer präduktal an der rechten Hand/am rechten Handgelenk erfolgen.

    Die von euch bestimmte präduktale Sättigung des Neugeborenen liegt bei 60%



    Weiteres Vorgehen?


    Moderator || Benutzerbetreuung BOS
  • Ich würde min. eine Säuglings-O2-Maske an die Sauerstoffflasche anschliesßen und dem Neugeborenen leicht über Mund und Nase halten. Evtl. kann ich auch einen Säuglings-Ambubeutel mittels O2-Reservoir oder Demand-Ventil dem Kleinen die Luft gezielt zuführen. Die Maske wird aber nicht fest auf das Gesicht gepresst, max. leicht aufgelegt.


    110-Jungs die man ruft - 112-Männer die auch kommen!
  • Dr. Green schrieb:

    Zunächst einmal liegt das Her nicht da, wo es brasilianische Fußballer bei der Nationalhymne vermuten (sonst könnte man über der linken Schulter einen hervorragenden Puls tasten... ). Es liegt grundsätzlich in etwa in der Mitte, wobei 1/3 des Herzens die Mittellinie nach rechts und 2/3 links überragen. Man könnte sagen, es liegt etwas mehr links als rechts.
    Okay, soviel Qualifikation hab ich dann doch ;)


    Dr. Green schrieb:


    Dieser Ductus schließt sich nicht unmittelbar nach der Geburt, so dass
    die linke Körperseite noch venöses Blut aus der Lungenarterie zugemischt
    bekommt. Die rechte Arteria subclavia liegt noch vor dem Ductus, so
    dass rechtsseitig rein arterielles Blut fließt. Man spricht auch von
    präduktal (rechts) und postduktal (links). Die Sättigung liegt
    logischerweise somit präduktal höher als postduktal.
    Wusste ich sogar, kam mir aber gar nicht in den Sinn :D Da merkt man mal, wie wenig man sich mit derlei Fällen beschäftigt :dash:
    Projekt Emergency Dortmund - Bundeswehr-Mod - Norwegen Beta - CaribeanIsleMod

  • In den nächsten Minuten beginnt die Sättigung zu steigen. Sie erreicht schließlich 80%. Das Kind wird zunehmend rosig. Der Puls liegt mittlerweile bei 100/min.



    Ihr entschließt euch zum Transport von Mutter und Kind in die nächste gynäkologische Abteilung.

    Wie wollt ihr das Kind transportieren?


    Moderator || Benutzerbetreuung BOS
  • fresh freddie schrieb:

    Mutter liegend mit warm eingepacktem Kind auf dem Arm?
    Genau so würde ich es machen...einfach aus Mangel an Alternativen. Natürlich knallt man dann nicht mit Vollgas und Sondersignal in die Klinik, sondern entsprechend vorsichtig.

    Ich würde das ganze hier mal beenden und bedanke mich bei den Teilnehmern für die konstruktiven Beiträge.

    Als wichtige Elemente würde ich hier sehen:
    - immer Mutterpass zeigen lassen, weil hier mögliche Risiken und Gefahren eruiert werden können
    - realistische Beurteilung, ob man es noch bis in die Klinik schafft, oder eine Hausgeburt unter rettungsdienstlicher Betreuung unvermeidlich ist
    - Schwangere möglichst selbst entscheiden lassen, in welcher Position sie gebären möchte, bei Beckenendlage möglichst Vierfüßlerposition
    - Schulterdystokie als notfallmäßig zu behebende Geburtskomplikation (Stichwort: McRoberts-Manöver)
    - Nach der Geburt Prophylaxe einer atonischen Blutung mit Oxytocin
    - Erstversorgung des Neugeborenen --> siehe Leitlinien des GRC: docplayer.org/docs-images/56/38181342/images/18-0.png
    - Geduld, wenn das Kind nach der Geburt, insbesondere nach schwieriger Geburt Anpassungsstörungen zeigt (Maßnahmen siehe Leitlinien)
    - Pulyoxymetrie beim Neugeborenen präduktal (rechtes Handgelenk) ableiten

    Hoffe, es hat euch ein bisschen Spaß gemacht... ;)

    Moderator || Benutzerbetreuung BOS