Der gelähmte

    • ich tendiere auf eine Zentral entzündliche Erkrankung: Meningitis

      wieso ich der meinung bin : Die häufigsten Erreger einer Meningitis sind Bakterien und Viren, seltener sind auch Pilze oder Parasiten die Ursache. Die Keime werden im Allgemeinen durch Tröpfcheninfektion, also etwa durch Niesen oder Husten, übertragen. Viele Menschen tragen Meningitis-Erreger in sich, ohne an einer Hirnhautentzündung zu erkranken, aber auch bei Nasennebenhöhlen- oder Mittelohrentzündungen. In diesem Fall sind meist Staphylokokken die Erreger.

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    • Jo, vor Ort können wir eben nichts schlussendlich klären.

      Zugang hatten wir bisher vergessen? Der sollte natürlich gelegt werden. Jono geht klar.

      Elektrolytentgleisung mit solch einer ausgeprägten Lähmung, ist schon ungewöhnlich, oder? Hier könnte allerdings die Crux liegen: Der Ehefrau war offenbar ein ähnlicher Zustand bekannt. Könnte sein, dass da ein länger bestehender Mangel entgültig eskaliert ist.
      Projekt Emergency Dortmund - Bundeswehr-Mod - Norwegen Beta - CaribeanIsleMod

    • Das ist ja das, was mich so stutzig macht. Der Pat. scheint seit längerem Zeitraum nun schon Probleme zu haben. Diese waren vorher vielleicht weniger ausgeprägt, aber wenn er nun seit mehreren Tagen nichts gegessen bzw. viel schwerwiegender nichts getrunken hat, gibts natürlich Chaos im Flüssigkeitshaushalt und in der Elektrolytanordnung.

      Ich würde jetzt nochmal einen ungefähren Zeitraum erfragen, nach Infektionen oder Erkrankungen in letzter Zeit (Grippe, Magen-Darm etc.) abklären und aufjedenfall doch langsam richtung RTW schieben. Egal welche Diagnose wir nun hier haben, hier ist doch eine zügige Diagnose per Labor und ggfs. CT / MRT nötig um da entgültig die Ursache zu finden.



      Ich könnte mir hier aber auch noch eine Mischung verschiedener Probleme vorstellen.

      Auch wenn vielleicht nicht die Symptome komplett da sind, eine Meningitis entsprechendem Fieber und diesbezüglich eine Elektrolytstörung durch mangelnde Nahrungsaufnahme und die ganze Kombi an Vorerkrankungen könnte uns natürlich auch ein Internistisches Polytrauma liefern.
      M.F.G Micha

      Ich sage was ich denke, nicht was man hören oder lesen will.
    • Nach kurzer Recherche würde ich sagen, GBS könnte passen. Nur tun können wir vor Ort nicht viel. Also Kreislauf stabil halten und ab in die Klinik. Wie gesagt, wegen der zahlreichen Diff-Diagnosen entweder das Wald-Spital oder den Maximalversorger.

      btw: Its not Lupus! ;)
      Projekt Emergency Dortmund - Bundeswehr-Mod - Norwegen Beta - CaribeanIsleMod

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von fresh freddie ()

    • Darf ich die akademischen Grundsatzdiskussionen vielleicht kurz mit der Frage stören, wie es unserem Patienten geht??

      Sprich...reicht die NIV ihm aus, um ihm seine Situation erträglicher zu machen? Sättigung?

      Wie gesagt...gelöst kriegen wir das ohne Labor und Bildgebung vor Ort wahrscheinlich nicht. Unsere Mission ist, den Patienten zu stabilisieren und zu transportieren.
      Zielklinik? Hmmm...

      Ich würde nochmal ein forciertes Verhör der Gattin vornehmen. Sie soll mal was über vorherige Beschwerden dieser Art berichten...und ob das schon einmal irgendwo in Behandlung gewesen ist. Wenn ja, würde ich meine Segel in diese Richtung setzen.

      Vielleicht gibt es ja sogar alte Arztbriefe??

      Moderator || Benutzerbetreuung BOS
    • Rigor stark positiv. 12 Kanal unauffällig. Zugang + Jonosteril läuft. Unter NIV nur leichte Besserung der Problematik. Aktuelle Vitalwerte - unverändert -. Alte Arztbriefe zum Schlaganfall bestehen, dort allerdings keine wirklich neuen Informationen ausser einer leichten Hemiparese rechts.
      Ehefrau: "Wie ich schon sagte, so schlimm war es noch nie. Mein Mann nimmt seine Medikamente normalerweise regelmäßig ein, er neigt aber zu Magen Darm Infekten, wissen Sie? Dabei erbricht er dann häufig auch. Naja, in Behandlung ist er beim Hausarzt und beim Neurologen. Ins Krankenhaus möchte er allerdings nie."
    • Parese und Fieber passten nicht so wirklich zueinander ... man hätte sich schon sehr was konstruieren müssen. So ergibt es jedoch Sinn...

      Der ausgeprägte Rigor spricht für eine Dekompensation der Parkinson-Erkrankung. Ursache ist am ehesten der fieberhafte Magen-Darm-Infekt ... vermutlich aufgrund einer Störung der L-Dopa Aufnahme im Gastrointestinaltrakt.

      Zur Parkinson-Medikation - sprich L-Dopa- muss man wissen, dass man sie zeitlich ganz exakt einnehmen muss. Wer mal so einen Medi-Plan gesehen hat ... da steht nicht wie bei anderen Medikamenten z.B. 1-1-1, sondern 7 Uhr - 15 Uhr- 23 Uhr. Jegliche Abweichung kann eine sofortige Symptomverschlimmerung bewirken.

      Als Transportziel würde ich die nächste neurologische Abteilung vorschlagen. Die müssten in den nächsten Tagen medikamentös ein bisschen herumhexen, damit unser Patient wieder ein bisschen mobiler wird.

      Moderator || Benutzerbetreuung BOS
    • Neu

      So, verzeiht mir, eine Sache Namens "Arbeit" und "Kurzfristige Dienstplan Änderung" ist mir dazwischen gekommen. :D
      Ich habe mich sehr über die Resonanz in diesem Fall gefreut!

      Was hatte unser Patient?
      Unser Patient hat eine Akinetische Krise durch die in Folge seiner Magen Darm Erkrankung mit Erbrechen und Durchfällen ausgelöste Störung der Resorption und Aufnahme von Medikamenten. (L-Dopa)

      Was ist eine Akinetische Krise?
      Die Akinetische Krise ist eine Lebensbedrohliche Komplikation des Morbus Parkinson. Sie kennzeichnet sich durch eine recht rapide Verschlechterung der üblichen Parkinson Symptome (Verstärkter Rigor ("Zahnrad") , Akinese ( Bradykinese) , Tremor ("Pillendreher") ), begleitend durch eine Dysphagie, Aphasie und Hyperthermie.

      Wodurch entsteht eine Akinetische Krise?
      Mögliche Ursachen für eine Akinetische Krise sind unter anderem ein plötzliches absetzen der L-Dopa Präparate, die Gabe Neuroleptika und Infektionskrankheiten.
      Der genaue Entstehungsmechanismus ist nicht bekannt.

      Wie wird die Akinetische Krise therapiert?
      Da die Patienten in aller Regel große Probleme mit der Atmung haben wird oft eine Invasive Beatmung nötig, also eine Intubation. Die genaue Medikamentöse Therapie möchte ich nicht hier jetzt nicht aufdröseln da diese sich relativ komplex gestaltet. Ein beheben des Auslösenden Faktors sollte nicht vergessen werden. :)

      Ich hoffe das Fallbeispiel hat euch, wenn auch die Diagnose diesmal etwas schwieriger gewesen ist, gefallen, gerne dürft ihr mir ein Feedback hier lassen. Für Kritik und Verbesserungsvorschläge bin ich grundsätzlich offen.

      Lg