Heiß und internistisch

  • Schutzreflexe sind da (GCS 13), Sättigung um die 90... Unser Patient ist noch nicht ganz wieder gesund, jedoch sehe ich keine Indikation für eine präklinische Notfallintubation. Kostet auch nur Zeit.. Jetzt würde ich einen zügigen Transport bevorzugen.

    Wie hoch läuft denn Arterenol??

    Moderator || Benutzerbetreuung BOS
  • Anmeldung für den Schockraum des Maximalversorgers und Transport mit Sonder- und Wegerechten.

    Der Transport verläuft ohne besondere Vorkommnisse.



    Ende des Fallbeispieles!



    Was der Patient hatte: Eine Sepsis durch eine von der Grippe (Influenza) bedingten Pneumonie. Die Pneumonie äußerte sich durch klare Infiltrate durch das Virus und Eiter durch den sekundären Bakterienbefall. Der Zustand verschlechterte sich in der Klinik weiter, sodass er an eine ECMO gebracht werden musste.



    Danke fürs mitspielen! Ich eröffne die Diskussion :)

    Mögliche Diskussionspunkte:
    - Intubation
    - Zielklinik
    - Glucosegabe
    - Mögliche Eigenschutzmaßnahmen
    Projekt Emergency Dortmund - Bundeswehr-Mod - Norwegen Beta - CaribeanIsleMod

  • Ich fand es schön, dass mal eine Sepsis als Gast in dieses Unterforum gefunden hat...sicherlich das präklinisch am häufigste übersehene notfallmedizinische Krankheitsbild. Oftmals kommen diese Patienten (insbesondere wenn sie älter sind) unter der guten alten Floskel "AZ-Verschlechterung" mit einem lustlosen KTW-Gespann in der Klinik an.

    Zu meinem letzter Septiker als NA wurde ich von einem RTW nachalarmiert ... Stichwort "AZ-Verschlechterung" ... ^^
    Ein älterer Herr im Schock, aber völlig ohne Fieber, sogar mit einer leichten Hypothermie (auch das gibts bei einer Sepsis!) Nach weitgehendem Ausschluss anderer Schockursachen blieb fast nur noch die Sepsis übrig, zudem er in der Vergangenheit mal kurz aufgefiebert hatte. Die Ursache konnte ich präklinisch nicht so richtig finden...mir fiel aber auf, dass irgendetwas an ihm relativ übel roch ...

    In der Klinik stellte sich dann eine Fournier-Gangrän, eine nekrotisierende Fasziitis im Genitalbereich, als Ursache heraus. In die Unterwäsche habe ich ihm in seiner Wohnung nicht geschaut...er hat mir auch nicht gesagt, dass da etwas nicht so ganz in Ordnung ist (...darüber spricht man ja auch nicht...!).
    Insgesamt hat mich das ganze schon im Nachhinein geärgert und ich habe daraus gelernt bei V.a. Sepsis eine umfassende körperliche Untersuchung durchzuführen mit der Frage, ob irgendwo Abszesse, Phlegmonen, petechiale Einblutungen usw. sichtbar sind. Desweiteren sollte auf eine Untersuchung des Abdomens, der Lunge, des Herzens (septische Endokarditis --> Herzgeräusch!) sowie ein Test auf Meningismus nicht fehlen.
    Mein Patient ist trotz sofortiger Not-OP in der Klinik noch am Aufnahmetag verstorben. Er hatte das ganze schon ein bisschen in die Länge gezogen ... denn über das "da unten" redet man ja nicht....

    Zum Thema "Glucose"
    ...ist das ein erfundenes Fallbeispiel oder basiert es auf einem realen Fall?
    Ich frage deshalb, weil Septiker in der Regel zu einer Hyperglykämie tendieren. Bei einer Sepsis geht die komplette Stoffwechselregulation aufgrund der Aktivierung einer Vielzahl von Mediatorkaskaden aus dem Ruder. Oftmals resultiert dann daraus eine Hyperglykämie und die Wissenschaft streitet eher darüber, wie aggressiv mal den Zucker für eine möglichst gute Prognose mit Insulin senken sollte. Wen es interessiert:
    ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2738808/

    Insgesamt aber ein, wie man auch merkte, sehr gut laufendes Fallbeispiel. Vielen Dank dafür!

    Moderator || Benutzerbetreuung BOS
  • Ich bedanke mich für die Info mit der Glucose, das war mir nicht bewusst.

    Ebenso vielen Dank für das ausführliche Feedback.

    Das Fallbeispiel ist übrigens erfunden. Bei den Werten habe ich bei einem Vortrag abgekupfert.
    Ansonsten war es mir auch wichtig zu zeigen, dass auch eine Grippe zum Tode führen kann. Das ist uns zwar allen bewusst,
    aber ich dachte mir, so selten wie man das im Dienst erlebt, macht ein Impuls vll. Sinn :)

    Ich selbst bin schon seit bald drei Jahren nicht mehr im Rettungsdienst gefahren und bin etwas eingerostet. Ich hoffe man hat es nicht allzu sehr gemerkt ;)
    Projekt Emergency Dortmund - Bundeswehr-Mod - Norwegen Beta - CaribeanIsleMod

  • Sehr schönes Fallbeispiel,

    auch wenn ich nicht von anfang an mitgeraten habe und als Rettungsdienst Laie mehr als nur einmal mit dem Gesicht hier saß ?(

    Einzigste Frage die ich jetzt noch hätte:
    Wann intubiert man in solchen Fällen und wann sagt man das die Sättigung aufgrund der Kreislaufwerte zu vernachlässigen ist?
    Gibt es da eine Daumen Regel oder sind das Erfahrungswerte?
  • Die Sättigung ist generell erstmal nicht zu vernachlässigen. Sie ist nur bei großer Zentralisation nicht aussagekräftig, da die Durchblutung in den Extremitäten dementsprechend herabgesetzt ist. Als die Sättigung nach dem Arterenol mit dem Blutdruck ebenfalls gestiegen ist, haben wir uns dazu entschieden nur unter Sauerstoff zu fahren. Wäre die Sättigung so geblieben, hätte intubiert werden müssen.

    Ich hatte lange überlegt, ob ich den Patieten in diesem Beispiel nicht noch weiter absacken lasse, wollte aber die Diskussion fördern und durch das Einsatzergebnis auch belohnen.
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