Umgang mit Erlebnissen im EInsatzfall

    • Umgang mit Erlebnissen im EInsatzfall

      Hi ihr da drausen

      ich wollte mal fragen wie ihr mit betrückenden Erlebnissen im Einsatz umgeht. Kurze Vorgeschichte, wir wurden am Morgen des 01.04.2017 zu einem VKU 2x P-klemm gerufen, welcher sich als Seitenzusammenstoß zwischen einem PKW und einem LKW herrausstellte. Bei diesem Einsatz verstarb ein 3 Jahriges Kind, besonders bitter für mich ich kannte ihn persönlich und auch seine Familie. Durch gespräche mit meinen Kamaraden, des KIT und der Angehörigen (gute Bekannte/Arbeitskollegen) hab ich es schon zum großteil verarbeitet obwohl es doch teilweise noch mal hochkommt. Wie geht ihr mit solchen Situationen um bzw was kann man da machen bei solchen Einsätzen (generell Kinder/Bekannte) ?
    • Einfach reden das ist das beste mancher muss das weniger der Andere mehr das ist egal. Das man aber anders reagiert wenn man jemanden kennt oder so etwas ich glaube normal. Nur wie ich schonmal irgendwo geschrieben habe und auch ohne dir zu nahe treten zu wollen ich glaube nicht das es so in ein öffentliches Forum passt, klar das klingt nun genau anders als meine erste Aussage über alles zu reden aber damit meine ich wirklich Gesicht zu Gesicht im privaten Raum
      Autoren im Thread der Mod zu finden! - Es könnte sein das meine Beiträge nicht immer zu 100% stimmen. Für diese evtl. Fehler kann ich nicht haftbar gemacht werden
    • Sprich bitte mit deinen Kameraden (Peers, Führungskräfte) darüber und nimm bei Bedarf nochmal Kontakt zum KIT auf, die können dich auch eventuell weitervermitteln wenn sie einen Bedarf nach spezifischer psychosizialer Unterstützung erkennen.

      Ich nehme an ein Debriefing und Defusing gab es? Bist du noch in den Einsatzdienst eingegliedert oder hast du / eine Führungskraft fürs erste gesagt du machst eine Pause?

      Die Lektüre der FUK Mitte dürfte bekannt sein? Auf Seite 31 findest du Ansprechpartner für Sachsen-Anhalt.
      "Wie immer kommt es darauf an, wer wem was wann wo sagt.
      Wenn zum Beispiel ein General zu mir 'Idiot' sagt, ist das nur eine Beleidigung.
      Im umgekehrten Fall kann das schon der Verrat militärischer Geheimnisse sein."

      ________________________________________________________________~ Volker Pispers
    • Wichtig ist reden, aber nur dann wenn es geht und nicht gezwungen ist. Genauso wichtig ist dem Leben, deinem Leben, seinen Platz zu geben.
      Neben der Bewältigung durch reden solltest du vor allem auch Sachen machen die dir gut tun. Lebe dein Leben mit dem Geschehenen, lass es aber nicht die Kontrolle über dein Leben übernehmen.
      Wichtig beim reden ist, dass du 1. jemanden hast dem du vertraust bzw. zu dem du vertrauen aufbauen kannst und 2. dieser dich verstehen kann. Hast du jemanden der diese Punkte vereint hast du schon mal grundsätzlich einen guten Ansprechpartner, ist dieser entsprechend geschult kann er dir auch eine echte Hilfe sein auf einem ggf. weiteren Weg.

      Persönlich kann ich dir empfehlen dich einfach mal auf der Seite netzwerk-psnv.de/ um zuschauen, hier kannst du ggf. gut Unterstützung und Hilfe erhalten. Hier kannst du kompetente Hilfe bekommen und das von Leuten die "vom Fach sind", das macht das Reden einfacher und sie können dir ein ganz anderes Feedback bzw. eine andere Hilfe bieten.

      @Florian 11/33/1:
      Lass ihn doch hier nach Hilfe suchen, sehe sein geschriebenes einfach als grobe Schilderung zur Vermeidung (dummer) Fragen und als Frage nach Hilfe! Ich glaube nicht, dass der Threadopener hier wirklich sein "Seeelenleid" kundtun will und von hier direkte Hilfe will, daher sollte man ihn dafür auf keinen Fall angreifen. Ich finde es begrüßens- und lobenswert, wenn jemand den Bedarf an Hilfe erkennt und sich Hilfe sucht, auch wenn er dabei den Umweg über das Forum geht.
    • Also ich z.B. rede oft mit anderen Leuten darüber, auch mit Berufskollegen oder privaten Kumpels sowie Geschwistern und Eltern. Andererseits benutze ich auch das Klavier- und Keyboardspielen, um meine Emotionen in Musik freizulassen, was enorm viel hilft (gibt bestimmt Studien darüber).
    • Es gibt da definitiv nicht die Allzwecklösung.

      Ein Ausbilder geht nach jedem Dienst Joggen um den Kopf frei zu bekommen - wäre für mich absolut nichts. Andere reden, wieder andere machen Musik, malen oder sonst irgendetwas. Die Wege die du bis jetzt allerdings gegangen bist sind definitiv nicht falsch, mach einfach weiter das bei dem du entspannen und abschalten kannst, etwas bei dem du dich wohl fühlst. Ich hoffe du verstehst wie ich das meine.
      Schenkt euch Liebe
    • Hi :)
      Ich kann jetzt nicht 100% auf dein Thema eingehen, da ich glücklicherweise nur einen Verstorbenen kannte, der Anlass meines Einsatzes war (Lehrer der Nachbarschule).

      Ich habe mich während des Studiums(u.a. Bachelorarbeit) auch viel mit dem Umgang mit dem Tod beschäftigt.
      Zuletzt wurde ich mit meinem Kollegen zu einer "vermissten" Person gerufen. Verwesungsgeruch, tote Fliegen im Flur, kurz vor Feierabend. Was will man mehr?

      Also Schlüsseldienst angefordert. Da der ja einige Zeit braucht, haben wir uns hingesetzt und haben über unsere Erfahrungen mit Leichen gesprochen. Für mich war es der erste verweste Leichnam und ich war etwas angespannt.
      So waren wir beide aber voll und ganz auf das zu erwartende vorbereitet und die Anspannung lies nach und nach ab.

      Ja wie es auch schon zu erahnen war, haben wir den seit 3 Wochen verstorbenen Wohnungsmieter aufgefunden, gänzlich verwest und halb mumifiziert.

      Dabei fielen dann auch Bemerkungen wie: "Boa, so einen krassen hatte ich ja noch nie!"
      (stützende Copingstrategie)

      Aber auch haben wir uns über unsere Empfindungen ausgetauscht. Mein Kollege meinte, früher habe er den Geruch besser weggesteckt. An dem Tag hatte er echt zu kämpfen. Also hab ich ihm rausgeschickt, eine rauchen und ich habe die Wohnung bis zum Eintreffen der Kripo gesichert.
      (Stärken und Schwächen erkennen - eingestehen)

      Nachdem alles erledigt war, haben wir auf der Wache noch darüber gesprochen, später in der Umkleide gemeinsam unsere Uniformen in Plastiktüten für die heimische Waschnaschine verstaut und haben noch gemeinsam die Wache verlassen.
      Auch in den nächsten Diensten haben wir immer wieder gefragt, wie es dem anderen geht.

      Besonders zu erwähnen war noch, dass nach ein paar Tagen ein Kollege der Kripo, der an dem Fund-Tag Bereitschaftsdienst hatte und die Leichensache aufnahm, bei uns auf der Wache war. Auch er setzte sich kurz zu uns und wir haben nochmal zu dritt darüber gesprochen. Wer fand was ekelig? Wie geht er damit um? Wie lief der Einsatz rein "taktisch/organisatorisch"? Wie war unser Bericht?
      (integrierende Copingstrategie)


      Vielleicht ist mein Beispiel sehr anschaulich und manche erkennen Teile davon sicher aus ihren Einsätzen wieder.
      Letztendlich haben wir alle einen Beruf (zumindest die meisten hier im Forum) bei dem man regelmäßig mit dem Tod konfrontiert wird. Ich halte Reflexion in diesem Bereich für sehr wichtig.
      Wer sich seine Gedanken zum Thema Tod macht, wer selbst seine Rolle reflektiert, der kann denke ich halbwegs vernünftig damit umgehen. Aber es ist natürlich immer Fall- und personenabhängig.

      Ich selbst finde bei der Rollenreflexion immer gute Ansätze, als Freund und Helfer oder Anwalt der Toten noch einmal einen Dienst für diese Menschen zu leisten.

      Bei Fragen oder so gerne eine PN schreiben :)

      @Florian Hettstedt 33 bleib dran :)
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