Immer diese Staplerfahrer

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  • Immer diese Staplerfahrer

    Da ich heute eine Auffrischung meines Erste-Hilfe-Kurs hatte, wollte ich ein Szenario das wir heute beispielhaft durchgespielt haben mit euch noch einmal durcharbeiten. Vielleicht sind Fallbeispiele für Erste Hilfe ja auch ein wenig beliebter, denn die für den Rettungsdienst erstellten Fallbeispiele sind meistens sehr kompliziert.

    Ihr seid Mitarbeiter in einem Logistikunternehmen und arbeitet in einer Lagerhalle. Generell geht es immer drunter und drüber bei euch. Gleichzeitig seid ihr auch der offizielle Ersthelfer für diese Lagerhalle. Für eure Arbeit benötigt ihr nun ein paar Kisten aus dem Lager. Deshalb schickt ihr den Staplerfahrer Klaus los, er soll diese doch bitte holen. Als dann der Chef das zweite Mal in einer viertel Stunde vorbei kommt und euch schon wieder einen Einlauf gibt, wieso die Fracht noch nicht fertig ist, reicht es euch. Ihr geht los und schaut wo der Klaus denn bleibt und ihr seid dabei natürlich ein wenig genervt. Als ihr nun in den Gang schaut, in dem Klaus die Kisten holen soll, seht ihr nur wie der Gabelstapler vor dem Hochregal steht und Klaus scheinbar gelangweilt die Gabel hoch- und runterfährt. Als ihr euch wutentbrannt dem Stapler nähert seht ihr, dass Klaus ins Leere schaut. Als ihr ruft, scheint er euch nicht wahrzunehmen oder zu hören.

    Ab dem Moment beginnt das Fallbeispiel. (Eine kleine Info noch: Das Fallbeispiel kommt offiziell in irgendwelchen Unterlagen beim DRK vor. Ich hoffe, dass die, die es bereits kennen sich zurückhalten. Ich habe es natürlich abgeändert und ausführlicher gestaltet!)
    In der Halle sind an den Notausgängen und an den normalen Eingängen jeweils ein Erste Hilfe Kasten nach Din 13157 aufgehängt.
    Für den Inhalt orientiere ich mich an dieser Liste: dguv.de/medien/fb-erstehilfe/d…ial/liste_eh_material.pdf

    Was wollt ihr tun?
    Viel Spaß!
    Bei groben Fehlern mich bitte darauf hinweisen.

    Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von TH3LASTLINE ()

  • Als ihr dann vorsichtig zu der Fahrerkabine gelaufen seid und ein wenig an seinen Schulter rüttetelt kommt nur ein sehr vernuscheltes "Verschwinde" und ein "Alles ist in Ordnung" zurück. Ansonsten könnt nichts feststellen, außer das der Klaus das Sabbern angefangen hat. Es wirkt fast, als wäre Klaus um weitere 10 Jahre gealtert. Die Gabel fährt er immernoch hoch und runter. Zum Glück weicht der restliche Staplerverkehr auf die anderen Gänge aus.
    Was wollt ihr weiter machen? Wie wollt ihr dafür sorgen, dass der Gabelstapler still steht?
  • Erstmal schau ich ihm ins Gesicht, ob es weitere Anzeichen für einen Schlaganfall gibt, die aktuelle Symtomatik deutet darauf hin.
    Über Betriebsfunk sage ich meinen Chef bescheid, dass der Gang für den Gablerverkehr gesperrt werden soll und ein Rettungswagen gerufen werden soll (Auch wenn es kein Schlaganfall ist: Zeit ist Hirn und ich als Ersthelfer kann dies eh nicht richtig beurteilen, also direkt mal Alarm RD mit Verdacht auf Schlaganfall).

    Beim Stabler: Erstmal ausschalten und Zündschlüssel entfernen. Dann versuche ich Klaus aus dem Führerhaus zu helfen und ihn auf den Boden zu setzen.


    110-Jungs die man ruft - 112-Männer die auch kommen!
  • Also, wir schalten den Stapler ab und ziehen den Schlüssel. Betriebsfunk gibt es für den Ersthelfer leider keinen, denn man hat Prepaid Handys dafür verteilt. Ihr ruft also den Chef an und sagt Bescheid, dass der Staplerverkehr hier gesperrt werden soll. Er fragt ob ihr noch Unterstützung braucht. Ihr sagt, dass ihr euch melden werdet, falls ihr etwas braucht und das er schonmal einen Notruf mit Verdacht auf Schlaganfall absetzen soll. Oder braucht ihr direkt Hilfe? Bei einem Blick in das Gesicht fällt euch tatsächlich ein leichtes "Herunterhängen" der linken Gesichtshälfte auf. Möchtet ihr den Patienten noch aus den Gabelstapler ziehen, oder erstmal sitzen lassen?

    Rettungsdienst in 14 Minuten am Einsatzort

  • ES bleibt die Frage ob wir den EH-Koffer überhaupt brauchen, weil Klaus so an sich ja keinen äußeren Verletzungen zeigt (Verbrennungen, Wunden etc.)
    Hat das Unternehmen Betriebssanitäter falls ja würde ich diese alarmieren.
    Ich wäre vorsichtig mit dem rausziehen, ich würde ihn wohl eher sitzen lassen.
    Gott hat dem Menschen das Feuer gezeigt, weil er von selbst weiß wie man es wieder löscht.
  • Wenn ich wählen müsste würde ich ihn rausziehen, weil er Anzeichen eines Schlaganfalls und keiner Wirbelsäulenverletzung zeigt.

    Edit: Ich würde einen Kollegen anrufen damit dieser mir hilft Klaus aus dem Gabelstapler zu ziehen.
    Gott hat dem Menschen das Feuer gezeigt, weil er von selbst weiß wie man es wieder löscht.

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Y112 ()

  • Da sich an dieser Stelle warscheinlich nicht mehr viel tut und EH-Fallbeispiele nicht bis zum Erbrechen ausgereizt werden können, löse ich hier mal auf. Das ganze war tatsächlich ein Schlaganfall. Das wichtigste war auch hier ersteinmal sich selber abzusichern oder sich in Gefahr zu begeben.

    Das was ich tatsächlich geplant hatte, war allerdings über das Stabilisieren des Patienten zu diskutieren.

    Ein kleiner Fakt am Rande:
    Es gibt zwei Arten von Schlaganfällen. Es kann ein Gefäss im Gehirn geplatzt sein und es kann verschlossen sein. Das Problem ist, dass bei einem Verschluss erhöhter Blutdruck gut ist. Bei einem geplatzten Gefäss ist es allerdings sehr gefährlich, da man dann noch mehr Blut verlieren kann. Von einem Notarzt habe ich gehört, dass der Blutdruck bei 150 (Erste-Hilfe-Blutdruck-Einheit) gehalten wird.

    Generell sollte man zum Überprüfen der Vital-Funktionen den Patienten aus dem Stapler heraustragen. Hilfe ist dabei sicherlich nicht schlecht. Und dann der Ersten-Hilfe üblich den Rettugsdienst so früh wie möglich alarmieren.

    Nun, was ist eure Meinung zu dem Thema aus dem Stapler raus? Habt ihr vielleicht noch eine Meinung zu dem Fallbeispiel?
    Vielen Dank für die Teilnahme!
  • TH3LASTLINE schrieb:

    Es kann ein Gefäss im Gehirn geplatzt sein und es kann verschlossen sein.
    Zählt beides als Schlaganfall, deshalb gibt es mittlerweile spezielle Schlaganfall-RTWs (Mobile Stroke Units, STOMAS), die mit einem kleinen CT/MRT ausgerüstet sind, um schon auf der Anfahrt zum KH die Art des Schlaganfalles feststellen zu können.
    Bei einem geplatzen Gefäß macht es keinen Sinn, Blutverdünner zu geben, da dann das Blut noch schneller austritt und aufs Gehirn drückt. Bei einem verschlossenen Gefäß dagegen ist Blutverdünner eine Maßnahme.
    Um dies so schnellstmöglich herauszufinden und dementsprechend eine Behandlung einzuschlagen, gibt es halt diese RTWs, denn "Time is Brain".


    110-Jungs die man ruft - 112-Männer die auch kommen!
  • zwergenkoenig schrieb:

    Ein Schlaganfall ist eine Durchblutungsstörung im Gehirn.
    Ein "geplatztes" Gefäß ist eine Intra-Cerebrale-Blutung (ICB).
    Jain. Es gibt ja beim Schlaganfall die ischämische (Gefäßverschluss) und hämorragische (Blutung) Variante. Für die die interessiert sind > Flexikon

    Wobei ich dir natürlich recht gebe das der hämorragische Schlaganfall im Sinne des Wortes eine ICB ist.


    @TH3LASTLINE grundsätzlich schönes Fallbeispiel aus dem EH Bereich
  • In der Tat ist es so, dass eine Blutung ähnliche Symptome wie der ischämische Schlaganfall (also die Durchblutungsstörung durch Verschluss einer Hirnarterie) zeigt.

    Nicht nur vom Ersthelfer, auch vom Rettungsdienst kann das präklinisch nicht differenziert werden.
    Das ist auch der Grund, dass beim Schlaganfall präklinisch im Gegensatz zu allen anderen Gefäßverschlüssen (Herzinfarkt, Thrombose, Lungenembolie) die Gabe von blutverdünnenden Medikamenten (Heparin etc.) strikt verboten ist. ... eben weil man damit einen Patienten, der einen "blutigen" Schlaganfall hat, mit hoher Sicherheit umbringen würde.

    Wer die Symptome eines Schlaganfalls zeigt (es bietet sich die Untersuchung nach dem FAS-Schema (= Faziale Parese - Armhalteversuch - Sprachstörung) an) dem werden präklinisch nur die Vitalparameter gesichert sowie Blutzucker und Körpertemperatur bei Entgleisungen korrigiert.
    Dann macht man umgehend ein CT in der Klinik und dann erfolgt die Behandlung...beim ischämischen Schlaganfall ggf. eine Lyse, beim hämorhargischen Schlaganfall, sprich einer ICB die neurochirurgische Vorstellung.

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