Alles ist besser als Thermodynamik

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Dienste bereitzustellen und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem werden durch unsere Partner Informationen zu Ihrer Nutzung für soziale Medien, Werbung und Analysen erfasst. Weitere Informationen

  • Alles ist besser als Thermodynamik

    Hallo zusammen,
    nachdem ich in diesem Unterforum immer gerne als "stiller Mitleser" aktiv war, es in letzter Zeit aber leider ziemlich ruhig war, möchte ich mich nun selbst einmal an einem Fallbeispiel versuchen. Folgende Situation erwartet euch:

    Es ist der 30. März und einer der ersten wirklich schönen Frühlingstage mit Temperaturen um die 20 Grad. Ihr, Sebastian (22, San) seit heute als First Responder (HvO) für euren Ortsverein eingeteilt, daher habt ihr den Rettungsrucksack (siehe Spoiler) bereits heute Morgen vor der Fahrt zur Uni in euren privaten PKW geladen. Gegen 11:00 lauscht ihr gerade den „spannenden“ Ausführungen eures Professors zur Thermodynamik und schweift in Gedanken langsam in Richtung Mittagessen ab, als plötzlich der Funkmeldeempfänger den Monolog des Dozenten unterbricht:

    R1+ 17B01 STURZ / ABSTURZ
    Am Weiherweg (Patient auf der Straße), Schussenweiler
    Anrufer: Egger
    Hochtopfingen 1/83-01, FR Schussenweiler

    Eurer Kommilitone Jan, ebenfalls San, begleitet euch. Nach etwa 2 Minuten erreicht ihr die Einsatzstelle und findet einen auf dem Boden sitzenden Herren mittleren Alters vor. Erfahrungsgemäß benötigt der RTW aus Hochtopfingen ab Alarmierung etwa 15 Minuten bis zu euch.

    Der Patient gehört euch ;)

    Spoiler anzeigen

    Ausstattung eures Notfallrucksacks:

    Diagnostikmaterial (BZ-Messgerät; Finger-Pulsoximeter; Diagnostikleuchte; Blutdruckmessgerät; Stethoskop)
    Verbandsmaterial
    Rettungsdecke 2 Stk.
    Sofortkältekompresse 2 Stk.
    Sauerstoffflasche mit Druckminderer (2l mit 200bar)
    Atemwegsmangement (Larynxtubus mit Zubehör (gelb-violett je 1x); Guedeltubus (alle Größen); päd. & Erw Beatmungsbeutel inkl. Masken & Filter; Gänsegurgel; Sauerstoffbrillen; Sauerstoffmasken)
    Hand-Absaugpumpe
    SamSplint
    HW-Schiene
    i.V.-Zugang / Infusion (Hautdesinfektionsmittel; Zugangsnadeln (2x rosa; 2x grün; 2x weiß; 2x orange); Fixationspflaster; 2x Infusionsbesteck; 1x Abwurfbox klein; 1x kristalloide Infusion 500ml)
    Replantat-Beutel-Set
    Flasche Mineralwaser 0,5l
  • Ein Funkgerät wird in den Standard-Studentenkleinwagen leider nicht ab Werk verbaut, die Rückmeldung muss daher leider entfallen

    Ihr schirmt die Einsatzstelle mit eurem PKW gegen den fließenden Verkehr ab.


    Im Anschluss nehmt ihr den Rucksack und nähert euch dem Herrn am Boden. Er wirkt stark verschwitzt und unruhig. Während ihr euch vorstellt, fällt euch außerdem auf, dass er relativ schnell atmet. Der Patient gibt an, den Rettungsdienst aufgrund starker Schmerzen im linken Fuß gerufen zu haben.

  • Ok, da wir ja zu zweit sind, soll mein "Partner" mal mittels Handy eine kurze Lage an die Leitstelle geben, Inhalt: Person angetroffen, augenscheinlich Anzeichen eines Schockes, Schmerzen im linken Fuß.

    Dann frage ich ihn erstmal weshalb er Schmerzen im Fuß hat und ob er sich daran erinnern kann, was überhaupt passiert ist. Dann soll er versuchen seinen Schuh ausziehen.
    Wenn dies funktioniert, machen wir ein Sofort-Kühlakku bereit, um den Fuß, zu kühlen. Natürlich schauen wir vorher nach, welche Verletzungsart er hat und ob Kühlen überhaupt Sinn macht.
    Wenn er den Schuh nicht ausziehen kann, kann man ihn erstmal beruhigen und jenachdem auch mal eine Tüte geben, damit die Hyperventilation aufhört bzw. besser wird.


    110-Jungs die man ruft - 112-Männer die auch kommen!
  • Ihr meldet euch per Handy bei der Leitstelle: "First Responder Schussenweiler hier, Einsatzstelle erreicht, Person angetroffen, augenscheinlich Anzeichen eines Schocks, Schmerzen im linken Fuß."


    Rückfrage der Leitstelle: Wird ein Notarzt benötigt? (Anfahrt ca. 20 Minuten mit Signal / 25 ohne)

    Weitere Fragen:
    Tüte ja oder nein?
    Schuh ausziehen ja oder nein?
    Was wollt ihr eventuell davor noch fragen / messen? Um das Ganze ein wenig strukturiert anzugehen: Noch wissen wir ja gar nicht genau, was genau unserem Patienten fehlt. Weit verbreitet sind ja die beiden Schemata ABCDE und SAMPLE(R). Versucht euch doch mal daran. Für was stehen die Buchstaben und welche Fragen interessieren uns dabei im konkreten Fall?

  • Na wenn schon, dann aber richtig.
    Da wir es hier offensichtlich mit einem Trauma zu tun haben, gehen wir nach CABCDE vor.

    Circulation
    -Sehen wir starke äußere Blutungen?

    Airway/Atemwege
    -Atemwege frei?
    -Atmung vorhanden?
    -Besteht ein Risiko für Verlegung?
    -HWS-Immobilisation nötig?

    Breathing/Belüftung
    -Thorax anschauen
    -Auskultation und Palpation
    -Halsvenen gestaut? Zyanose?
    -Was sagt das Pulsoxy?

    Circulation
    -Wie ist der Puls bzw. die Rekap-Zeit?
    -Wie hoch ist der Blutdruck?
    -Sind große Knochen (Pelvis, Femur) augenscheinlich gebrochen?

    Disability
    -Wie ist die Pupillenreaktion?
    -Wie ist der GCS?

    Environment/Exposure
    -Restlicher Body-Check
    -Entkleiden nur wenn wirklich nötig!

    Oder wir fragen auch einfach mal den Herr, was passiert ist.

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von zwergenkoenig ()

  • Leute...wir wissen doch noch überhaupt gar nicht was passiert ist.

    Einsatzmeldung "Sturz/Absturz". Da sitzt nun einer auf dem Bordstein, dem der Fuß wehtut, und der aus welchen körperlichen oder seelischen Gründen auch immer nun Stress hat.
    Da reicht die Spannweite der möglichen Ereignisse von "umgeknickt und Sprunggelenkszerrung" bis "aus 10 m Höhe aus dem Baum gesegelt und Polytrauma".

    Und bevor wir irgendwas machen, sollten wir als allererstes einmal klären, was exakt passiert ist, denn davon hängt unser komplettes weiteres Vorgehen ab.

    sb-modder schrieb:

    jenachdem auch mal eine Tüte geben, damit die Hyperventilation aufhört bzw. besser wird.

    Hmmm...
    mal angenommen, unser Freund hier hat wie auch immer nach Sturz ein Thoraxtrauma mit Rippenserienfraktur und/oder instabilem Thorax und/oder Hämatopneumothorax ...
    ...und er atmet so schnell weil er viel zu wenig Sauerstoff ins Blut bekommt.
    Ich habe meine Zweifel, dass du ihm damit weiterhilfst, ihm mit einer Plastiktüte die Sauerstoffzufuhr komplett abzuschneiden... ;)

    Wenn einer nach 3 Liter Blutverlust im massiven Volumenmangelschock ist, ist die Gabe eines Betablockers gegen die Tachykardie ja nun auch nicht so wirklich hilfreich.

    Also nochmal ... erstmal den Unfallhergang eruieren, und dann können wir über den Rest reden...

    Moderator || Benutzerbetreuung BOS
  • Wie soll es denn nun konkret weitergehen? Was wollt ihr als nächstes fragen oder untersuchen? Worauf achtet ihr dabei?

    Hier nochmal zur Erinnerung, was wir bisher haben:
    Wir sind als First Responder mit dem Stichwort "Sturz / Absturz" alarmiert worden. Vor Ort haben wir einen Herren mit starken Schmerzen im Fuß vorgefunden, der seiner Aussage nach beim Joggen „falsch aufgetreten“ ist. Weiterhin ist uns aufgefallen, dass er stark verschwitzt und unruhig ist und hörbar schnell atmet.

    emergency call 911 schrieb:

    Ist es kalt, ist der Jogger leicht bekleidet?

    Es sind momentan ca. 20°C, der Mann trägt T-Shirt und eine kurze Hose

  • Wie @Dr. Green bereits sagte. Wenn der Patient sagt, ihm tue der Fuß weh, würde ich zumindest mal ein Auge drauf werfen. In der Zeit, während wir uns dem Fuß anschauen, können wir ja wie @emergency call 911 sagte, ihn befragen, ob er noch irgendwelche Beschwerden hat.

    Hatten wir das SAMPLE schon? Das würde ich gerne mal durchgehen..
    Ansonsten Blutdruck, Puls, ect.

    Bis jetzt gehe ich, wegen der Schnellen Atmung, Schweiß, unruhiges Verhalten, von einem Schock aus. (Kann aber auch von dem Joggen und der Aufregung evt. kommen?).

    Frankfurt am Main Modifikation auf Facebook

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von GreenCookie ()

  • Ich würde mir gerne als erstes den Fuß anschauen, um beurteilen zu können, ob sein Allgemeinzustand damit erklärbar wäre.

    Wenn er eine Sprunggelenksluxationsfraktur hat und sein Fuß 90° nach Westen steht, dann hätte ich an seiner Stelle auch schmerz- und stressbedingt Schwitzehändchen, Unruhe und Tachypnoe.

    Falls sein Fuß keine signifikanten Verletzungszeichen aufweist, dann müssten wir im nächsten Schritt überlegen, warum unser Jogger so ist, wie er gerade ist ... und ob er nicht noch ein ganz anderes Problem hat ...

    Moderator || Benutzerbetreuung BOS