"Mobile Retter e.V." - First Responder 2.0?

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    • "Mobile Retter e.V." - First Responder 2.0?

      Aloha,

      in meiner Region gibt es seit Anfang diesen Monats ein neues Ersthelfer-System, die sogenannten "Mobilen Retter".

      Dieses System ist für den Fall der Fälle, einer Reanimation, konzepiert und soll möglichst schnell engagierte Ersthelfer an den Unglücksort bringen. Dazu registrieren sich Rettungsdienstmitarbeiter, Krankenpfleger, Angehörige von Hilfsorganisationen oder Feuerwehren, Ärzte etc. ehrenamtlich und lassen sich über ihr Handy orten. Nimmt die Leitstelle einen Notruf an, bei dem davon auszugehen ist, dass unter Umständen eine Reanimation notwendig ist, sucht das System automatisch den "Mobilen Retter", der sich in unmittelbarer Nähe zum Einsatzort befindet und informiert ihn über die Handy-App über den Einsatz. Der Ehrenamtliche begibt sich dann zur angegeben Adresse und leitet gegebenenfalls die Laien-Reanimation ein, sofern nötig. Der Sinn des ganzen ist ganz einfach: Es soll das therapiefreie Intervall verkürzen, das unter Umständen für das Überleben und die Überlebensqualität des Patienten entscheidend ist. Erwähnenswert dabei ist, dass es sich dabei nicht um eine feste Ersthelfergruppe wie "First Responder" oder "Helfer vor Ort" handelt sondern tatsächlich um ein flächendeckendes Netz an Einzelpersonen, die sich da registrieren und zur Verfügung stehen, wenn in der unmittelbaren Nähe ein solcher Notfall eintritt. Die Ausbildung (die Helfer haben in der Regel bereits eine medizinische Ausbildung) umfasst dabei nur eine spezielle Schulung/Auffrischung zur Laienreanimation, eine erweiterte Ausstattung ist in der Regel nicht vorhanden. Ist also tatsächlich ein System zur reinen ersten Hilfe, die den Rettungsdienst oder bestehende Ersthelfergruppen ergänzen soll.

      In der Region in der ich wohne, wurde das System zum 1. Oktober eingeführt. Seitdem wurden die "Mobilen Retter" laut Medien bereits 20 mal alarmiert, die Eintreffzeit lag bisher in der Regel bei wenigen Minuten. Neben einigen Startschwierigkeiten also ein gelunger Start, denke ich :)

      Was haltet ihr von diesem Ansatz? Ich selbst finds ganz interessant, habe mich auch selbst schon registriert - schaden wirds sicher nicht :) Man muss sich halt bewusst darüber sein, dass das ganze auf reine Ersthelfer-Maßnahmen abzielt und nicht auf Notfallmedizin, wie man es von HvO-Gruppen oder ähnlichem kennt. Ich warte noch auf die Schulung bzw. Einweisung in dieses System, kann dann gerne nochmal davon berichten, wenn das Interesse besteht :)

      Gruß
      Jonny
    • Tolles System! In Singapur gibt es ein sehr ähnliches System "myResponder", wenn ich richtig liege war es sogar das Vorreiter Modell aller ähnlichen Systeme. Das System funktioniert sehr ähnlich und setzt hauptsächlich auf Ärtzte, Krankenplegepersonal, Feuerwehrleute, Sanitäter und die Mitglieder der verschiedenen Nationalen Jugendvereinigungen sowie den SMRT Taxifahrern welche AEDs mitführen. Bisher hat sich das System in Singapur bewährt.

      In der Funktion ist der Hauptunterschied das Personen in einem gewissen Radius zum Notfallpatienten eine Benachrichtgung erhalten und somit direkt dorthin gehen können. Auf dem Bildschirm wird weiterhin der Standort des nächstgelegenen AED angezeigt damit dieses so schnell wie möglich zum Einsatz kommt.

      Der Hauptunterschied ist das "myResponder" Taxifahrer, bisher nur die von SMRT, miteinbezieht. Die Fahrer haben die möglichkeit ihr Taxi mit einem AED auszurüsten. Sie werden ebenfalls über diese App Aufgeboten. Die Idee hinter den Taxis war das man möglicht überall ein AED hat, was durch die flächendeckenden Standorte der Taxistände und die ständige Bewegung der Fahrzeuge anscheinend gut funktioniert.

      Meiner Meinung nach sollten solche Erst- bzw. Laienhilfeapps mehr eingesetzt werden, vor allem in den Städten. Jeder kann die Laienhilfe lernen. Das ganze macht mich gespannt auf weitere solche Entwicklungen!
    • Das System ist in meinen Augen schon sinnvoll, vor allem in ländlichen Gebieten, in denen der Rettungsdienst schon hart an der Grenze der Hilfsfrist tätig werden kann. Wenn man jetzt beispielweise einen Bauernhof nimmt, der z.B. im Ort nur unter einem bestimmten Namen bekannt ist, kann der "Mobile Retter" jenachdem mit dem Namen, der der Bauer beim Notruf angegeben hat, mehr anfangen als Disponent und schonmal dorthinfahren und der Leitstelle die genaue Adresse durchgeben.

      Aber auch die Erste Hilfe dabei macht Sinn, denn viele normale Bürger trauen sich nicht, Erste Hilfe zu leisten oder haben Angst, etwas falsch zu machen oder sind einfach geschockt. Wenn dann schon nach kurzer Zeit ein "Mobiler Retter" eintrifft, kann dieser nicht nur mit der EH beginnen, sondern auch den Angehörigen oder wer auch immer dabei ist, die Angst nehmen und auch in die Erste Hilfe Maßnahmen mit einbinden.

      Solange das System so genutzt wird, wie es geplant ist (bei lebensbedrohlichen Lagen wie Bewusstlosigkeit, Herzkreislaufstillstand) und nicht auch bei kleineren Kavaliersverletzungen wie Knochenbrüche, Wunden, die nicht zeitkritisch sind, hat diese App potenzial. Doch es müsste eine spezielle "Prüfung" geben, damit sich nicht jeder darin anmelden kann.


      110-Jungs die man ruft - 112-Männer die auch kommen!
    • sb-modder schrieb:

      Solange das System so genutzt wird, wie es geplant ist (bei lebensbedrohlichen Lagen wie Bewusstlosigkeit, Herzkreislaufstillstand)
      Zumindest bei uns (dem "Mutter-Kreis") wird es strikt für die Stichworte "Bewusstlosigkeit" und "Reanimation" verwendet.

      sb-modder schrieb:

      Doch es müsste eine spezielle "Prüfung" geben, damit sich nicht jeder darin anmelden kann.
      Gibt es auch. Medizinische Fachkräfte oder Mitglieder der BOS, dazu kommen jährliche CPR-Rezertifizierungen.

      Für mehr Grautöne!
    • Ich finde dies, ich nenne es mal Project, hat sehr viel Potential...

      ..allerdings sollte es dabei klare richtlinien geben wann diese Alamiert werden dürfen?!
      Ich sehe sonst die gefahr, dass die zivilen First Responder (nachfolgend zFR) als "billige" alternative zum eig. FR gesehen werden.
      Klar hat der zFR nicht die ausstattung wie ein FR, aber der komune bleiben dadürch irgendwo Kosten ersparrt. (Weniger Kfz-kosten, weniger FR-Standorte)
      Oder eben wenn ein ansässiger Arzt in der nähe ist, dass dieser nicht als Notarzt-Ersatz missbraucht wird. (klingt komisch, is aber so)

      Zum anderen stellt sich mir die Frage: Wenn ein zFR verunfallt oder dieser etwas übersieht und dadurch die Falschen Schritte einleitet und folgeschäden am patienten entstehen,
      wer haftet dann dafür? Wenn der zFR dafür grade stehen muss ist spätestens nach dem ersten Vorfall ein massiver Rückgang der freiwilligen zu erwarten.

      Wenn all diese Fragen/Vorraussetzungen geklärt sind, dann steht dem Project absolut nichts mehr im Wege.
      Ich bin wie ich bin, wer nen Problem mit mir oder meiner Meinung hat:

      Pech gehabt, hol dir nen Keks und freu dich. - Toll nu sind alle Kekse wegen dir leer, nu is des Krümmelmonster wegen dir traurig!


      Meine Beiträge stellen ausdrücklich meine persönliche Meinung dar und nicht die Meinung dritter!

    • Hugo schrieb:

      ..allerdings sollte es dabei klare richtlinien geben wann diese Alamiert werden dürfen?!
      Siehe meine Antwort weiter oben. Hier (sic!) Bewusstlosigkeit und Reanimation.

      Hugo schrieb:

      Klar hat der zFR nicht die ausstattung wie ein FR, aber der komune bleiben dadürch irgendwo Kosten ersparrt. (Weniger Kfz-kosten, weniger FR-Standorte)
      Der Mobile Retter ersetzt definitiv keinen First Responder, sondern dient quasi als weitere "Zwischenstufe". Mir sind im hiesigen Bereich durchaus Einsätze bekannt, wo in einer Kommune mit hauptamtlicher Wache der Mobile Retter, das hauptamtlich besetzte HLF und aus der Nachbarkommune RTW und NEF alarmiert wurden.

      Über den Sinn von First Responder-Einheiten kann man gerne nochmal woanders diskutieren.

      Hugo schrieb:

      Oder eben wenn ein ansässiger Arzt in der nähe ist, dass dieser nicht als Notarzt-Ersatz missbraucht wird. (klingt komisch, is aber so)
      Wie auch immer ein ansässiger Arzt "missbraucht" werden kann. Das musst du nochmal näher erklären.

      Hugo schrieb:

      Zum anderen stellt sich mir die Frage: Wenn ein zFR verunfallt oder dieser etwas übersieht und dadurch die Falschen Schritte einleitet und folgeschäden am patienten entstehen,
      wer haftet dann dafür? Wenn der zFR dafür grade stehen muss ist spätestens nach dem ersten Vorfall ein massiver Rückgang der freiwilligen zu erwarten.
      Derartige Fragen wurden kürzlich beim 1. Mobile Retter Symposium in Gütersloh diskutiert. Die Mobilen Retter sind momentan über den jeweiligen Betreiber (Gebietskörperschaft/HiOrg) unfall-, strafrechts- und verkehrsrechtsschutzversichert.

      Für mehr Grautöne!
    • sb-modder schrieb:

      vor allem in ländlichen Gebieten, in denen der Rettungsdienst schon hart an der Grenze der Hilfsfrist tätig werden kann
      Nicht nur ländliche Gebiete Profitieren! Denke mal an Staus, und (unnötige)Einsätze in Grossstädten. Da macht das System noch mehr sinn um schnellstmöglich eine Reanimation einzuleiten. auch um ein AED aufzutreiben ist es ein geniales System.
      Aber wie du erwähnt hast. vorraussetzung sind klare Richtlinien und für mich steht eigentlich fest das ein Ziviler nur in einer Leben oder Tod Situation, d.h. Reanimation,herbeigezogen werden sollte.
    • Lars schrieb:

      Hugo schrieb:

      Zum anderen stellt sich mir die Frage: Wenn ein zFR verunfallt oder dieser etwas übersieht und dadurch die Falschen Schritte einleitet und folgeschäden am patienten entstehen,
      wer haftet dann dafür? Wenn der zFR dafür grade stehen muss ist spätestens nach dem ersten Vorfall ein massiver Rückgang der freiwilligen zu erwarten.
      Derartige Fragen wurden kürzlich beim 1. Mobile Retter Symposium in Gütersloh diskutiert. Die Mobilen Retter sind momentan über den jeweiligen Betreiber (Gebietskörperschaft/HiOrg) unfall-, strafrechts- und verkehrsrechtsschutzversichert.

      Wikipedia schrieb:

      Der Gesetzgeber schützt den Ersthelfer: Auch wenn durch Erste-Hilfe-Leistungen Schäden an der Kleidung oder durch Sofortmaßnahmen wie eine Herz-Druck-Massage gesundheitliche Beeinträchtigung entstehen, drohen Ersthelfern keine rechtlichen Konsequenzen (siehe auch Rechtliche Aspekte bei Hilfeleistung). Eine Voraussetzung ist jedoch, dass das Wissen und die Fähigkeiten auf dem aktuellen Stand sind und nicht grob fahrlässig oder vorsätzlich fehlerhaft gehandelt wird.
      Ein Mobiler Retter ist ja nichts anderes als ein Ersthelfer - wieso sollte es da denn Probleme mit der Haftung geben?


      SJonny schrieb:

      Was haltet ihr von diesem Ansatz?
      @SJonny
      @Lars
      Wie sieht's bei diesem System mit dem Datenschutz aus? Ich nehme an, da werden dann ja Patientendaten wie Name und Ort übertragen?



      Da der von SJonny verlinkte Artikel offenbar nicht bei jedem abrufbar ist, hier die offizielle Pressemitteilung:
      Mobile Retter helfen im Raum Ingolstadt

      R.I.P. SJonny :-(

      Benutzt das Winterberg Wiki! --- Neu: YouTube-Kanal mit Tutorials!
    • @Lars das mit dem "Missbrauchen des ansäßigen Arztes" wolltest du erläutert haben...
      ...nundenn, ich versuchs mal in pixel zu übertragen was ich damit meine:

      Für gewöhnlich hat ein jeder Arzt Medikamente und "Werkzeuge" für eine vielzahl an Notfällen parat.
      Mit Medikamenten meine ich schlicht und einfach den Schrank den jeder Arzt hat und mit Werkzeugen eben alles was man so gebrauchen kann für Notfälle innerhalb der Praxis und darüber hinaus. (Verbände, Sauerstoffmasken, Tubus). Schlichtweg ein Ansäßiger Arzt kann da durchaus sehr gute "erste hilfe" leisten, birgt aber meiner ansicht nach eben die Gefahr das die Leitstelle dazu nur ein RTW Alamiert und sich sagt "is ja nen Arzt vor Ort, da kann man des NEF ja nachordern wenn benötigt". Dies setzt natürlich vorraus das die Leistelle weiss wer von den Zivilen Helfern "angefunkt" wird und das es ggf. nicht so schlimm ist wie am Telefon u.a. gemeldet wurde.

      Ich weiss, kuriose Gedankengänge die vermutlich vollkommen unnötig sind, aber es ist nunmal jede gefahr da - egal wie groß oder klein. Wenn die Leitstelle nicht mitbekommt wer von den zivilen Erst-Helfern angefunkt wird, dann hat sich das wiederum mit dem Gedanken-gang erledigt und ist hinfällig ^^
      Ich bin wie ich bin, wer nen Problem mit mir oder meiner Meinung hat:

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    • @Hugo: Die Mobilen Retter werden nur bei Bewusstlosigkeit und Reanimationssituationen alarmiert. Eine Leitstelle, die bei diesen beiden Schlagwörten keinen Notarzt mitalarmiert, musst du mir mal zeigen :| . Das wäre jawohl grob fahrlässig. Übrigens geschieht die Alarmierung der Mobilen Retter soweit ich weiß ohne aktives Zu-Tun des Disponenten, insofern wird er auch nicht sehen, ob jetzt ein Betriebssanitäter oder ein im auch Notarztdienst aktiver Arzt informiert wird. Dadurch dürfte ein solcher "Missbrauch" der registrierten Helfer erstmal ausgeschlossen sein.

      Einen richtigen First Responder ersetzt das System auch nicht, es ist wie @Lars schon sagte eher eine weitere "Zwischenstufe". Die Rettungskette wird also um ein Element - nämlich den Sanitäter, der zwei Straßenzüge weiter wohnt und die erste Hilfe übernehmen kann - ergänzt.

      Versichert sind die Ersthelfer soweit ich weiß über die Trägerorganisation. Ein Unterschied zu einem Ersthelfer, der privat zu einem Notfall kommt, besteht insofern schon, dass es sich ja um organisierte Erste Hilfe handelt und nicht um einen einzelnen Helfer, der zufällig vor Ort ist.

      @sb-modder: Die Ausbildung umfasst zusätzlich zur medizinischen Ausbildung der Teilnehmer wie gesagt wohl eine Reanimations-Prüfung, die (denke ich, das weiß ich noch nicht sicher) auch jährlich wiederholt oder nachgewiesen werden muss.

      @D5B_SGW: Zum Thema Datenschutz kann ich leider noch nichts sagen, da werd ich hoffentlich auf der Ersteinweisung ein bisschen was erfahren. Ich kann mir aber vorstellen, dass das eher ein kleines Problem ist, da die Teilnehmer in der Regel ja z.B. über die Hilfsorganisation, in der sie aktiv sind, selbst zur Verschwiegenheit verpflichtet und unterwiesen sind.

      Gruß
      Jonny
    • SJonny schrieb:

      Was haltet ihr von diesem Ansatz?
      Auf jeden Fall sinnvoll. Selbst in Großstädten braucht das erst-eintreffende Fahrzeug fast nie weniger als 5 Minuten, wenn man nicht direkt vor der Feuerwehr oder Rettungswache liegt. ^^
      Und damit isses halt irgendwie nicht möglich eine HLW innerhalb von 2-3 Minuten nach Kreislaufstillstand zu beginnen. Und auf zufällige Erst-Helfer ist ja nicht immer Verlass.

      d.seed schrieb:

      Der Hauptunterschied ist das "myResponder" Taxifahrer, bisher nur die von SMRT, miteinbezieht. Die Fahrer haben die möglichkeit ihr Taxi mit einem AED auszurüsten. Sie werden ebenfalls über diese App Aufgeboten. Die Idee hinter den Taxis war das man möglicht überall ein AED hat, was durch die flächendeckenden Standorte der Taxistände und die ständige Bewegung der Fahrzeuge anscheinend gut funktioniert.
      Wir haben in der BRD ca. 50 000 Taxis. Das heißt würde jeder Steuerzahler (ca. 45 000 000) etwas mehr als einen Euro von seinen Steuergeldern abgeben, könnten wir jedes Taxi mit nem AED auf Steuergeldern austatten (Anahme: 1000 Euro pro AED)... Wäre eigentlich ne ziemlich coole Sache und kostet ja auf den einzelnen Bürger gerechnet nicht viel.
    • AaronKl schrieb:

      Auf jeden Fall sinnvoll. Selbst in Großstädten braucht das erst-eintreffende Fahrzeug fast nie weniger als 5 Minuten, wenn man nicht direkt vor der Feuerwehr oder Rettungswache liegt.
      Und damit isses halt irgendwie nicht möglich eine HLW innerhalb von 2-3 Minuten nach Kreislaufstillstand zu beginnen. Und auf zufällige Erst-Helfer ist ja nicht immer Verlass.
      Vor allem, da das Gehirn nach drei Minuten ohne Sauerstoff 10%/min seiner Kapazität verliert, d.h., nach ca.15 Minuten ist man auf jeden Fall tot.
      Wenn man jetzt schon nach zwei Minuten mit der Reanimation anfängt, kann man einen relativ gut retten bzw. die Zeit des Sauerstoffmangels verkürzen.

      Doch das es überhaupt so weit kommen musste, dass über eine App Ersthelfer alarmiert werden müssen, da sich die Gesellschaft nicht zur Erste Hilfe traut, traurig.


      110-Jungs die man ruft - 112-Männer die auch kommen!
    • sb-modder schrieb:

      Doch das es überhaupt so weit kommen musste, dass über eine App Ersthelfer alarmiert werden müssen, da sich die Gesellschaft nicht zur Erste Hilfe traut, traurig.

      Das siehst du falsch, glaube ich. Plötzliche Herz-Kreislauf-Stillstände kommen in den meisten Fällen zu Hause vor - und nur selten in aller Öffentlichkeit, wo unter Umständen tatsächlich genug Leute das Geschehen mitbekommen und Erste Hilfe leisten könnten. In diesen Fällen hast du schon recht, da ist es traurig wenn niemand hilft.
      Zu Hause ist es dagegen eher so, dass Erste-Hilfe-Maßnahmen eher unterlassen werden, weil sich die Angehörigen nicht in der Lage dazu fühlen. Entweder weil das Ömchen mit 67 Jahren körperlich nicht in der Verfassung ist, den Opa von der Couch auf den Boden zu heben und die Herzdruckmassage zu bginnen oder aber weil die psychische Belastung zu groß ist um tatsächlich eigenhändig tätig zu werden. Und für diese Fälle ist dieses System wohl genau das richtige, für alle anderen dürfte natürlich der Ansatz der Telefonreanimation genau so greifen.

      Gruß
      Jonny
    • sb-modder schrieb:

      Vor allem, da das Gehirn nach drei Minuten ohne Sauerstoff 10%/min seiner Kapazität verliert, d.h., nach ca.15 Minuten ist man auf jeden Fall tot.
      Ich hatte gelernt, dass die Überlebenschance pro Minute um 10% sinkt, man also nach 7 Minuten schon hirntot sein dürfte - kann da jemand mal was dazu sagen? Hat mir mein Ausbilder Mist erzählt?

      Ich finde das Prinzip prinzipiell auch gut. Aber mir sind noch 3 Punkte eingefallen, die man berücksichtigen sollte:
      • Alarmierung während der Fahrt: Es gibt so schon genug Leute, die während der Fahrt auf ihr Handy schauen. Ich denke, wenn die wissen, dass sie einen "Einsatzauftrag" erhalten haben, werden sie sofort das Handy rausholen und draufschauen - bestimmt auch während der Fahrt. Die Versuchung dürfte jedenfalls sehr groß sein.
      • Heißdüsen: In einer "richtigen" Organisation weiß man ja, wer dafür geeignet ist oder nicht. Findet eine Eignungsprüfung auch bei diesem System statt? Jeder kennt das "ankommen, nicht umkommen". Bei Hilfskräften sollte das auch im Kopf verankert sein, aber da bei den mobilen Rettern ja jeder mitmachen kann, der die kurze Schulung macht, ist da für mich auch Gefahrenpotential bzgl. der Fahrweise da. Jeder weiß selbst, dass der Adrenalinspiegel beim Stichwort Reanimation auf Maximum steigt, auch für erfahrene Retter, für die das schon fast zum Tagesgeschäft gehört. Aber Heinz-Peter, der sonst nichts mit einer Hilfsorganisation zu tun hat, verliert vielleicht den Kopf und rast mit 130 nachts in den nächsten Ort - wer weiß, ob er auch ankommt?
      • Wie ist generell die Versicherung des eigenen Fahrzeuges? Läuft das wie bei einer First Responder Organisation? Sprich Unfallkasse o.ä.?
    • So wie ich das bisher verstanden habe, werden die Helfer ja nur alarmiert wenn sie in unmittelbarer Nähe zum Einsatzort sind. Insofern dürften rasante Anfahrten mit dem Privat-PKW sich in Grenzen halten oder wenn überhaupt nur ein paar hundert Meter weit sein. Und dafür muss man dann bei einem solchen System wohl einfach an die Vernunft der Teilnehmer appellieren...
    • DerWeiseler schrieb:

      Ich hatte gelernt, dass die Überlebenschance pro Minute um 10% sinkt, man also nach 7 Minuten schon hirntot sein dürfte - kann da jemand mal was dazu sagen? Hat mir mein Ausbilder Mist erzählt?
      Ich habs so gelernt: In den ersten 3 Minuten ist noch genug Sauerstoff vorhanden - bei vorhandener Blutzirkulation. (Also erste 3 Minuten drücken ohne Beatmen istalso prinzipiell fein, danach besser als nichts, aber auch nicht gut.) Ohne Blutzirkulation dürfte es erheblich schlechter aussehen auch in den erste 3 Minuten. Und jede Minute ohne ausreichende Sauerstoffversorgung verringert Überlebenschance um 10%.
    • DerWeiseler schrieb:

      Ich hatte gelernt, dass die Überlebenschance pro Minute um 10% sinkt, man also nach 7 Minuten schon hirntot sein dürfte - kann da jemand mal was dazu sagen? Hat mir mein Ausbilder Mist erzählt?
      Also: Die ersten drei Minuten kann das Gehirn die Luft anhalten - also ohne Sauerstoff auskommen, ohne Schaden zu nehmen. Ab dann sinkt pro Minute die Überlebenschance bzw. die Hirnleistung um 10%. Also nach 10 Minuten sind 0% Gehirn vorhanden. Jetzt rechnen wir mal: 3+10 ergibt 13, gerundet etwa eine viertel Stunde. Was dir dein Ausbilder gesagt hat, kann ich jetzt nicht wissen, ich habe diese Rechnung bei zwei verschiedene Lehrgängen erzählt bekommen: AGT und Erste-Hilfe (und die habe ich drei Mal gemacht, und jedes Mal dies erzählt bekommen). Theoretisch könntest du auch nach 10 Minuten erfolgreich reanimiert werden, ohne dass in den 10 Minuten vor Beginn der Reanimation nichts gemacht wurde. Wir hätten dann die 3 Minuten ohne einen Verlust und dann die 7 Minuten (=> 70% Verlust der Gehirnkapazität). Entweder würdest du dann nicht mehr erwachen bzw. ins Wachkoma fallen oder wenn du wach wirst, bist du dei-dei im Kopf.


      110-Jungs die man ruft - 112-Männer die auch kommen!
    • Lasst doch diese sinnlose Diskussionen über Hypoxiezeiten. Jeder der schon eine Weile im Rettungsdienst arbeitet weiß, dass diese Regel in der Realität nichts zu sagen hat und das manche Patienten sich schon nach wenigen Minuten nicht mehr reanimieren lassen während andere (wenige) noch nach fast 20 min ein gutes neurologisches Outcome hatten.

      Zum "Mobile Retter" System:
      Ich finde die Idee gut, allerdings interpretieren hier viele den Kerngedanken anders als ich. Das System ist eigentlich kein First-Responder-System! Es soll einfach nur zufällig in der unmittelbaren Nähe befindliche Helfer auf den Notfall aufmerksam machen, um z.B. zu verhindern dass der unbekannte Nachbar von Oma Bömmelkamp, ein hauptberuflicher Anästhesist, gegenüber gelangweilt vor dem Fernsehen sitzt während Opa Bömmelkamp mangels suffizienter HLW langsam aber sicher auf das helle Licht zusteuert.

      Das System ist nicht dafür gedacht, dass irgendwelche "Spritzer" in ihrem privaten "First-Responder-NEF" den ganzen Tag auf eine Alarm-SMS aus dem Nachbarort warten um dann dort hinzurasen und einen auf ALS-Reanimation zu machen!
      Dafür ist dann ergänzend ein echtes First-Responder-System nötig, was auch entsprechend kontrolliert, finanziert und abgesichert ist.